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Kreis Ahrweiler

Gastronomie im Kreis Ahrweiler: Wo Veganer gute Karten haben

Beate Au

Ob veganer Hotdog, neue Produkte im Einzelhandel oder ein komplettes veganes Restaurant: Der Wunsch nach einer Ernährung ohne tierische Produkte liegt im Trend. In Großstädten boomt das Vegane. Vegetarische Gerichte sind inzwischen ohnehin auf fast jeder Speisekarte zu finden. Zudem sind Nahrungsmittelallergien auf dem Vormarsch. Eine Herausforderung für die Gastronomie. Sind Restaurants im Kreis Ahrweiler darauf eingestellt? Wir waren auf Spurensuche.

Bitte nur Veganes! Das bekommen auch Gastronomen in der Region immer öfter zu hören. Foto: dpa

„Fast jeden Abend sitzt bei uns jemand im Restaurant, der etwas nicht verträgt. Lebensmittelunverträglichkeiten sind die größte Baustelle der Zukunft“, sagt Markus Bitzen vom Jagdhaus Rech und berichtet von Gästen, die ihm vor dem Besuch auch schon mal eine Din-A 4-Seite mit Tabu-Zutaten zukommen lassen. Eigentlich spezialisiert auf Wild, hat das Jagdhaus ein achtgängiges vegetarisches Menü auf der Karte. „Weil Fleischesser meist einen Vegetarier im Schlepptau haben“, erklärt Bitzen und fügt hinzu: „Wir können auch vegan, allerdings am liebsten auf Vorbestellung.“ Er hat festgestellt: „Gemüse wird für uns in der Küche immer interessanter.“ Als Mitglied der Slowfood-Bewegung hat er den Ehrgeiz, regionale Sorten im eigenen Garten zu ziehen – zum Beispiel den Maiwirsing Bonner Advent.

Mit einer Speisekarte extra für Veganer wartet seit Neuestem das Seehotel Maria Laach auf. Beispielsweise mit Lasagne von Steckrübe und Kohlrabi als Hauptgericht. Hoteldirektor Steffen Malzow findet, dass dies zum Kloster passt. Er weiß aber auch, dass viele Verbraucher kritischer geworden sind und weniger Fleisch essen wollen. Jedes gute Restaurant könne heute darauf aber auch spontan auf solche Wünsche reagieren.

Mit ihrer großen Brandbreite an Gemüsen und raffinierten Zubereitungsarten, die in den Küchen der Spitzengastronomie eine wichtige Rolle spielen, sind auch Gourmettempel quasi automatisch auf Vegetarier eingerichtet. Mit veganen Angeboten kann sich Sternekoch Hans Stefan Steinheuer allerdings nicht anfreunden. Knochen, Karkassen, Frischgräten – das alles gehört in die Fonds, ohne die Sterneküche nicht funktioniert. Und Soja, die Proteinalternative für Veganer, ist für Steinheuer „das am meisten genveränderte Produkt, das auf dem Markt ist.“ Das große Thema, das ihm im Restaurant immer häufiger begegnet: Nahrungsmittelallergien. Ob Sellerie, Muscheln oder Krustentiere – jeder dritte Gast ist von Allergien betroffen. Nach individuellen Unverträglichkeiten wird deshalb vor jeder Bestellung immer gefragt.

Es war die Lactoseintoleranz bei einem seiner Enkelkinder, die Primo Giovanni Caltagirone vom Eissalon Da Jerry in Bad Neuenahr dazu brachte, veganes Eis herzustellen. „Es ist cremig und schmeckt gut“, ist er zufrieden und berichtet, dass dieses Angebot von Kunden sehr geschätzt wird, „Sie reisen selbst aus Düsseldorf oder Frankfurt an, um hier endlich mal ein Eis essen zu können. Manche haben so lange darauf verzichten müssen, dass sie vor Freude geweint haben“, sagt Caltagirone.

Mit dem Restaurant Grün in Bad Neuenahr und Manhu in Ahrweiler, beides mit angeschlossenem Biofachmarkt, gibt es in der Kreisstadt auch ein Angebot für den fleischlosen Mittagsimbiss. Ob veganer Burger, Salat mit gebratenen Tofu-Streifen oder Soja-Vanille-Latte – hier hat man sich völlig eingestellt auf einen Ernährungstrend, der immer mehr Anhänger findet. Ein Pionier war David Förster. Seit 15 Jahren ist der Försterhof oberhalb von Walporzheim dafür bekannt, dass hier Vegetarisches auf der Karte steht. Vor drei Jahren hat Förster, selbst Vegetarier, sich dazu entschlossen, auch vegane Speisen anzubieten. „Ich beobachte, dass sich die Nachfrage entwickelt. Vor allem für die unter 40-Jährigen ist das schon länger ein Thema. Das Angebot wird gut angenommen. An der Ahr gibt es ja auch noch nicht allzu viele Möglichkeiten. Und schließlich will nicht jeder als Alternative immer nur Salat essen“, so Förster, der konsequenterweise auch sein Weinsortiment auf vegan umgestellt hat.

Günther Uhl vom Hotel Krupp in Bad Neuenahr, stellvertretender Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), hat schon früh auf die vegetarische Karte gesetzt. „Vollwertkost und gesunde Ernährung haben mich persönlich schon mit Mitte 20 interessiert. In der Halbpension habe er immer ein entsprechendes Auswahlmenü dabei, ebenso beim Essen auf Rädern. Rein vegan kocht er aber nur auf Nachfrage. Der aktuelle Hype um das Thema Ernährung und die Präsenz in den Medien ist seiner Meinung gesteuert, um die Krankheitskosten im Gesundheitswesen zu dezimieren. Denn gesundes Essen ist für Uhl schon lange die beste Prävention. „Man ist, was man isst“, so sein Credo. Beate Au

Projekt: Neue Ahrtalküche

In der Urlaubsregion Ahrtal soll mit der „neuen Ahrtalküche“ die Barrierefreiheit in der Gastronomie vorangetrieben werden.

Ein großes Thema dabei: Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten. Der neue, beim Ahrtal-Tourismus angesiedelte Projektkoordinator Maximilian Scholl wird nach dem gewonnenen Landeswettbewerb „Tourismus für alle“ nun auch mit Gastronomen zusammenarbeiten und sie für die Materie sensibilisieren. Aus der Tradition der Bad Neuenahrer Diätküche vor 100 Jahren heraus sollen nun spezielle Angebote für Personen mit Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten entwickelt werden.

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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