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Oberwesel

Zeitreise ins Mittelalter läuft: Oberwesel ist fürs Spektakel Spectaculum gewappnet [Foto-Impressionen]

2000 Kerzen in Handarbeit gießen? Eine der Herausforderungen, bevor es an Pfingsten wieder Tausende Menschen aus ganz Deutschland an den Mittelrhein zieht. In Oberwesel geht die 18. Auflage des mittelalterlichen Spectaculums über die Bühne. Und die Veranstalter sind gewappnet.

Zwei Jahre hatte der Verein zur Erhaltung des mittelalterlichen Brauchtums Zeit, sich auf das Großereignis vorzubereiten und jeden Samstag wurde im Brauchtumsverein gewerkelt. Den ehrenamtlichen Organisatoren ist wichtig, dass alles möglichst authentisch ist. So soll sich das Spectaculum von den zahlreichen kommerziellen Konkurrenzveranstaltungen abheben.

Auf einem rund 1300 Quadratmeter umfassenden Gelände an der Alten Mainzer Straße in Oberwesel lagert so ziemlich alles, was sie für das Fest benötigen. In einer großen Requisitenhalle mit angeschlossener Werkstatt werden derzeit noch die letzten Vorbereitungen getroffen, Kulissen haben bereits einen frischen Anstrich erhalten, nun werden die Wagen und Requisiten transportfertig gemacht.

Die Gassen werden am Abend von 2000 Kerzen hell erleuchtet, die an Lichterkränzen angebracht sind. Der Vorsitzende des Brauchtumsvereins, Joachim Fladl (oben, links) zeigt einen solchen Lichterkranz.
Denise Bergfeld

Die Organisatoren machen sich im Vorfeld enorm viel Mühe. Kürzlich trafen sie sich auf dem Gelände zum Kerzengießen. Denn wenn an den Abende die Sonne untergeht, werden Oberwesels Gassen von Kerzenschein erhellt. Auch das gehört seit vielen Jahren mit zum Konzept. Denn das mittelalterliche Spectaculum spielt im Jahr 1418, und bis das elektrische Licht erfunden wurde, mussten erst noch mehr als 450 Jahre ins Land gehen.

So wird am Samstag- und Sonntagabend dann ein Kerzenwagen durch Oberwesels Gassen fahren, gezogen von „Luzifers Haufen“. „Mit viel Geschrei und Getöse, denn der Wagen braucht die ganze Straße“, erzählt der Vereinsvorsitzende Joachim Fladl. Die Gefolgschaft Luzifers entzündet rund 2000 Kerzen in der Stadt, die an Galgen auf Lichterkränzen angebracht sind. Der Name Luzifer bedeutet übrigens Lichtbringer. Es ist der lateinische Name des Morgensterns. Erst später wurde Luzifer im christlichen Sprachgebrauch zum Namen des Teufels.

Die 2000 Kerzen entstanden in reiner Handarbeit. An die Böden von 2000 Kerzenbehältern haben die Helfer je eine Mutter geschweißt, mit der der Docht gehalten wird. Jede der 2000 Kerzen wurde zunächst angegossen, dann musste die erste Wachsschicht aushärten, bevor die Behälter komplett aufgefüllt werden konnten.

Der Wachsmann: Heribert Becker verflüssigt das Material für die Kerzen.
Denise Bergfeld

Heribert Becker ist an diesem Abend dafür zuständig, das Wachs zu verflüssigen. Er packt zwei große Bottiche mit Wachsplatten auf eine Feuertonne, bevor Anja Muders damit beginnen kann, die restlichen Kerzentöpfe zu befüllen. Mit einem Topf schöpft sie das flüssige Wachs und gießt es fein-säuberlich in die Kerzentöpfe. Rund zehn Helfer sind an diesem Abend zum Vereinsgelände gekommen, um bei den Vorbereitungen Hand anzulegen. Der Verein zur Erhaltung des mittelalterlichen Brauchtums fasst rund 150 Mitglieder, neun von ihnen bilden den Vorstand.

Am Freitag beginnen dann die großen Vorbereitungen in der Stadt, bei der auch sämtliche elektrische Lichtquellen mit Tüchern verhüllt werden. Alles soll möglichst so sein wie im Jahr 1418. Auch die Straßenschilder werden kurz vor Festbeginn abmontiert.

Rund 300 Künstler und Handwerker hat der Verein engagiert, die an den drei Festtagen auftreten werden. Vier Bühnen werden aufgebaut, zwölf Verzehrstände und zwei bis drei Verkaufsstände wird es geben, erläutert Joachim Fladl. Auf die Darstellung der spätmittelalterlichen Handwerke legt der Verein sehr viel Wert: „Wir geben so viel Geld für die Handwerker aus, wie für die Künstler selbst“, sagt Fladl. Neu mit dabei wird in diesem Jahr auch eine Hornbrennerei sein, die Trinkhörner nach altem Brauch verziert.

Auch über das Verkehrs- und das neue Sicherheitskonzept haben sich die Verantwortlichen im Vorfeld viele Gedanken gemacht, damit das dreitägige Familienfest reibungslos über die Bühne gehen kann. Der Brauchtumsverein und Ellen Lammer vom Ordnungsamt der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel raten, wenn möglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Weitere Parkmöglichkeiten sind ausgewiesen. Sperr- und Rettungsflächen müssen freigehalten werden, darauf weist Lammer hin. „Man sollte außerdem gut überlegen, ob man mit einem Hund auf ein solches Fest fährt oder sich nicht eine anderweitige Betreuung sucht“, sagt sie.

Wieviele Taler berappen?

Bis zum vollendeten 14. Lebensjahr ist der Eintritt frei. Die Tageskarte kostet 14 Euro. Ein Tonbecher ist darin enthalten.

Vom Oberweseler Bahnhof bis zum Festgeländeeingang sind es nur 200 Meter. Für die Anfahrt entlang des Rheines bietet sich der Schienen- und Schiffsverkehr an. Samstag und Sonntag verlängert die Fähre von Sankt Goar ihren Dienst bis kurz vor Mitternacht für die rechtsrheinischen Mittelalterfans.

Von unserer Redakteurin
Denise Bergfeld

Chöre singen festliche Musik zum Spectaculum

Zum mittelalterlichen Spectaculum findet am Sonntag, 20. Mai, 10.30 Uhr, das Hochamt am Pfingstsonntag in der Liebfrauenkirche Oberwesel statt mit besonders feierlicher Kirchenmusik.

Der Chor von Liebfrauen und St. Martin bringt mit dem Jungen Chor Carduelis gemeinsam die neue „Messe in G“ von Regionalkantor Lukas Stollhof zur Uraufführung. Begleitet werden die Chöre von Instrumentalisten an Klavier, Gitarre, Bass, Percussion und zwei Trompeten. Ebenso wird der altehrwürdige Gregorianische Choral aufgeführt.

Zusätzlich ist mit „Lobe den Herrn, meine Seele“ eines der fünf Stücke für Chor und Orchester in der Oberweseler Erstaufführung zu hören, die Lukas Stollhof für den Abschlussgottesdienst des 101. Deutschen Katholikentages in Münster komponiert hat; darin übernehmen drei Kinder des Kinderchors Oberwesel das Solo.

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