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Filmbesprechung

„Your Name“: Animationsfilm über Teenagerträume

Mädchen vom Lande und Großstadtjunge tauschen ihre Körper und machen sich auf die Suche nach der großen Liebe. Turbulentes Animationsabenteuer aus Japan, das die Grenzen von Raum und Zeit sprengt.

Your Name
In «Your Name» tauschen Taki (l) und Mitsuha ihre Körper. Foto: Universum
dpa

Berlin (dpa). Die meisten Animationsfilme entführen ihr Publikum in fantastische Welten, die mit der konkreten Lebenswirklichkeit der Zuschauer oft nichts mehr zu tun haben.

Wie man das Kunststück vollbringt, hochfliegende Träume und eine oft unglamouröse Realität zu verknüpfen, das beweist auf eindrucksvolle Art und Weise der bereits mehrfach preisgekrönte japanische Animationsfilm „Your Name“ von Regisseur und Drehbuchautor Makoto Shinkai.

Multitalent Shinkai, der auch die Manga-Vorlage gezeichnet hat und zudem für Kamera und Schnitt verantwortlich ist, erzählt in „Your Name. Gestern, heute und für immer“ die Geschichte des Mädchens Mitsuha, das zusammen mit seiner jüngeren Schwester bei der Großmutter in einer langweiligen, aber wunderschön gelegenen Kleinstadt lebt. Immer wieder träumt Mitsuha, deren Mutter gestorben ist, vom vermeintlich aufregenden Leben in der Millionenstadt Tokio. Dort rackert sich der gleichaltrige Taki in der Schule und seinem stressigen Job in einem Restaurant ab. Der Junge, der allein mit seinem Vater in einem winzigen Apartment lebt, könnte etwas ländliche Ruhe durchaus gebrauchen.

Eines Tages gehen die Wünsche der beiden in Erfüllung. Sie tauschen ihre Körper, landen immer wieder für kurze Zeit im Leben des anderen, und sorgen dort für reichlich Chaos und amüsante Missverständnisse. Auf den Smartphones des jeweils anderen schreiben sie ihre Abenteuer auf.

Shinkais hinreißend detailreich animierter Film beginnt als turbulente Body-Switch-Komödie im Stil von „Freaky Friday“, weitet sich aber bald zu einer komplexen Geschichte ums Heranwachsen aus, in der es um die Suche nach der Identität und dem richtigen Platz im Leben geht. Schließlich leben beide Protagonisten auch nicht in einer putzigen Idylle, sondern stammen aus dysfunktionalen Familien.

Mitsuhas Großmutter, die sich um einen Götterschrein in der Kleinstadt kümmert, ist eine zentrale Figur des Films: Sie hat Zugang zur Welt der Geister und knüpft ganz buchstäblich die Fäden zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dann verschieben sich die Zeitebenen. Mitsuhas Heimatstädtchen wird von einem gigantischen Kometen bedroht, der alles Leben auszulöschen droht, und Taki ist am Ende der einzige, der diese Katastrophe verhindern kann.

Im einem großen Erzählbogen verknüpft Makoto Shinkai die Gegensätze von Tradition und Moderne, Stadt und Land. Er reflektiert über die Macht der Naturgewalten sowie die Angst vor Katastrophen, die in Japan seit dem Reaktorunglück von Fukushima wieder sehr real geworden ist. Aber das schnell pochende Herz seines Films bilden die Sehnsüchte zweier Teenager, die sich noch sie gesehen haben, aber schon so viel übereinander wissen. Noch können sie nur von der Liebe träumen.

In Japan avancierte „Your Name“ zum kommerziell erfolgreichsten Film seit Hayao Miyazakis oscargekröntem Meisterwerk „Chihiros Reise ins Zauberland“. Bei einem solchen Erfolg wird Hollywood schnell hellhörig: „Star Wars“-Regisseur J.J. Abrams kündigte bereits im September an, ein Live-Action-Remake des japanischen Originals produzieren zu wollen.

Your Name. Gestern, heute und für immer, Japan 2016, 106 Min., FSK ab 6, von Makoto Shinkai

Your Name. Gestern, heute und für immer

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