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  • 17.02.2017, 15:37 Uhr17.02.2017, 15:37 Uhr

„Gabi“ gefunden: Archäologen bringen Ehering zurück

Gabriele Bröder (links) bekommt den einst verloren gegangenen Ehering ihres Ex-Mannes von Katja Salewski (rechts) von der Direktion Landesarchäologie zurück. Peter Henrich (2. von rechts) und sein Team hatten das Schmuckstück bei Grabungen an der Trasse für die Umgehung Marienfels/Miehlen gefunden. Bröders Tochter Stefanie (2. von links) war über einen Medienbericht auf den Ring aufmerksam geworden. Foto: Cordula Sailer

„Die Ringe sind wieder vereint, aber die Ehe ist gescheitert“, bilanziert Bröder. Dennoch war die Freude darüber groß, das Schmuckstück am Freitag von Vertretern der Direktion Landesarchäologie aus Koblenz überreicht zu bekommen. Diese hatten den goldenen Ring mit der Inschrift „Gabi“ bei den Ausgrabungen an der Trasse für die im Bau befindliche Ortsumfahrung Marienfels/Miehlen entdeckt.

„Wir dachten zuerst, es wäre ein römischer Fund“, erklärt Peter Henrich, Leiter der Koblenzer Außenstelle der Behörde, in Bröders Wohnzimmer. Auch die Gravur spreche nicht unbedingt dagegen. Immerhin könnte „Gabi“ auch der lateinische Genitiv des Namens „Gabus“ sein, witzelt Henrich.

Es bestand eine realistische Chance, den Eigentümer zu finden

Zwar regelt das Denkmalschutzgesetz, dass Funde, die so lange verborgen waren, dass ihr Besitzer nicht mehr ausfindig gemacht werden kann, ins Eigentum des Landes übergehen. Aber bei Bröders goldenem Ehering aus den 80er-Jahren habe zumindest eine realistische Chance bestanden, den Besitzer wiederzufinden, so Henrich. Daher hatte er im Dezember mithilfe unserer Zeitung und anderer Medien eine Suchaktion gestartet, auf die Gabriele Bröders Töchter aufmerksam wurden.

Wie der Ring verloren ging, weiß Bröder noch ganz genau. Damals lebte sie mit ihrer Familie noch in Marienfels, und sie hatte ihren etwa drei Monate alten Sohn im Kinderwagen spazieren gefahren. „Als wir nach Hause kamen, hat mein Mann gefragt, wo sein Ring ist“, erzählt Gabriele Bröder. Er hatte ihn ausgezogen, da er ihn an seinem Arbeitsplatz nicht tragen durfte. Befestigt hatte er den Ehering am Kinderwagen – und zwar an der Plastikspange eines Klappscharniers, wie seine Ex-Frau erläutert.

„Wir haben den Ring überall gesucht“, sagt Bröder. „Aber er war spurlos verschwunden.“ Auch ihre Spaziergangsstrecke ist Bröder noch mal abgelaufen. Doch die Suche war aussichtslos. Denn: „Das war ein Feldweg und links und rechts war Wiese“, erklärt Gabriele Bröder.

Was ihr nicht gelungen ist, haben dann aber Peter Henrich und sein Ausgrabungsteam etwa drei Jahrzehnte später geschafft. Sie haben den Ring bei ihren Grabungen nahe eines einstigen Römerkastells bei Marienfels gefunden. Tief unter der Erde lag das Schmuckstück aber nicht. Es befand sich in der obersten Erdschicht, die die Archäologen zuerst mit dem Bagger abziehen, um auf die Ebene mit den Funden zu gelangen. Etwa 30 Zentimeter wurden dafür ausgehoben. Bei einem der abgetragenen Erdhaufen schlug schließlich der Metalldetektor Alarm, erzählt Henrich.

Normalerweise sind unsere Eigentümer schon lange tot oder liegen sogar als Knochen bei uns.

Für die Grabungen werde intensiv mit Detektoren gearbeitet: zum einen, weil etwa kleine Münzen mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Zum anderen, um professionellen Räubern zuvorzukommen, die das Grabungsfeld auf der Suche nach Kostbarkeiten ebenfalls gern mit einem solchen Gerät absuchen.

Dass bei Ausgrabungen auch neuzeitliche Funde – so wie Gabi Bröders Ring – gemacht werden, sei gar nicht so selten, erklärt Henrich. „Das kann alles sein, was den Leuten früher runtergefallen ist, sie zusammengekehrt und auf den Mist geworfen haben“, sagt der Archäologe. Denn was heute der Mülleimer ist, war früher der Misthaufen. Und so haben viele entsorgte Gegenstände ihren Weg auf die Felder gefunden. Des Öfteren stoßen die Archäologen daher auf Knöpfe, Gürtelschnallen, Pfeifendeckel oder Zahnpastatuben.

Doch dieses Mal war es das erste Mal, dass Henrich einen Fund an den Besitzer zurückgeben konnte. „Normalerweise sind unsere Eigentümer schon lange tot oder liegen sogar als Knochen bei uns“, sagt der Peter Henrich und schmunzelt.

Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

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