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Dahlheim

Stimmtalent aus Dahlheim: Marie (14) will Herzen rühren und Stühle drehen

Michaela Cetto

Eine künstlerische Ader hatte Marie Solbach schon im Kindergarten – damals allerdings benutzte sie hauptsächlich Wachsmalstifte, um ihrer Kreativität Ausdruck zu verleihen. Heute ist ihre Stimme das Vehikel. „Eigentlich will ich nichts anderes machen als singen.“ Zumindest gelingt es der 14-jährigen Schülerin aus Dahlheim recht gut, ihre Freizeit mit Musik zu füllen: In Festzelten oder in der Kirche, bei Geburtstagsgesellschaften oder auch vor einer Jury von „The Voice Kids“ greift sie zum Mikrofon.

Abschlussfoto eines „verrückten“ Abends: Marie Solbach (links) mit den Finalisten und Wildcard-Gewinnern von „The Voice of Germany 2017“ und weiteren Fans nach dem Konzert in der Conlog Arena in Koblenz. Foto: Michaela Cetto

„Musik war irgendwie schon immer da in meinem Leben“, sagt sie. Kein Wunder, ihr Papa greift bis heute quasi täglich zur Gitarre. Schon als Pimpf sang sie mit ihm unterm Weihnachtsbaum. „Aber vor fremden Leuten habe ich mich das ganz lange nicht getraut.“ In der Grundschule wagte sie einen ersten mutigen Auftritt in der Dahlheimer Kirche. Und in der vierten Klasse machte sie schließlich bei „Abenteuer im Troll-Land“ mit, dem Musicalprojekt der Musical Academy Koblenz von Corinna Schmitz. Irgendwo zwischen den Dahlheimer Kirchenbänken und der Bestuhlung des Jugendkulturzentrums in Lahnstein ist der Knoten geplatzt. „Ich habe immer mehr Spaß daran gefunden.“ Und mehr und mehr Mut gefasst.

Vor zwei Jahren erlebte sie dann Corinna Schmitz mit einer ihrer Bands live in Koblenz. „Da wusste ich: Das will ich machen. Ich will in einer Band singen und auf der Bühne stehen.“ Eigentlich hatte Corinna Schmitz gar keinen freien Platz, aber die Musikerin hörte sich Marie trotzdem an – und war vor allem von ihrer Stimmfarbe und Interpretationsstil angetan. Mittlerweile gibt sie der Gymnasiastin Gesangsunterricht. Marie bereichert Corinna Schmitz’ Band Six Libs und peppt in der Dahlheimer Kirchenband so manchen Gottesdienst mit modernen Songs auf.

Nach Enttäuschung wieder aufgerappelt

Klare Sache, dass Marie bei so viel Leidenschaft für den Gesang auch ein Faible für Fernsehsendungen hat, bei denen es um Musik geht. „Ich bin ‚The Voice‘-Fan“, gesteht sie. „Ja, und ich schaue mir auch alle anderen Musik-Castingshows an.“ Schließlich reifte die Idee, selbst mitzumachen. Und so schickte sie eine Bewerbung zu „The Voice Kids“. Das Demo mit ihrer Gesangsprobe überzeugte offensichtlich, denn sie wurde zum Scouting nach Frankfurt eingeladen. Dort musste sie Ende August gemeinsam mit anderen Bewerbern live vor einer Jury singen. „Das war alles wahnsinnig aufregend“, erinnert sie sich. „Jeder durfte nur einen Teil aus seinem vorbereiteten Song singen.“ Marie hatte sich „Love on the Brain“ von Rihanna ausgesucht. Dass es dann letztendlich für die Blind Auditions nicht gereicht hat, enttäuschte sie schon ein bisschen. Zuerst boykottierte sie sogar die jüngste Staffel von „The Voice of Germany“ im TV. Doch dann lagen die Karten für die Live-Show der Finalisten unter dem Weihnachtsbaum.

"Mach bloß weiter!"

„Der Abend in der Conlog Arena in Koblenz war der Wahnsinn“, schwärmt sie. Und meint dabei nicht nur das Konzert der „Voice“-Kandidaten rund um Siegerin Natia Todua. Durch einen Zufall nämlich lernte sie alle sechs „Voice“-Stars nach dem Konzert kennen. Sie knipste ein Selfie mit Anna Heimrath, ließ sich von Natia Todua herzen und klönte mit Lara Samira Will, Gregor Hägele, Dzenan Buldic und Benedikt Köstler über die coolen Coaches, über Musik und den „großen ‚Voice‘-Traum“, der für Marie nicht in Erfüllung gegangen ist. „Die waren alle total nett!“ Schließlich wollte Dzenan sogar ein Demo hören, und die Voice-Finalisten scharten sich um Maries Handy, um zu lauschen. „Verrückt“, meinte Benedikt Köstler anerkennend. Alle waren sich einig: „Mach bloß weiter.“

„Ich werde singen. Singen.“

„Verrückt“ findet Marie den ganzen Abend. „Natürlich mach’ ich weiter“, sagt sie. Für die nächste Staffel „Kids“, für die ja erst wieder im Sommer gecastet wird, ist sie allerdings zu alt und für die nächste Staffel „The Voice“ noch zu jung. Also heißt es erst mal: Ganz unaufgeregt Lateinvokabeln und Matheformeln am Johannes-Gymnasium Lahnstein büffeln. „Aber in zwei Jahren werde ich mich auf jeden Fall bei ‚The Voice‘ of Germany bewerben.“ Die Zeit bis dahin will sie natürlich für die Musik nutzen. „Ich will richtig viel lernen, tanzen, alles!“ Sie will Herzen rühren und die Stühle der Juroren drehen. „Ich werde singen. Singen.“

Von unserer Redakteurin Michaela Cetto

Bad Ems Lahnstein
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