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Bad Kreuznach

SERIE Champions der Region: Klaus Meffert - ein Patriarch mit Teamgeist

aktualisiert: 18.02.2017, 07:00 Uhr

Ein Patriarch und Teamplayer zugleich: Klaus Meffert (65), Vorstandsvorsitzender der Meffert AG Farbwerke, Präsident des Fußball-Verbandsligisten SG Eintracht Bad Kreuznach und Präsident des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie. Fotos: Gustl Stumpf
Gustl Stumpf

Immerhin: Der Mann ist Vorstandsvorsitzender, trägt jede Menge Verantwortung, unter anderem für 1300 Mitarbeiter weltweit. Seine Unternehmensgruppe erzielt einen Jahresumsatz von rund 360 Millionen Euro. Und trotzdem ist er die Ruhe selbst. „Das sind die Gene vom Großvater“, sagt er. „Von ihm habe ich viel gelernt.“

Großvater legt den Grundstein

Der Großvater, das war Otto Meffert senior. Ein Typ, ein Macher. 1947 hat er mit einem Ladengeschäft in der Innenstadt den Grundstein für das Farbenimperium gelegt, 1961 die erste Produktionsstätte am Sandweg errichten lassen. Sohn Otto widmet sich vor allem dem Kaufmännischen. Enkel Klaus absolviert eine Banklehre, studiert Betriebswirtschaft, sammelt Auslandserfahrung und steigt 1974 ins Unternehmen ein. Auf Bitten des Opas, der ihn fordert und fördert. Mit gerade mal 23 Lenzen macht er ihn zum Juniorchef.

Klaus Meffert erinnert sich. „Ich spielte noch Tennis und Fußball“ – bei der SG Eintracht, die damals in aller Munde war, in der Saison 75/76 sogar Zweitligaluft schnupperte. Bewegte Zeiten, auch in den Farbwerken, in denen der Junior immer mehr Verantwortung übernimmt. „Spannende Jahre“, sagt er. Erst recht nach dem Tod des Großvaters.

1985 nimmt Klaus Meffert endgültig das Heft des Handelns in die Hand. Die Geschwister Werner und Helga verwirklichen andere Pläne, dafür unterstützen ihn drei Cousins in leitenden Funktionen: Rainer, Peter und Dieter, der später neben dem Vorstandsvorsitzenden Klaus Meffert für den Vorstand zeichnen wird.

Die familiären Strukturen bleiben erhalten, auch als die GmbH 1997 in eine AG umgewandelt wird. Für den Familienmensch Klaus Meffert eine ganz wichtige Geschichte. Nicht ohne Stolz spricht er von einer Familien-AG mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent. Und von seiner Tochter Nina aus erster Ehe, die Tierärztin ist, seinem Enkelchen Ava und seiner zweiten Frau Steffi, die er fast immer an seiner Seite weiß.

Sie sind neben Freund, Berater und Anwalt Clemens Merk die wichtigsten Menschen im Leben des Klaus Meffert, der trotz des steilen Aufstiegs nie die Bodenhaftung verloren hat. Zur großen Familie zählen auch die Mitarbeiter. „Alle sollen zufrieden sein“, lautet Mefferts Credo. „Deshalb bin ich Teamplayer und ein bisschen Patriarch. Das muss sein.“ 25 Niederlassungen hat Klaus Meffert täglich im Visier, lässt sich überall mal blicken, weiß, was wann und wo passiert. Dem Zufall will er nichts überlassen. In der Zentrale werden derzeit acht gut ausgebildete Mitarbeiter fit gemacht für die Übernahme von Führungsaufgaben. Das beginnt mit externen Potenzialanalysen und mündet in Schulungen für Rhetorik und BWL. 100 000 Euro sind dafür budgetiert. Wenn Klaus Meffert etwas anpackt, dann mit entsprechender Konsequenz.

Dass er selbst gesund und fit ist, bezeichnet Klaus Meffert als großes Glück, dem er aber gern auf die Sprünge hilft. Und er schließt die Belegschaft ausdrücklich mit ein. Alle können von den Gesundheits- und Fitnessprogrammen profitieren, die Diplom-Sportlehrerin Simone Bopp im Stammwerk anbietet. Sich selbst hat er darüber hinaus noch eine ganz besondere Therapie verordnet: Jede vierte Woche eines Monats ist geblockt. Dann heißt es, raus aus der Tretmühle des Alltags, rein in die aktiven Entspannungsmomente. Dann frönt er auch schon mal seinem Hobby, dem Golfsport, oder urlaubt an der Côte d'Azur.

Anerkennung auf nationaler Ebene

Klaus Meffert wirkt aufgeräumt, kompetent, sicher. Je länger unser Gespräch dauert, desto mehr verdichtet sich dieser Eindruck. Ein Mann, der weiß, was er will, der die Fäden zieht, klug delegiert und trotzdem alles im Griff hat. Unterstützung erfährt er vor allem durch seine Frau, die ebenfalls in der Firma arbeitet, und seine Sekretärin Karin Dübus. „Die beiden halten mir den Rücken frei“, lobt er. Natürlich schätzt Klaus Meffert auch die Anerkennung, die er auf nationaler Ebene, etwa als Präsident des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie, erhält. Oder als Visionär, wenn er plötzlich die Idee eines Hotelneubaus in die Tat umsetzt, weil „es genau das ist, was wir in Bad Kreuznach brauchen“.

