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Bad Kreuznach

Ditib im Visier der Fahnder: Kreuznacher Vize Chan distanziert sich von „Spitzeleien“

16.02.2017, 12:45 Uhr

Nach Spionagevorwürfen gegen muslimische Geistliche wurden am Mittwoch auch in Rheinland-Pfalz Wohnungen und Moscheen durchsucht. Der Kreuznacher Cihan Sen, stellvertretender rheinland-pfälzischer Landesvorsitzender des Moscheevereins Ditib, distanzierte sich von „Spitzeleien“ für staatliche Stellen in der Türkei.

Moschee (Symbolfoto)
Ditib

Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs hatte bereits vor den Durchsuchungen entschieden, dass die Voraussetzungen für einen Haftbefehl nicht vorliegen. Das sichergestellte Material, darunter Kommunikationsmittel, Datenträger und schriftliche Unterlagen, wird nun ausgewertet. Ditib-Kritiker befürchten, dass die Razzien generell zu spät kommen.

Vorgeworfen wird den türkischen Geistlichen, dass sie Anhänger der Gülen-Bewegung im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet ausspioniert haben. Auch Imame aus drei rheinland-pfälzischen Moscheegemeinden sollen Informationen gesammelt und weitergegeben haben.

Ditib selbst erklärte nach den Durchsuchungen, dass man den Generalbundesanwalt bei der Aufklärung der Vorwürfe unterstützen werde. Zugleich war in einer Stellungnahme des Bundesverbandes von „Irritationen“ die Rede: „Die Durchsuchungen von Privatwohnungen von muslimischen Geistlichen haben in der muslimischen Gemeinschaft zu Irritationen geführt, zumal Ditib seit Bekanntwerden der Vorwürfe intensiv um Aufklärung bemüht ist.“ Aziz Ata, der Vorsitzende des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in Fürthen im Westerwald, in dem ebenfalls eine Moschee durchsucht worden war, bewertete die Polizeiaktion eher nüchtern: „Im Kern hat das nichts mit uns und der Moschee zu tun.“ Bei den Durchsuchungen ging es um den früheren Vorbeter Hasan Akpinar. Er war bis Ende 2016 zwei Jahre lang Imam der Moschee. Schon vor Wochen ist er in die Türkei zurückgekehrt.

Der stellvertretende rheinland-pfälzische Landesvorsitzende des Moscheevereins, Cihan Sen aus Bad Kreuznach, distanzierte sich von „Spitzeleien“ für staatliche Stellen in der Türkei. Er sagte, wenn es in Einzelfällen dazu gekommen sei, müsse dies entsprechend der rechtlichen Vorgaben geahndet werden. Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga hatte erklärt, „einige wenige Ditib-Imame“ seien fälschlicherweise Anweisungen gefolgt. Er sprach von einer Panne, die der Verband bedauere.

Im Zusammenhang mit geplanten Moschee-Bauten von Ditib-Gemeinden haben sich auch der Islamwissenschaftler und Terrorismusexperte des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes (LKA), Dr. Marwan Abou Taam, sowie LKA-Präsident Johannes Kunz auf Anfrage unserer Zeitung zu Ditib geäußert. Sie verweisen darauf, dass manche Ditib-Gemeinden vorbildliche Arbeit bei der Integration sowie der Alten- und Jugendpflege leisten. Kritisch bewerten sie hingegen, dass die Religionsgemeinschaft jüngst verstärkt politisch in Erscheinung tritt. Religion werde so zur Förderung türkisch-nationaler Identität benutzt. red

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