Anzeige

  • Zurück
  • 15.02.2017, 17:14 Uhr16.02.2017, 08:00 Uhr
Spall/Gebroth

Eiskalt nur im Winter: Spaller Wagenbauer sind heiß aufs Finale [Fotostrecke/Videos]

Von Stefan Munzlinger

Ich weiß es schon, denn ich habe es gesehen. Am vergangenen Samstag. Aber ich werde nichts verraten. Das musste ich hoch und heilig versprechen, bevor ich im Lager des keineswegs unterkühlten Geheimbundes landete. Nur so viel: Erst geht was runter und dann geht was rauf. Nein, ein Transformer ist es nicht. Den hatten sie schon 2015 und 2016, aber so spektakulär wie damals wird's auf alle Fälle.

 

In Spall haben die Wagenbauer keine ausreichend große Heimstatt. Und so wichen sie nach Gebroth aus. In der Scheune von Kurt Metzler sind sie seit Wochen am Bauen, Schrauben, Kleben und Bosseln.

Alles Geduld- und Millimeterarbeit

Planen und zeichnen – diese Phase ist längst vorbei. Mit dem Spaller Künstler und Designer Wolfrhine wurden die optischen Details ihrer Idee und deren Umsetzung besprochen. 14 Tage lang Folie bedrucken und, vor allem, bei Minustemperaturen blasenfrei aufkleben. Gar nicht so einfach, alles Gedulds- und Millimeterarbeit. Und dann erst die komplexe Hydraulik mit mehr als 180 Metern Schlauchmaterial. Da bleibt kein Raum für Improvisation. Das muss passen, funktionieren.

Das Motiv stammt erneut aus dem Kino. Einen weiteren Blockbuster werden sie thematisieren: Star Wars – die galaktische Odysee von Luke Skywalker, Prinzessin Lea und Han Solo, Darth Vader & Co.

 

Sternen-Krieg. Klingt martialisch. Doch die 15 Männer und 10 Frauen um Chef Ulli Eckes sind friedlich. Sie wollen bauen und fahren, nicht zielen und schießen. Sie wollen begeistern, nicht beherrschen – und wenn dann höchstens die Aufmerksamkeit derer, die an der Strecke stehen, um sich am Spaller Hydraulik-Schauspiel satt zu sehen.

3000 Arbeitsstunden stecken im Werk

Bis dahin war es ein langer Weg, Tage, Wochen. Nimmt man sie alle zusammen, sind es fast 3000 Arbeitsstunden. Und der finanzielle Aufwand? Geht in die Tausende, auch aus der eigenen Tasche. Sie machen es trotzdem, weil sie Spaß an der Technik, an den überraschten Reaktionen der Zuschauer haben, wenn das Spektakel beginnt.

Wie alles begann - und dann Fahrt Richtung Mainz aufnahm

1991. Immer nur an den Zugstrecken stehen und zuschauen? Das können wir besser, sagten sich eine Handvoll Leute aus dem Spaller Raum um Ralf und Ulli Eckes, Alexander Weber und Frank Stork. Draußen fror alles bei 20 Grad minus – der Name „Eiskalte Spaller“ war geboren. Bis heute sind sie kein eingetragener Verein, das könnte aber jetzt kommen, weil sowohl Spenden als auch Versicherungsfragen leichter handlebar sind, wenn man den Status „gemeinnützig“ hat, weiß Ulli Eckes. Ihre Haupteinnahmen holen sie am Altweibertag mit dem Stand an der Kreuznacher Rossstraße rein.

1992: der erste „Eiskalte“-Wagen. Das Schlafwagenkabinett mit Kohl, Blüm, Genscher. 1999: der Highlander; klein und der Drache war lediglich per Hand und Seilzügen zu bewegen.

2000/2001: Eine Hydraulik wird eingebaut, damals noch von der Zugmaschine bedienbar; heute haben sie ein kleines Pult auf dem Wagen selbst. Dann kann sich der Fahrer (Winzer Markus Schaller aus Roxheim mit seinem Unimog) ganz auf die Straße konzentrieren. Mit den Hydrauliken ging es richtig los: Krake, King Kong, Herr der Ringe, Ice Age, Shrek, Jurassic Park, Monster AG, zweimal Transformer ... Sagenhafte Zugnummern, mit denen sich auch die Mainzer gerne zieren.

2006 sollten die Spaller dort zum ersten Mal mitfahren, wurden um einen politischen Beitrag gebeten. Darauf ließen sie sich mit einer Seeschlange samt Merkel- und Beck-Konterfei ein, merkten aber schnell: Der ganze Politkram liegt uns nicht. Wir wollen bauen, groß und spektakulär. Und so machten sie's. Und die Mainzer? Nicht etwa, dass sie die Soonwald-Stars eiskalt ausschlossen, im Gegenteil, freut sich Ulli Eckes. Seither dürfen sie pauschal beim nach Köln mit 147 Nummern zweitgrößten deutschen Zug mitfahren (2017: Nummer 105). „Baut, was ihr wollt, Hauptsache, ihr seid dabei“, sagen die Määännzer und finden gut, was da Jahr für Jahr aus Spall über die Straßen der Landeshauptstadt rollt.

„Es muss top sein, erstmals und einzigartig“, sagen die Eiskalten zu ihren Aufbauten. Immer wieder kriegen sie Angebote, könnten ihre Wagen verkaufen. „Das machen wir nicht“, betont Ulli Eckes, nach den im Schnitt fünf Zugeinsätzen werden die Motive wieder zerlegt. Nur die aufwendige Hydraulik bleibt.

2013, im Jahr ihres 22. Geburtstags, waren sie siebenmal unterwegs;

2017 sind es die Kreiznacher Narrefahrt (Nummer 59) am 25. Februar und abends Bingen-Büdesheim (Nachtumzug), Waldböckelheim am 26. Februar und Mainz am 27. Februar. Am Dienstag geht's zum Finale bei ihren Freunden der Mainz-Mombacher Bohnebeitel.

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

 

700.000 Menschen

sehen die Eiskalten Spaller bei ihren fünf Zugteilnahmen in den Fastnachtskampagnen.

 

Allesamt routinierte Hand- und Kopfwerker: das Wagenbauerteam um Ulli Eckes

Und das sind die Eiskalten Spaller, die mit ihren spektakulären Wagen Jahr für Jahr für Furore an der Nahe und in Mainz sorgen („Wir wollen immer besser werden“):

Techniker und Straßenmeister Ulli Eckes (Spall), Elektriker Alexander Weber-Fetscher (Spall), Forstwirtschaftsmeister Ralf Eckes (Spall), Dachdecker Rainer Will (Bockenau), Forstwirt Christoph Klein (Seesbach), Tiefbauer Berthold Eckes (Wallhausen), Maschinenbau-Ingenieur Marc Werner (Bockenau), Winzer Markus Schaller (Roxheim), IT-Spezialist Michael Heigert (Spall), Elektriker Michael Will (Winterburg), Industriemechaniker Oliver Lehmann (Lettweiler), Polizist Jörg Braun (Roxheim), Mechatroniker Niklas Summerer (Bad Sobernheim), Hydraulik-Mechaniker Michael Gress (Oberhausen an der Appel); in diesem Jahr mit seinem Hausbau beschäftigt und daher ausnahmsweise nicht beim Wagenbau dabei: Denis Hase aus Münchwald. mz

Bad Kreuznach
Meistgelesene Artikel
Suche >