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  • 16.02.2017, 18:11 Uhr16.02.2017, 18:11 Uhr
Bad Kreuznach

Frost in Südeuropa: Wenn Salat vom Markt zum Luxusprodukt wird

Von Christoph Erbelding

Daniela und Carsten Fahrenholz vom gleichnamigen Gemüsestand auf dem Kornmarkt haben trotz der unfreiwilligen Preiserhöhung für Salat und Co. ihr Lachen noch nicht verloren. „Die Leute merken auf diese Weise eben, dass es auch in Südeuropa Winter gibt“, sagt Carsten Fahrenholz.
Christoph Erbelding

„Vieles ist deutlich teurer geworden“, bestätigt denn auch der Bad Kreuznacher Carsten Fahrenholz: „Um 40 bis 50 Prozent. So kann man es im Schnitt schon zusammenfassen.“

Prognose: Die Teuerung hält an

Ob Salat, Zucchini oder Brokkoli: Anhaltende Minustemperaturen in Südeuropa – von dort stammt dieses in Deutschland im Winter zum Verkauf ausgezeichnete Gemüse in der Hauptsache – haben für eine Teuerung gesorgt, die bei vielen Sorten noch einige Wochen anhalten kann.

Hohe Gemüsekosten: Für den Einkauf der Restaurants gelten immer tagesaktuelle Preise

Egal, was kommt – der Preis bleibt stabil: Für Restaurants gilt diese Maxime trotz der derzeit hohen Salatpreise weiterhin. Gleichwohl: An diesem Anspruch haben Gaststätten diesen Winter zu knabbern. „Wir müssen in den sauren Apfel beißen, denn wir können den Preis ja nicht täglich ändern“, sagt etwa Shokofeh Ghafouri. Sie betreibt mit ihrem Mann das Restaurant Rick's im Kreuznacher Cineplex-Kino und gibt exemplarisch einen Einblick darüber, wie die Planungen mit dem teuren Gemüse aus der Sicht einer Restaurantchefin aussehen.

„Wir kaufen unsere Waren jeden Morgen beim Händler. Dabei gilt immer ein tagesaktueller Preis“, sagt Shokofeh Ghafouri, die mit dem Frischmarkt Toni in Winzenheim zusammenarbeitet. „Kein Händler vereinbart Preise, die über einen längeren Zeitraum gültig sind. Denn wenn die Preise für Gemüse noch teurer werden, würden sie ja Gefahr laufen, überhaupt keinen Gewinn mehr zu machen.“ Das freilich gilt bei den aktuellen Preisen derzeit für die Restaurants – zumindest, was die Salate betrifft. „Auch Paprika und Tomaten sind sehr teuer“, gibt die Restaurantchefin außerdem zu bedenken.

Das Rick's ist bekannt für ein Angebot: Alle Speisen kosten mittags nur 6 Euro, abends sind die Gerichte teurer (bis zu 9,90 Euro für den reichhaltigsten Salat). Ghafouri untermauert, dass es selbst für einen solchen Mittagstisch kein Thema ist, die Preise anzupassen: „Das Angebot ist unser Markenzeichen, damit machen wir selbst im Sommer kaum Gewinn.“ ce

2,50 Euro zahlt man am Fahrenholz-Stand beispielsweise für einen Kopfsalat – und das bereits seit drei Wochen. „Im vergangenen Jahr war der Preis für den Salat schon sehr hoch, wenn er mal bei 1,80 Euro lag“, zieht Carsten Fahrenholz einen Vergleich zum Winter 2016. „Eine derartige Preiserhöhung hat es vielleicht zu D-Mark-Zeiten mal gegeben“, sagt der Händler, der mit seinem Stand seit 20 Jahren auf dem Markt in Bad Kreuznach aktiv ist. „Aber so gravierend war es lange nicht mehr.“ Als Konsequenz aus den gestiegenen Preisen kaufen die Standbetreiber weniger Gemüse auf Vorrat ein. Die aktuellen Verhältnisse veranlassen die Händler, lieber von Tag zu Tag kleinere Mengen zu ordern, statt im Zweifelsfall auf einem größeren Vorrat an teurem Gemüse sitzen zu bleiben, weil die Kunden am Stand vorbeigehen oder sich für günstigere Alternativen entscheiden. „Bei Karotten, Lauch oder Sellerie, dem deutschen Lagergemüse also, hat sich preislich ja nichts verändert“, sagt Fahrenholz, der sich für seinen Stand auf den Großmärkten in Mainz und Frankfurt eindeckt.

