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Bad Ems

Spielbank in Bad Ems will ramponiertes Image dem tollen Ambiente anpassen

Tobias Lui

Ob sich sogar der Kaiser persönlich hier amüsiert hat, ist nicht überliefert. Da zahlreiche Monarchen im 19. Jahrhundert aber ihre Sommerresidenz in Bad Ems hatten – Kaiser Wilhelm I. zum Beispiel – ist es gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass diese ab und an auch Abwechslung in der Spielbank gesucht haben: Immerhin eröffnete das erste Kasino der Kur- und Badestadt bereits 1720. Heute, fast drei Jahrhunderte später, findet man die Spielbank im Kurhaus. Doch trotz dieses erstklassigen Ambientes ist das Image arg ramponiert, Missmanagement über Jahre und fehlende Perspektiven haben Spuren hinterlassen. Nun ist ein neuer Eigentümer da – und hat viel Zeit und Geld investiert, um das Image aufzupolieren. Das „Winners Weekend“ an diesem Wochenende soll der Startschuss in bessere Zeiten sein, am Sonntag lockt zudem ein Tag der offenen Tür.

Drei Mann, die gemeinsam mit ihrem Team die traditionsreiche Bad Emser Spielbank wiederbeleben wollen (von links): Michael Seegert, Markus Fuhr und Lothar Butenschön sind optimistisch, mit dem neuen Spielangebot viele Besucher in die renovierten Räumlichkeiten locken zu können. Foto: Tobias Lui

Anfangs, das gibt Michael Seegert heute gern zu, musste er zwei Mal hinschauen, als er die Bilanzen zu Gesicht bekam. „Dass die Spielbank so heruntergewirtschaftet ist, wussten wir nicht“, erklärt der Geschäftsführer der Spielbank Mainz GmbH & Co. KG. Zum 1. April hat diese auch offiziell das traditionsreiche Haus in Bad Ems übernommen, im Vorjahr hatte man die Ausschreibungsverfahren des Landes gewonnen. Für zehn Jahre (mit Option auf fünf weitere) sicherte sich das Unternehmen, zu dem auch die Spielbanken in Mainz und Trier gehören, die Lizenz für den traditionsreichen Standort an der Lahn. Alle Mitarbeiter wurden übernommen. „Wir möchten Bad Ems zu dem machen, was es sein sollte: Ein tolles Ambiente mit erstklassigen Spielangeboten“, verspricht der 61-Jährige, als unsere Zeitung ihn in den frisch renovierten Räumlichkeiten im Kurhaus besucht. Die Handwerker sind fast fertig, seit Jahresbeginn wurde umfassend umgebaut, poliert, restauriert und ausgetauscht. Sogar das gewaltige Spielbankemblem auf dem Dach, über Jahrzehnte eines der beliebtesten Fotomotive der Kurstadt, erstrahlt wieder in modernstem LED-Licht. In den vergangenen Monaten war hier jeglicher Glanz vergangen, das einstige Wahrzeichen fristete genau wie die gesamte Spielbank ein jämmerliches Dasein. Ein Grund dafür: Die alten Eigentümer investierten über Jahre nichts, personelle Lücken wurden nicht geschlossen.

„Am Ende hat es Abende gegeben, da waren keine 20 Leute da“, berichtet einer, der es wissen müsste: Markus Fuhr arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Spielbank – und hat genau wie viele der Kollegen unter den schwierigen Bedingungen zuletzt gelitten. Unsicherheit und Angst habe unter den Angestellten geherrscht, „denn keiner wusste, wie es nach dem 1. Januar weiter geht“, erzählt der Mann, der nun Standortleiter ist. Nach dem Zuschlag für die Spielbank Mainz GmbH & Co. KG und ersten Gesprächen wich diese Unsicherheit großer Vorfreude auf das, was da kommt. „Den Kollegen und mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, die Erleichterung war riesengroß.“ Keine vier Monate später ist etwas Stolz hinzugekommen, wie der Saalchef unumwunden zugibt. „Die Kollegen und ich sind begeistert von Umbau und Renovierung, alle sind top motiviert.“

Der neue Chef Seegert zeigt sich zufrieden über so viel Enthusiasmus bei seinen Angestellten. Aktuell sind es 20, doch weitere sollen dazukommen, wenn die Entwicklung so vonstattengeht, wie Seegert hofft. Nach der Übernahme wurden die Räumlichkeiten für 400 000 Euro renoviert, außerdem das Spielangebot angepasst – rund 700 000 Euro wurden in neue Automaten investiert. „Das Spielangebot ist nun auf dem modernsten Stand“, verrät Seegert, der seit mehr als 30 Jahren in Geschäftsführungen und Aufsichtsgremien von verschiedenen deutschen Spielbanken sitzt.

