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Bingen

Leichtsinnige Wanderung am Kreuzbach:  „Klamm ist die steilste nördlich der Alpen“ – Stimmen zum Einsatz

13.10.2017, 07:45 Uhr

Die Unvernunft eines 31-jährigen Mannes aus Hessen und dessen 29-jähriger Begleiterin aus Mainz löste am Mittwoch einen Großeinsatz in der noch gesperrten Kreuzbachklamm bei Bingen aus. Es gab Verletzte und einige neue Erkenntnisse bei den Rettern, für die der Einsatz in der extrem steilen Klamm auch Neuland war.

Zwei Feuerwehrleute wurden bei einer Rettungsaktion in der Kreuzbachklamm durch einen Steinschlag verletzt. Foto: Stadt Bingen

Zwei Feuerwehrleute wurden beim Einsatz verletzt – einer erlitt einen Fußbruch, einer wurde von einem Steinschlag getroffen – und insgesamt 100 Kräfte waren im Einsatz, darunter die Feuerwehr Bingen mit der Fachgruppe Absturzsicherung, Kräfte der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe und der Höhenrettungsgruppen der Feuerwehren Ingelheim und Wiesbaden.

Die Kreuzbachklamm ist seit einem verheerenden Unwetter im vergangenen Jahr gesperrt, soll aber in der nächsten Zeit wieder geöffnet werden. Am Mittwoch jedenfalls war die Klamm mit Flatterband gesichert und Schilder wiesen darauf hin, dass die bei Wanderern so beliebte Klamm noch nicht begehbar ist.

Binger Wehrführer:  „Da führt nicht einmal andeutungsweise ein Weg hin“

Der Binger Wehrführer Marco Umlauf versteht dennoch nicht, wie der Wanderer an die Stelle gelangte, an der ihn die Wehrleute vorfanden. „Da führt nicht einmal andeutungsweise ein Weg hin“, sagt er.

Was den Einsatz aus Sicht des Binger Wehrleiters so schwierig machte, war das herausfordernde Gelände. „Doch wir mussten nicht nur den Wanderer aus dem Gelände führen, sondern auch die beiden verletzten Kameraden rund 600 Meter weit aus der Klamm zur Bundesstraße 9, die während des 90 minütigen Einsatzes voll gesperrt blieb, tragen“, so Umlauf. Ein solcher Einsatz war dann auch Neuland für seine Einheit. Denn bisher war die Wehr lediglich an einem Kletterfelsen zur Rettung gerufen worden.

Das Überraschende an der Rettungsaktion ist laut Beigeordneten Jens Voll (Grüne), zu dessen Geschäftsbereich der Binger Wald gehört, dass sich der 31-jährige nicht an den neu aufgebauten Stellen der Klamm, sondern entlang der alten Wegführung verstiegen hatte.

100 Einsatzkräfte weilten in der Klamm. Foto: Sebastian Stenzel/Wiesbaden112.de

Die in Zusammenarbeit mit der Alpenvereinssektion Koblenz geschaffene neue Route, die sowohl den Abstieg als auch den Aufstieg aus dem Bachtal mit Steigeisen und Leiterelementen ermöglicht, war nicht berührt. Voll weiß, dass die Klamm, deren Reiz darin liegt, dass sie ein fantastisches Wandererlebnis bietet, nicht einfach zu begehen ist. „Die Klamm ist die steilste nördlich der Alpen“, sagt der Beigeordnete.

 „Die Klamm hat alpinen Charakter, da sollte man schon schwindelfrei sein.“

Einfacher ist sie nach dem Umbau nicht geworden, sondern eher anspruchsvoller. So müssen gerade dort wo einst die höchste Brücke den Kreuzbach querte, Wanderer künftig mittels Steigeisen und Stahlleitern drei Meter an Höhe gewinnen. Voll: „Die Klamm hat alpinen Charakter, da sollte man schon schwindelfrei sein.“

Bei aller Attraktivität sei sie darum nicht für jedermann geeignet. Darauf will die Stadt Bingen eindrücklich hinweisen und dem Wanderer klar vor Augen führen, was ihn erwartet. Zurzeit sind die nötigen Schilder in der Mache. Wenn sie geliefert und aufgestellt sind, wird die Kreuzbachklamm wieder frei gegeben. Voll rechnet damit, dass es in den nächsten Wochen soweit sein wird.

Grundsätzlich bleibt die Wegeführung die gleiche. Schließlich bietet das enge Keiltal wenig Raum rechts und links des Baches. Dass es zu einem Steinschlag kam, der einen Wehrmann verletzte, ist schlimm. Voll erinnert daran, dass es an den Hängen auch Geröllhalden gibt. Wanderern in der Klamm empfiehlt der Beigeordnete unbedingt gutes Schuhwerk, denn das sei Voraussetzung für eine erfolgreiche und vor allem schadlose Wanderung durch die Kreuzbachklamm. bj

Bad Kreuznach
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