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Bretzenheim

Martina Riedle sucht die neue Steffi Graf

19.05.2017, 18:39 Uhr

Das Hobby zum Beruf gemacht – das kennen wir. Martina Riedle geht einen anderen Weg. Die Bretzenheimerin betreibt in Bad Kreuznach eine Tennisschule und engagiert sich neben der beruflichen Schiene nun auch ehrenamtlich und somit als Hobby im Tennis. Seit wenigen Wochen ist sie Jugendwartin des Tennisverbandes Rheinland-Pfalz.

Geht gut gelaunt und mit großem Spaß ihre neue Aufgabe an: Martina Riedle, die Jugendwartin des Tennisverbands Rheinland-Pfalz. Foto: Olaf Paare

Frau Riedle, was war für Sie die Motivation, sich in diesem Ehrenamt zu engagieren?

Tennis bestimmt ja schon seit Jahren mein Leben. Als dann die Anfrage kam, habe ich mir ein bisschen Bedenkzeit genommen, dann aber entschieden, dass ich das machen möchte, dass ich eine neue Seite des Sports kennenlernen möchte.

Sie steigen direkt auf Landesebene ein.

Das ist natürlich etwas Besonderes, weil ich eine Ebene, die Bezirke, überspringe. Aber ich sehe einfach für mich, die dem Tennissport aus Leidenschaft verbunden ist, die Chance, mich noch einmal weiterzuentwickeln.

Ist die Jugendwartin des Landesverbandes mehr für den Breiten- oder den Leistungssport verantwortlich?

Ganz klar für den Leistungssport. Natürlich habe ich, haben wir die Basis im Kopf. Ohne die Basis kann es keine Spitze geben. Aber die Basisarbeit wird eher von den Bezirken Rheinland, Rheinhessen und Pfalz abgedeckt.

Welche Projekte auf Landesebene betreuen Sie?

Da ist beispielsweise das Tennis-Jüngsten-Team zu nennen, in dem leistungsstarke Spieler zusammengefasst werden, maximal 20 Talente, zurzeit ist auch Kaspar Mathes vom TC Blau-Weiß Bad Kreuznach darunter.

Greifen Sie als ausgebildete Tennislehrerin auch selbst zum Schläger, um die Talente auszubilden?

Nein, mich sehen Sie in dieser Funktion nicht auf dem Platz. Ich bin eher für die Organisation verantwortlich, für die Planung der D/C-Kader. Ich bin dafür zuständig, dass die Talente ideale Möglichkeiten vorfinden, um eines Tages mal Profis zu werden. Dafür ist es notwendig, dass sie im Jugendbereich bereits zur Top Fünf in Deutschland gehören.

Wie lautet Ihre persönliche Zielsetzung in dem neuen Amt?

Mein Ziel ist es, die Synergien in den drei Bezirken zu nutzen, um damit ein gemeinschaftlich gutes Ergebnis für alle Rheinland-Pfälzer zu erhalten, um die besten Spieler des Landes ideal zu fördern. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass das nur gemeinsam geht. Die Manpower für Top-Tennis ist in Rheinland-Pfalz vorhanden. Es gilt nun, eine gemeinsame Richtung bei der Talentförderung zu finden.

Sie haben den Traum von der Profikarriere erwähnt. Hegen den Ihre Talente wirklich?

Ja. Ich denke, das Ziel der Kinder und damit auch unser Ziel muss es sein, die Nummer eins der Welt werden zu wollen. Deshalb wollen wir uns auch an der Weltspitze orientieren. Das ist aber ein ganz weiter Weg, weil das Kind viel Talent mitbringen muss und die Rahmenbedingungen stimmen müssen. Die Eltern müssen bereit sein, das Ziel zu unterstützen, die Gesundheit muss erhalten bleiben.

Wie wichtig ist der Trainer?

Du musst den richtigen Trainer zum richtigen Zeitpunkt haben. Auch das Zusammenspiel muss stimmen. Ein Trainer muss das Talent im Kind erkennen und dann bereit sein, das Kind gehen zu lassen, um gemeinsam im Sinne des Kindes die optimale Förderung einleiten zu können.

Dazu sind vertrauensvolle Strukturen notwendig.

Das geht nur im Zusammenspiel aller. Da dürfen persönliche Eitelkeiten keine Rolle spielen.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits gemacht?

Das Ganze ist doch sehr zeitintensiv, zumal ich derzeit viel lerne. Ich suche zu allen den Kontakt. Viele handelnde Personen sind mir zwar bekannt, aber ich möchte herausfinden, wie jeder einzelne denkt. Ich respektiere die Arbeit der Trainer sehr und möchte ihre Ansätze mitnehmen, um die nächsten Schritte zu gehen.

Sie betreiben selbst in Bad Kreuznach eine Tennisschule, sind beim TC Blau-Weiß Bad Kreuznach im Vorstand aktiv. Da ist das neue Amt sicher mit großem Zusatzaufwand verbunden.

Absolut. Ich trenne da auch sehr klar. Tennis in Bad Kreuznach und Tennis in Rheinland-Pfalz, das sind zwei völlig verschiedene Sachen. Wobei die Bad Kreuznacher die Riedle wie bisher erleben werden. Mein Engagement im Breitensport soll und wird darunter nicht leiden. Mein Bauchgefühl hat mir aber gesagt, versuche das andere doch mal zusätzlich. Und ich glaube, dass ich das schaffe. Einen guten Anfang haben wir schon mal hinbekommen.

Werden Sie von Verbandsseite bei der Einarbeitung unterstützt?

Ich erhalte alle Hilfe, kann vieles erlernen. Aber mein großer Vorteil ist, dass ich unbelastet bin. Für mich sind alle gleich, ich agiere da völlig objektiv, kenne keine alte Differenzen und Seilschaften. Und noch einen Vorteil sehe ich.

Und der wäre?

Ich komme aus der Praxis. Ich verstehe, was Trainersein bedeutet. Jetzt muss ich zwar nicht trainieren, sondern über Fördergelder entscheiden. Ich habe aber ein Gefühl dafür, was das für die Trainer bedeutet.

Sind Sie auch schon auf Bundesebene am Ball gewesen?

Mein Landesverband richtet im Juni in Ludwigshafen die deutschen Jugend-Meisterschaften aus, in deren Rahmen auch alle deutschen Jugendwarte zusammentreffen. Auf den Austausch mit den Vertretern der anderen Bundesländer freue ich mich sehr. Einfach mal abfragen, wie sie das eine oder andere machen. Da können wir sicher etwas lernen.

Für welchen Zeitraum sind Sie gewählt?

Auf zwei Jahre. Das erste halbe Jahr gebe ich mir zum Reinkommen. Danach geht es richtig los.

Wann waren es für Sie zwei erfolgreiche Jahre?

Ich werde da am Erfolg gemessen, keine Frage. Ich wiederhole den Wunsch, ein Talent an die Spitze der Weltrangliste zu bringen. Anna-Lena Friedsam ist doch das Idealbeispiel, dass Rheinland-Pfalz das durchaus schaffen kann. Auf sie können alle Beteiligten sehr stolz sein. Wobei es für eine solche Karriere auch kein Patentrezept gibt, sonst würden wir solche Spielerinnen ja am Fließband produzieren. Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn die nächste Steffi Graf aus Rheinland-Pfalz käme. Aber dazu muss ich vermutlich noch eine Amtszeit dranhängen...

Das Gespräch führte Olaf Paare.

Tennis (EL)
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