Und was sagt ihm seine Erfahrung, wie die Zukunft der Emser Spielbank aussieht? Immerhin sind Metropolen mit Spielerpotenzial wie Köln oder Frankfurt weit weg. „Grundsätzlich kann man kein Kasino mit einem anderen vergleichen“, erklärt Seegert. „Denn kein Standort ist wie der andere.“ Hier in der Kurstadt beispielsweise habe Tradition einen ganz besonderen Stellenwert, auf den müsse man Rücksicht nehmen – zum Beispiel bei der gerade abgeschlossenen Renovierung. „Die war extrem aufwendig und mühsam, allein wegen der Belange des Denkmalschutzes“, erklärt Lothar Butenschön, der seit mehr als 30 Jahren für die Technik zuständig ist. So mussten die Handwerker bis spätestens um 16 Uhr mit ihrer Arbeit fertig sein, denn dann wurden die Türen für die Besucher geöffnet. Man wollte die Spielbank nicht über Monate komplett schließen, daher dieser Kompromissweg. „Dadurch aber hat alles natürlich doppelt so lang gedauert“, weiß Butenschön.

Immerhin: Kurz vor dem bevorstehenden „Winners Weekend“ scheinen Umbau und Renovierung bis auf wenige Restarbeiten abgeschlossen. Seegert, Fuhr und Butenschön sind zufrieden – zumal auch die Bad Emser Bürger neugierig darauf zu sein scheinen, was genau sich da im Kurhaus tut. „Die Besucherzahlen sind zuletzt deutlich angestiegen, obwohl wir keine besondere Werbung gemacht haben“, freut sich der Geschäftsführer. „Die Leute sind gespannt auf uns. Das merkt man auch bei den umliegenden Hoteliers und Geschäftsleuten.“

Das Spielangebot jedenfalls müsse sich hinter keinem Kasino verstecken, die neuen Automaten gehörten zu den angesagtesten der Szene, außerdem locken diverse Jackpots, die zu knacken sind. Neben zwei modernen Roulettekesseln wird erstmals seit Jahren auch wieder Black Jack in Bad Ems angeboten. „Poker“, versichert der erfahrene Manager, „wollen wir im zweiten Schritt auch wieder etablieren.“ Schließlich reiche der historische Standort allein nicht aus, um Spieler dauerhaft zu locken. „Stimmt zudem aber das Spielangebot, kommen sie automatisch.“

Von unserem Redakteur
Tobias Lui

Älteste deutsche Spielbankgesellschaft

Die neue Eigentümerin, ein Zusammenschluss der Spielbank Bad Neuenahr GmbH & Co. KG und der Spielbank Berlin nationale Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG, hat die im Jahr 2016 erfolgte europaweite Ausschreibung des Landes gewonnen.

Die Spielbank Bad Neuenahr GmbH & Co. KG ist die älteste deutsche Spielbankgesellschaft und betreibt seit 1948 beziehungsweise 1949 erfolgreich die Spielbanken in Bad Neuenahr und Bad Dürkheim, 2009 kam das Ring Casino am Nürburgring hinzu. Die Gesellschaft war und ist an vielen anderen Spielbanken als Know-how-Geberin tätig, so in Schleswig-Holstein, Berlin, Hessen sowie im Schweizer Locarno. Die Spielbank Berlin nationale Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Novomatic AG. Diese betreibt in Deutschland als Mehrheitsgesellschafter die größte Spielbank in Berlin sowie in Hessen die beiden Spielbanken in Kassel und Bad Wildungen und ist nun auch Mitgesellschafter der Spielbanken in Mainz, Trier und Bad Ems. Mit einem Umsatz von mehr als 3 Milliarden Euro im Jahr 2015 ist die Novomatic-Gruppe als Produzent und Betreiber einer der größten Gaming- Technologiekonzerne der Welt und beschäftigt rund 29 000 Mitarbeiter. tl

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