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  • 17.02.2017, 14:41 Uhr17.02.2017, 14:41 Uhr
Kreis Bad Kreuznach

Werkschau in Bad Kreuznacher Bonsai-Galerie: Schwanensee und die Klippe der Tragödien

Aus zwei winzigen Ausstellungsräumen und einer Wand besteht die Bonsai-Galerie des Kreisbaumtes in der Hauptverwaltung an der Bad Kreuznacher Salinenstraße. Unser Bild zeigt Maler Walter Brusius. Foto: Stefan Munzlinger

Freie Kunst, freier Künstler: Der gebürtige Niederwörresbacher und seit 33 Jahren in Bad Kreuznach lebende und arbeitende Maler Walter Brusius freute sich, dass er seine Werke auch in der Kreisverwaltung zeigen könne. Er glaube aber nicht, so Brusius' ernüchternde Worte, dass solche Zeichen der Kreativität, der Kunst als Impuls auf die „teils öde“ Stadt übersprängen. „Das klingt jetzt nicht sehr schön“, wandte ein Ausstellungsgast, die Kreuznacherin Trude Wermter-Pörksen ein. „Warum soll ich etwas schön schwätzen?“, erwiderte der Maler in ruhiger, aber entschlossener Gegenrede.

Das war's dann aber auch schon mit dem Disput, der inhaltlichen Auseinandersetzung, die Kunst ja grade befördern, wenn nicht gar provozieren will. Was bleibt ist die Befassung mit dem Werk: zehn Gemälde in roten und grünen Farbtönen. In Schwarz die Konturen der Schwäne, die Brusius für sein Thema „Schwanensee“ gefertigt hatte. Gerne male er diese „dankbaren“ Tiere, führte er aus.

In der „Bonsai“-Galerie des Kreisbauamtes im dritten Stock der Hauptverwaltung an der Salinenstraße sind sie bis 31. März zu sehen: neben den Bildern von Brusius auch zwei bekannte Holzskulpturen des Kreuznacher Bildhauers Frank Leske (Jahrgang 1965), der 2002 den Kulturpreis der Stadt erhielt. Wunderbar sein Werk des durchsägten Kopfes und der Klippe, „an der die Tragödien des Lebens und der Welt angespült werden“, fasste es der Maler für seinen Kollegen, der am Eröffnungsabend verhindert war, zusammen.

Gut, Walter Brusius fehlt die Farbe im Stadtbild, doch er ist seinem Bad Kreuznach auch dankbar. Einst erwarben zwei Lehrerinnen einige seiner Aquarelle. „Ich war erstaunt, dass jemand meine Bilder kaufen will.“ Doch habe sich daraus „ein Freundeskreis entwickelt, der mir das Überleben ermöglicht hat“, sagte der Maler anerkennend. Für Hans Bergs, Leiter des Kreisbauamtes und Ausstellungsinitiator, der immer wieder selbst seine Ader, seinen Sinn für das Kreative beweist – etwa mit der Hildegardiskapelle auf dem Disibodenberg zwischen Staudernheim und Odernheim oder dem Orgelmuseum in Windesheim – geht mit der dritten Ausstellung („Blaupause 3“) ein Wunsch in Erfüllung, verbunden mit einer Hoffnung: „Ich bin nicht ganz so pessimistisch, dass der Funke nicht doch auf die Stadt überspringt.“ Und er rief die „Jagdschloss“-Kunstaktion mit Walter Brusius im Orgelmuseum in Erinnerung. Mit Steinbildhauern Livia Kubach und Michael Kropp (Bad Münster am Stein-Ebernburg) und Architekturfotograf Detlef Böhmer (St. Goar) hatte der Ausstellungsreigen begonnen. Weiter geht es bald mit Alice Stäglich (Gemünden) und ihren Stahlskulpturen, Installationen, Plastiken. Ja, bekannte Hans Bergs, er habe sich bemüht, den Schweizer Jacques Herzog, mit Pierre de Meuron einer der Hamburger Elbphilharmonie-Architekten, und seine Fotos nach Bad Kreuznach zu holen. Noch ohne Erfolg. Der Kreisbaudirektor wird so schnell nicht aufgeben: Denn die Architektur und Strahlkraft der gerade erst eröffneten Philharmonie findet er „genial“.

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

 

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