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  • 17.02.2017, 11:21 Uhr17.02.2017, 11:21 Uhr
Bad Kreuznach

Von Straßenwalze überrollt: Trifft das Bauunternehmen eine Mitschuld?

Straßenwalze auf Baustelle
Straßenwalze. (Symbolfoto)
DPA

Das tragische Unglück war bereits im Sommer 2014 Gegenstand eines Strafverfahrens vor dem Amtsgericht Bad Kreuznach. Damals saß nur der Walzenfahrer auf der Anklagebank, der wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen á 40 Euro verurteilt wurde.

Das schlimme Unglück ist nun erneut Thema in einem Verfahren vor der Zivilkammer des Landgerichts Bad Kreuznach. Die Witwe des getöteten Messingenieurs beansprucht dabei von fünf beklagten Parteien Kostenerstattungen und Ersatz für den entgangenen Unterhalt. Beklagte sind neben dem Geschäftsführer der Baufirma, zwei Personen, die damals als Bauleiter tätig waren sowie ein Vertreter einer Baumaschinenfirma und der Fahrer der Straßenwalze.

Wie seine Rechtsanwältin erklärte, hat der Bauarbeiter bisher erst die Hälfte der Geldstrafe abzahlen können, zu der ihn das Amtsgericht verurteilt hatte. Inzwischen sind die Krankenkasse und die Rentenkasse mit weiteren Forderungen an ihn herangetreten. Für einen Vergleich, bei dem alle beklagten Beteiligten eine Entschädigungssumme gemeinsam aufbringen könnten, wie ihn die Vorsitzende Richterin Susanne Telscher-Kolb vorschlug, fehle es ihrem Mandanten an finanziellen Mitteln, betonte die Anwältin.

Nach einer kurzen Unterbrechungspause war klar, dass es auf Seiten der beklagten Parteien derzeit kein gemeinsames Interesse an einer Vergleichslösung gibt. Richterin Telscher-Kolb gab einige rechtliche Hinweise zur Haftungsfrage. Demnach sieht das Gericht momentan bei der Baufirma und bei dem Fahrer der Straßenwalze einen Haftungsanspruch gegeben.

Da die Walze weder eine Rückwärtskamera noch ein akustisches Rückfahrsignal hatte, hätte das Unternehmen einen Mitarbeiter abstellen können, der das Baufahrzeug einweist. Das Gericht geht im Unterschied zur Klägerin auch von einer Mitschuld des Ingenieurs aus. Der 65-Jährige hatte viel Erfahrung in der Arbeit auf Baustellen, unterschätzte aber bei dem Vorfall möglicherweise die Gefahr der langsam fahrenden Walze.

Bei der Betrachtung des Unfallhergangs wurde vermutet, dass er wahrscheinlich das Messgerät, mit dem die Dicke der Fahrbahn gemessen wird, in Sicherheit bringen wollte. Die Parteien haben nun Gelegenheit, eine Stellungnahme zu den rechtlichen Hinweisen der Kammer abzugeben, ehe das Verfahren fortgesetzt wird. chj

Bad Kreuznach
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