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Bad Ems

Gefällte Bäume auf der Denzerheide: Golfer fürchten um ihre Idylle

17.02.2017, 13:22 Uhr

Endlich sind Eis und Schnee verschwunden, endlich kann wieder nach Herzenslust gegolft werden auf einem der ältesten Golfplätze der Republik, dem des Mittelrheinischen Golfclubs (MGC) in Bad Ems. Doch Baumfällungen in der Winterpause sorgen aktuell für einigen Ärger bei vielen passionierten Golfern.

Baumfällarbeiten haben die herrlich gelegene 18-Loch-Anlage auf der Denzerheide optisch in Mitleidenschaft gezogen. Besonders betroffen vom Kahlschlag sind drei Bahnen, vor allem rund um Abschlag Nummer 16 sieht es derzeit wüst aus. Foto: Tobias Lui

1928 erbaut, eingebettet in die herrliche Landschaft der Denzerheide, zählen den Platz in der Golferszene viele Kenner zu einem der schönsten Parkland-Courses in Deutschland.  Doch durch die Baumfällungen sehen die Golfer nun ihre herrlich gelegene 18-Loch-Anlage optisch in Mitleidenschaft gezogen, befürchten zudem Lärmbelästigungen. Verantwortlich für die Fällungen ist die Betreibergesellschaft des Platzes, die Parkland Golf Course GmbH. Hinter der wiederum steht Unternehmer Bernhard Ehl, der das Gelände Ende 2007 vom Staatsbad Bad Ems erworben hatte – und seit vielen Jahren in ständigem juristischen Clinch mit dem Präsidium des MGC liegt.

Klubmanager verwundert über das Ausmaß

Was ist denn hier passiert? Ein Wirbelsturm? In den ersten Tagen nach der Eröffnung vor einer Woche sind die Fragen nur so eingeprasselt auf Jens Lederer, den Klubmanager des Vereins. „Die Leute waren richtiggehend schockiert“, schildert er – und wundert sich über die Ausmaße der Fällungen. In einem Gespräch Anfang des Jahres hatten Bernd Rasbach und Dr. Edelbert Dold, die Geschäftsführer der Parkland Golf Course GmbH, die Fällarbeiten zwar angekündigt. „Von einem solchen Ausmaß war allerdings niemals die Rede“, sagt Lederer.

Besonders betroffen vom Kahlschlag sind drei Bahnen, vor allem rund um Abschlag Nummer 16 sieht es derzeit wüst aus. Ein kleiner Wald, der den Abschlagspunkt idyllisch umschlossen hat, ist weg, es sieht aus wie nach einem Granateinschlag. Nur noch Baumstümpfe sind zu erkennen. „Man hat uns versichert, dass dieser Bereich wieder eingesät und schön gemacht wird“, hofft Lederer. „Aber die Leute sind schon entsetzt, wie es hier aussieht.“ Sobald die Saison so richtig ins Laufen kommt, befürchtet er weitere Probleme: „Denn man hört die Golfer auf den benachbarten Grüns natürlich viel eher, weil kaum noch Bäume da sind, die den Schall schlucken.“ Schluss mit der Idylle, bei bis zu 200 Golfern am Tag.

Lederer geht davon aus, dass die Aktion noch heftige Wellen unter den Mitgliedern schlagen wird – dabei sei man zuletzt doch wieder in ruhigeren Gewässern unterwegs gewesen. „Gerade nach dem jüngsten harmonischen Gespräch hatte ich das Gefühl, dass man sich langsam wieder annähert.“ Der Klubmanager spielt auf die jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen zwischen Platzeigner Ehl und dem Golfclub als Pächter an: 2013 wollte Unternehmer Ehl den Pachtvertrag mit dem MGC vorzeitig kündigen, zog seine Räumungsklage später zwar zurück, doch das Verhältnis zwischen Präsidium und Platzbesitzer ist seitdem mehr als gestört (unsere Zeitung berichtete mehrfach). Ende 2020 läuft der Pachtvertrag aus, dann muss der Club raus – Stand heute. „Denn wir hoffen weiter, gemeinsam einen Weg in die Zukunft zu finden, zuletzt war Tauwetter zu spüren“, sagt Lederer. Auch bei der Parkland Golf Course GmbH betont man das verbesserte Klima zuletzt – für Kritik an den Baumfällungen hat man allerdings kein Verständnis. „Schließlich ist der Golfclub über die notwendigen Maßnahmen informiert worden“, sagt Bernd Rasbach auf Nachfrage unserer Zeitung. Er verweist auf die Verkehrssicherungspflicht.

Der Eigentümer des Platzes führt als Grund für die Fällung der Bäume Maßnahmen zur Verkehrssicherheit an.
tl

„Es ging vor allem darum, kranke und morsche Bäume zu beseitigen und so Unfälle zu vermeiden.“ Dass sich nun Golfer über mangelnde Aussicht beschweren, dafür hat der Geschäftsführer kein Verständnis. „Will man etwa den kranken Baum anschauen, während einem die Äste ins Gesicht fliegen?“, fragt Rasbach. „Sicherheit geht da vor.“ Gleichzeitig räumt der Geschäftsführer aber auch ein, dass nicht alle gefällten Bäume krank waren. „Es ging auch darum, ein paar etwas versteckte Grüns freizulegen und für mehr Luft und Sonne bei den Abschlägen zu sorgen.“ Dies komme jedem einzelnen Golfer zugute, meint Rasbach, „ich kann die Kritik also nicht nachvollziehen.“ Er weist auch darauf hin, dass lediglich die Spielfläche an den MGC verpachtet sei, „der Wald ist einzig und allein Sache des Eigentümers“.

Im März stehen Neuwahlen beim MGC an

Ob Ehl ab 2021 tatsächlich einen neuen Golfclub installiert und den MGC vor die Tür setzt? Oder hat sich die Situation so weit entspannt, gibt es möglicherweise eine gemeinsame Basis für die weitere Zusammenarbeit? „Beim MGC stehen im März ja Neuwahlen an, diese muss man erst mal abwarten“, sagt Rasbach, betont aber gleichzeitig, „dass wir weiteren positiven Gesprächen offen gegenüberstehen.“ MGC-Präsident Dr. Jürgen Kohns hat angekündigt, bei der Mitgliederversammlung nicht mehr kandidieren zu wollen. Als Nachfolger tritt nach Informationen unserer Zeitung der bisherige Schatzmeister Hans-Günter Oberrecht (Koblenz) an.

Von unserem Redakteur Tobias Lui

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