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Mainz

Luther mischt auch bei der Fastnacht mit

aktualisiert: 17.02.2017, 11:00 Uhr

Der Motivwagen hat die Zugnummer 31 und wird von dem Vers begleitet: „Seit 550 Jahr' gibt's Protestanten/ weil Luthers Thesen Anklang fanden./ Der Mensch ist Sünde und doch frei,/ für manchen ist das Narretei./ Doch Luther lässt sich nicht beirren:/ Bibel, Weck, Worscht und Woi trotzt allen Wirren!“ Foto: Gisela Kirschstein

Anlass ist das Reformationsjahr. 2017 ist Luthers Thesenanschlag und damit der Beginn der Reformation genau 500 Jahre her. „Das ist ein Abenteuer“, sagte der Mainzer Dekan Andreas Klodt bei der Vorstellung des Motivwagens: „Wir gehen mit dem Wagen raus auf die Gass' zu den Leuten, wie es auch Luther getan hätte.“

Luther sei eben auch ein Mann der Lebensfreude gewesen, „und so werden wir uns am Rosenmontag auch auf den Weg machen“, sagte Klodt. 3,40 Meter hoch ragt der Pappmaché-Luther auf dem Wagen auf. Von seinem Hirtenstab baumeln die Mainzer Insignien Weck, Worscht und Woi. Dass Luther so ernst schaue, liege vermutlich daran, „dass die Flasche Wein noch zu ist“, sagte Klodt verschmitzt – der Reformator liebte speziell den Rheinwein aus Nierstein und Oppenheim. Den Wagen entworfen und gebaut hat Dieter Wenger, langjähriger Wagenbauer des Mainzer Carnevals-Vereins und Vater der närrischen Motivwagen im Rosenmontagszug.

„Wir haben Bilder von Luther und seinen Statuen gewälzt“, verriet Wenger; die Bibel habe nicht fehlen dürfen, schon allein deshalb, weil der Mainzer Buch- und Bibeldrucker Johannes Gutenberg die massenhafte Verbreitung von Luthers Schriften erst ermöglichte. Die Besonderheit des Luther-Wagens: „Luther hat gesagt, es gibt ein Priestertum der Gläubigen, deshalb stehen wir auf dem Wagen alle auf einer Augenhöhe“, sagte Präses Birgit Pfeiffer. Das sei statisch gar nicht so leicht umzusetzen gewesen, verriet Wenger. Dazu musste das 18 Meter lange Gespann Anforderungen erfüllen: „Der Lutherkopf ist abnehmbar, die Kirche kann umgeklappt werden, „damit der Wagen unter den Brücken durchpasst.“

Denn Luther samt Wagen sollen nicht nur am Rosenmontag, sondern auch den Rest des Reformationsjahrs über bei Umzügen und Veranstaltungen in der ganzen Republik zum Einsatz kommen. Für Rosenmontag haben sich die Protestanten gut gerüstet: eine Tonne eigens angefertigter Luther-Bonbons stehen als Wurfgeschosse parat, dazu kleine Playmobil-Luther-Figuren und Kinderbücher mit der Geschichte der Reformation. Hinter dem Wagen wird eine Posaunengruppe laufen – und dabei auch eigens für die Fastnacht neu gesetzte Luther-Choräle intonieren.

Von Gisela Kirschstein

 

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