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  • 17.02.2017, 17:58 Uhr17.02.2017, 17:58 Uhr
Kirn

Berufsorientierung: Wenn Schüler und Wirtschaft zusammenfinden

Von Bernd Hey

Überall wurde gewerkelt und experimentiert wie hier am Stand von RWE: Sobald der Stromkreis geschlossen war, ging ein Licht an.
Bernd Hey

23 Unternehmen rollten den roten Teppich für eine grundsolide Berufs- oder Weiterbildung aus und informierten etwa 180 Achtklässler. Im kooperativen System befinden sich die Schüler im zweiten Schulhalbjahr im Berufsreifezweig und haben bereits einmal die Woche mit einem Praxistag Kontakt zu Betrieben. Seine Kollegin Stephanie Seifert von der Realschule Kyrau hatte die Idee dazu. Sie fragte alle 23 Unternehmen nach der Resonanz oder nach Praktika- und freien Ausbildungsplätzen, die beim Elternabend in der Kyrauhalle mit Schülern beider Schulen, Lehrern und Betrieben quasi in einem kleinen Workshop resümiert wurden. Fazit: Das duale Ausbildungssystem ist ein weltweiter Exportschlager.

Gruppenweise begaben sich acht Schüler in einer Art Ausbildungsdialog zu den Unternehmen, die sich präsentierten und eine Kombination aus Praxisaufgaben und Berufsberatung anboten. Solche Berufsorientierung ist mittlerweile Pflicht. Erstmals beteiligten sich Dachdeckermeister Ronny und Ramona Stein vom gleichnamigen Bruschieder Betrieb. Seit 15 Jahren arbeiten sie mit acht Mitarbeitern in der Region. Auch Schülerinnen wollten mehr über die Zunft wissen, ließen sich das Löten, Folie verschweißen, Abkanten von Fensterbänken und das Dachdecken mit großen Ziegeln oder Schiefer erklären. „Oft hapert es am Durchhaltevermögen. Deshalb wollen wir selbst für unseren Stand werben“, sagte Ramona Stein.

Von der Gewerbeinitiative Kirn (GiK) machten zahlreiche Betriebe mit. Kurzfristig konnte Kerstin Nikodemus den Steinmetzbetrieb Jochen Barth gewinnen.

Martin Partenheimer (rechts) von Schneiderbau (Merxheim) informierte über Chancen und Möglichkeiten im Baugewerbe.
Bernd Hey

Während Antonia Döhring von der Landwirtschaftskammer Bad Kreuznach bei den Mädchen über boomende Grüne Berufe wie Gärtner, Landwirt und Winzer referierte und Wolle, Milch oder landwirtschaftliche Agrarprodukte vorstellte, waren beim Autohaus Nahetal die Jungen in ihrem Element: Bei ihnen steht ganz hoch der Kfz-Elektriker, Karosseriebauer oder Mechatroniker im Kurs. Die Achtklässler durften mit dem sogenannten Miracle-System Beulen aus einer Motorhaube ziehen.

Überall wurde gewerkelt. Die Firma Schneider Bau aus Merxheim stand mit Martin Partenheimer und der auszubildenden Kauffrau für Büromanagement, Johanna Kreuzer, in der Kyrauhalle. Bei den Grundrisszeichnungen hätten alle Kreativität bewiesen und von ihrem Traumhaus geschwärmt, erzählten sie. Berufe in der Baubranche seien vielfältig und innovativ. Sogar Bewerbungen und Kontaktdaten von Schülern nahm das Merxheimer Unternehmen entgegen. Von der Simona standen Ausbilder Jürgen Heib, Sofia Schick und Lars Kolb Rede und Antwort. „Die Zahl der Bewerber geht zurück“, sagte Heib. Insofern müsse man um Elektroniker, Industrie- oder Verfahrensmechaniker mit guten schulischen Grundkenntnissen für die Ausbildung im kaufmännischen und gewerblichen Bereich intensiv werben. RWE war mit drei Ausbildern und fünf Azubis präsent. Der Schloss Dhauner Ausbilder Wolfgang Klein informierte über Praxis und Ausbildungsinhalte. Hier konnten die Schüler Kupferdrähte biegen oder mit Installationsschaltungen einen Stromkreis schließen.

Unter den 23 Unternehmen waren auch der Zoll und die Bundeswehr, die für „grenzenlose Einsätze“ warben. „Seit dem Wegfall der Wehrpflicht müssen wir im militärischen Bereich Nachwuchswerbung betreiben und stehen in direkter Konkurrenz zur freien Wirtschaft oder zu Betrieben“, informierte vom Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Idar-Oberstein ein Trio um den Ausbildungsbeauftragten Georg Leyendecker. Neun Ausbildungsberufe, die Beamtenlaufbahnen, der mittlere nichttechnische sowie gehobene Verwaltungsdienst sind im Angebot. Aktuell werden bei der Bundeswehr in Idar-Oberstein 68 junge Leute auch in Medizin, Zahntechnik oder Logistik ausgebildet.

Von unserem Reporter Bernd Hey

 

Bad Kreuznach
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