Gleichwohl: Die Annahme, dass viele Kunden aufgrund des Preisanstiegs auf ihr Lieblingsgemüse verzichten, bestätigt sich auf den ersten Blick nicht. Immer wieder gehen Salatköpfe über die Theke, viele Marktgänger haben sich mit dem höheren Preis auf Zeit arrangiert, so der Eindruck. „Ich könnte auch in den Supermarkt gehen“, sagt ein Mann vor einem Stand. „Aber ich unterstütze lieber die Leute, die hier Woche für Woche in der Kälte stehen.“

Weniger Laufkundschaft

Eine Einstellung, die nicht nur die Eheleute Fahrenholz freut, sondern auch die anderen Obst- und Gemüsehändler. Wenngleich Carsten Fahrenholz das Verhalten der Kunden einzuordnen weiß: „Die Stammkunden kommen immer noch, aber die Laufkundschaft ist deutlich weniger geworden.“

Auch am Stand von Gertrud Weyer, die aus Mainz-Finthen an die Nahe kommt, sind Salat und Co. trotz der teuren Zeiten nach wie vor gefragt. Beim Feldsalat sieht sie die härtesten Zeiten bereits hinter dem Pflug: Für 100 Gramm nahm sie diese Woche 1,50 Euro, ein Angebotspreis; der Preis lag in diesem Jahr allerdings auch schon bei etwa 4 Euro.

Weyer, die ihre Produkte unter anderem bei einem Händler aus Griesheim bezieht, hatte es in den vergangenen Wochen immer wieder mit verblüfften Kunden zu tun. „Viele können nicht nachvollziehen, was Minusgrade für das Gemüse bedeuten können“, erläutert die Händlerin. Auch sie kaufte in den vergangenen Wochen nicht mehr jene Mengen auf Vorrat ein wie noch im Vorjahr.

Das könnte sich bald wieder ändern, schließlich wurde der Markt in dieser Woche mal wieder von strahlendem Sonnenschein begleitet. „Wenn das Wetter besser wird, gehen die Leute auch lieber auf den Markt“, sagt Gertrud Weyer. Und dann wird auch irgendwann das Gemüse wieder günstiger.

Von unserem Redakteur Christoph Erbelding

Kommentar: Heimisches statt angekarrte Kost
Ein knackiger Salat ist eine feine Sache. Er gibt uns ein gutes Gefühl: viel Volumen, wenig Kalorien. Nur: Die Ökobilanz des Grünzeugs aus Südeuropa, also der weite Transport und die nicht verrottende Kunststoffverpackung, fällt verheerend aus. Auch der Vitamingehalt ist nicht gerade berauschend. So ein Kopfsalat besteht vor allem aus Wasser, seine Saison ist zwischen Mai und Oktober, sagt eine von uns befragte Ernährungsberaterin. Anders bei Feldsalat, Chicorée und Portulak. Die haben ihre Hochzeit zwischen Januar und April, genau wie Lauch, Grün- und Rosenkohl, Schwarzwurzeln, Wirsing, Karotten – allesamt gute Lagergemüse, die ihre Inhaltsstoffe über längere Zeit konservieren. Wer sich gesund ernähren will, setzt auf genau diese saisonalen Salatsorten und Gemüse, gemischt beispielsweise mit zerkleinerten Lageräpfeln wie Jonagold – am besten vom Wochenmarkt und von einheimischen Produzenten, weil das dem SooNahe-Prinzip („Kauf lokal“) folgt und weil es gesünder ist, als von sonst woher angekarrtes Grün zu verzehren. Kehrseite: Sie kosten meist weit mehr als die Salate und Gemüse vom Discounter. Die unterschätzte Alternative: Tiefkühlkost, deren Inhalte die Süd-Salate allemal schlagen. Oder – wer es will und kann – das eigene Hochbeet, in dem etwa Feldsalat ohne Chemie wachsen und gedeihen kann – ein Genuss ohne Reue!

Stefan Munzlinger

E-Mail: stefan.munzlinger@
rhein-zeitung.net

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