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Bad Kreuznach

Machtwort des Ministers: Staatsweingut in Bad Kreuznach bleibt

Kurt Knaudt aktualisiert: 16.02.2017, 10:00 Uhr

Vor mehr als 100 Jahren wurde in der Rüdesheimer Straße in Bad Kreuznach die preußische Provinzial- und Lehranstalt gegründet, aus der das heutige Staatsweingut hervorgegangen ist. Foto: Stefan Munzlinger

Es habe durch die Umstellung auf ökologischen Anbau ein Alleinstellungsmerkmal, unterstreicht der Minister. Ein Großversuch wie im Sommer zum Thema Kaliumphosphonat, ein Mittel gegen die Peronospora (Falscher Mehltau), wäre laut Wissing ohne den Standort nicht möglich gewesen. In Bad Kreuznach gebe es verstärkt Versuche zu aktuellen Fragestellungen des ökologischen Weinbaus und der Kellerwirtschaft.

In seinem aktuellen Jahresbericht bemängelt der Rechnungshof nicht nur die Personalkosten, sondern proklamiert auch, dass sämtliche am Standort Bad Kreuznach durchgeführten Versuche „ohne Einschränkung der Verwertbarkeit der Ergebnisse“ auch an anderer Stelle möglich wären. Reaktion des Ministeriums: Eine Teilumstellung in einem anderen Staatsweingut „ist vor dem Hintergrund der Ausbildung und Beratung nicht zielführend“. Einzelne ökologisch bewirtschaftete Parzellen an anderen Standorten könnten nur eingeschränkt Ergebnisse für Lehre und Beratung erzielen. Mit der Verpachtung der Staatlichen Weinbaudomäne Trier, die keine hoheitlichen Aufgaben mehr wahrgenommen hatte, wurde bereits 2016 ein ehemaliger Lehr- und Versuchsstandort aufgegeben.

„Eine weitere Konzentration ist kurzfristig nicht angedacht“, heißt es unmissverständlich in der Stellungnahme des Ministeriums. An je einem Versuchsstandort für die großen Weinbaugebiete Pfalz, Rheinhessen und Mosel soll danach ebenso festgehalten werden wie an dem spezialisierten Standort für den Ökoweinbau in Bad Kreuznach. Mit seinen vier über das Land verteilten Lehr- und Versuchsbetrieben sei das Land sehr gut aufgestellt.

Neues Konzept soll landesweite Aufgaben neu verteilen

Der Forderung des Rechnungshofes nach Absenkung der Kosten nehme man aber ernst. Man werde die vorhandenen Flächen-, Gebäude- und Gerätekapazitäten der Lehr- und Versuchsbetriebe überprüfen. Nach Meinung des Rechnungshofs könnten in Bad Kreuznach und Oppenheim Personalkosten in Höhe von 790.000 Euro eingespart werden. Das lasse unberücksichtigt, dass bereits seit 2014 und früher Personal in den Lehr- und Versuchsbetrieben Oppenheim und Bad Kreuznach zurückgeführt worden sei, so das Ministerium. Derzeit werde der Personalstand weiter überprüft – und zwar im Rahmen eines neuen Konzeptes, bei dem die landesweiten Aufgaben in Beratung, Lehre und Versuchswesen neu verteilt werden. „Ob es dabei zu einer Personaleinsparung in oben genannter Höhe kommen kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzuschätzen.“

Thomas Höfer, der Präsident des Weinbauverbandes Nahe, und sein Stellvertreter Hans-Willi Knodel hatten gegenüber unserer Zeitung deutlich gemacht, dass sie darauf vertrauen, dass der Wirtschaftsminister den Vorschlägen des Rechnungshofs widerspricht. „Alles andere wäre eine große Enttäuschung und ein Affront gegen unseren Berufsstand“, betonte Knodel.

Kosten auch durch Umstellung auf Öko gestiegen

Die Kosten in Bad Kreuznach seien insbesondere durch die politisch gewollte Umstellung auf Ökobetrieb gestiegen. „Darunter leidet natürlich die Wirtschaftlichkeit“, weiß Knodel. Höfer sieht einen direkten Zusammenhang mit der am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück geleisteten Ausbildung. „Lehre hängt immer auch von der Forschung ab. In diesen Bereichen wird es nie schwarze Zahlen geben.“ Ein Aus für das Weingut in Bad Kreuznach wäre für den Verbandspräsidenten „ein schlimmes Sparsignal an der falschen Stelle“ gewesen.

Nach Meinung von Knodel hätte das noch weitergehende Konsequenzen haben können: „Wenn das Staatsweingut wackelt, wackelt auch der Schulstandort Bad Kreuznach.“ Gerade das hinsichtlich der wetterbedingten Herausforderungen für viele Winzer extreme Jahr 2016 habe gezeigt, wie wichtig Forschung und die darauf aufbauende Beratung seien.

Höfer verweist auf die zahlreichen Auszeichnungen, die das Staatsweingut für seine Weine bereits erhalten hat. „Es ist in jeder Hinsicht erfolgreich und anerkannt.“ Das gelte auch für die am Standort geleistete Ausbildung, die durch die bei den Versuchen gewonnenen Erkenntnisse befruchtet werde. Udo Bamberger, der Leiter des Kreuznacher Staatsweinguts, bildet zugleich als Dozent an der Fachschule angehende Winzer aus.

Von Kurt Knaudt

 

Staatsweingüter haben als Musterbetriebe eine Vorreiterrolle

Staatsweingüter wie das in Bad Kreuznach sollen als Musterbetriebe für alle Winzer neue Entwicklungen im Weinbau prüfen und vorantreiben. Diesem Ziel dienen Versuche in Anbau, Rebschutz und Kellerwirtschaft. Die Erkenntnisse daraus werden praxisnah in der Aus- und Weiterbildung vermittelt.

Das Kreuznacher Staatsweingut ist ebenso wie das in Oppenheim – beide zusammen haben rund 10 Mitarbeiter – in das rund 250 Beschäftigte zählende Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück integriert. Das Weingut wurde auf Betreiben des damals noch zuständigen Umweltministeriums auf Ökobetrieb umgestellt, was mit dem Jahrgang 2015 umgesetzt wurde. Der Öko-Status ist wegen des Einsatzes eines von der EU nicht genehmigten Mittels gegen Peronospora (Falscher Mehltau) im Krisenjahr 2016 zurzeit vakant. kuk

 

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