Klaus Meffert tut der Stadt gut. Sogar sein Fußballerherz schlägt wieder für die SG Eintracht, in der er das Kicken von der Pike auf erlernte und die er nun aufpäppeln hilft. Außerdem unterstützt er im Sommer den Leiter des Schlossparkmuseums, Marco van Bel, bei einem Chinaprojekt als Exklusivsponsor. Lumpen lässt er sich nicht, wenn man ihn überzeugt. Sogar beim Thema historische Neustadt winkt Klaus Meffert nicht ab, könnte sich eine Unterstützung bei Sanierungsmaßnahmen grundsätzlich vorstellen, sieht aber derzeit nur ein „Fass ohne Boden“, kein Konzept.

Dann blickt er zur Uhr. Am nächsten Morgen geht es früh um Fünf nach Verona ins Casati-Werk, das seit gut einem Jahr ebenfalls zur Unternehmensgruppe zählt. Dann nach Hochfilzen in Tirol. Zur Biathlon-WM. Ein buntes Programm. Wie zugeschnitten auf den Firmenpatriarch der Farbwerke. Doch zunächst zeigt er mir noch einige Bereiche der Produktion. So viel Zeit muss schließlich noch sein – trotz eines randvollen Terminkalenders. 

Von unserem Redaktionsleiter Gustl Stumpf 

Wörtlich: Vorstandvorsitzender Klaus Meffert

Klaus Meffert zu seiner Person, seinen Vorlieben, zur Entwicklung des Unternehmens, Zukunftsperspektiven, überraschenden Ideen und dem Fußballerherz, das immer mal wieder in ihm schlägt.

  • „Ich habe Ehrgeiz, bin Teamplayer, aber auch ein bisschen Patriarch.“
  • „Das sind die Gene vom Großvater. Von ihm habe ich viel gelernt.“
  • „Natürlich kam uns der Mauerfall gelegen. Aber man muss Gelegenheiten auch erkennen und für den Erfolg etwas tun.“
  • „Aufhören? Ich habe noch vier Jahre bis ich 70 bin. Bis dahin will ich die Nachfolgefrage aber geregelt haben.“
  • „Ich bin kein Kostverächter, trinke täglich zwei Gläschen Wein und bin gesund. Welch ein Glück.“
  • „Das Hotel war meine Idee. Es ist genau das, was wir hier brauchen.“
  • „Bei der SG Eintracht musste ich erst mal ein bisschen aufräumen. Jetzt heißt es stabilisieren. Was die Zukunft angeht? Mal schauen, wer mitmacht.“

Die Meffert AG: 1300 Mitarbeiter weltweit, 750 in Deutschland, 450 in Bad Kreuznach - Jahresumsatz: 360 Millionen Euro

Die Meffert-Geschichte beginnt 1947. Otto Meffert senior eröffnet in der Bad Kreuznacher Innenstadt ein Farbengeschäft.

Ganz nah dran: Klaus Meffert weiß, was passiert, ob in der Verwaltung oder in der Produktion, wie hier beim Abfüllvorgang an einer Roboterstation.
Gustl Stumpf

Ab 1955 werden auch Farben produziert.

1961 entsteht die erste Produktionsstätte in Höhe der Gensinger Straße am Sandweg.

1974 tritt Klaus Meffert ins Unternehmen ein. Als der Großvater stirbt, übernimmt er

1985 gemeinsam mit seinem Cousin Dieter die Unternehmensleitung. Beide führen das Unternehmen

1991 in die internationale Ausrichtung, gefördert durch die deutsche Wiedervereinigung, die den Weg frei macht in Richtung Osteuropa. Neben den deutschen Standorten Bad Kreuznach, Ostrau, Erfurt, Königswinter und Mainz-Mombach entstehen Produktionsstätten in der Ukraine, in Russland, Litauen und Ungarn sowie weitere Niederlassungen und Vertriebsgesellschaften in Frankreich, Tschechien, China, Russland, der Schweiz und Italien.

1997 wird die Otto Meffert & Sohn GmbH in die Meffert AG Farbwerke umgewandelt. Die Unternehmensgruppe erwirbt weitere Werke aus der Lack-, Silikon- und Acrylbranche. Die enorme Sortimentsbreite, höchste Produktqualität und Liefertreue sowie bewährte Handelspartner prägen die Meffert-Unternehmensgruppe, die sich mit einer Eigenkapitalsquote von mehr als 50 Prozent vollständig im Besitz der Familie Meffert befindet.

Der aktuelle Jahresumsatz beläuft sich auf 360 Millionen Euro. Meffert beschäftigt 1300 Mitarbeiter weltweit, davon 750 in Deutschland und 450 in der Unternehmenszentrale in Bad Kreuznach. gst

 

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