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Kreis Birkenfeld

Fastnachtsbilanz der Polizei: Umzüge in Buhlenberg und Fischbach waren Sorgenkinder

Vera Müller

Farbenprächtig, fröhlich und friedlich: So sollte es im Idealfall während der tollen Tage zugehen, und diese Formel traf auch für die große Mehrzahl der Fastnachtsveranstaltungen im Kreis Birkenfeld zu. Gleichwohl fällt an Aschermittwoch die Bilanz von Polizei, Ordnungsämtern und Rettungskräften teils ernüchternd aus.

Mehrfach musste sich der Rettungswagen den Weg durch die Menschenmenge beim Fischbacher Zug bahnen. Die Ersthelfer wurden zur Halle gerufen. Es gab mehrere Vorfälle durch erhöhten Alkoholkonsum.
Harma Regina Rieth

Denn vor allem in Fischbach und Buhlenberg und damit bei zwei der größten Karnevalsumzüge in der Region gab es massive Probleme mit stark alkoholisierten, zumeist jüngeren Besuchern, von denen einige zu allem Überfluss auch noch die Fäuste fliegen ließen.

In Buhlenberg ging das Ganze am Sonntag sogar so weit, dass ein eingesetzter Polizist aus Birkenfeld durch einen randalierenden Heranwachsenden verletzt wurde, eine ambulante Behandlung im Krankenhaus erforderlich war und der Beamte deswegen derzeit dienstuntauglich ist. Das berichtet Karl-Heinz Greschke, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion (PI) Birkenfeld auf NZ-Anfrage. Die Einsatzkräfte hatten zuvor insgesamt drei junge Männer in Gewahrsam genommen, die vor dem Gemeinschaftshaus eine Schlägerei angezettelt hatten. Dagegen leistete das Trio Widerstand, was sich dann auf der Wache noch fortsetzte. Gegen die drei wurde in der Folge Strafanzeige erstattet.

Der beschriebene Vorfall war laut Greschke aber nur die Spitze des Eisbergs: „Man muss leider sagen, dass sich die Probleme in Buhlenberg von Jahr zu Jahr steigern. So etwas kennt man vielleicht in größeren Städten, erwartet das aber nicht bei einem Umzug in einem kleinen Dorf“, sagt er.

Das gemeinsam mit anderen Behörden wie VG-Ordnungsamt und Kreisjugendamt abgestimmte Einsatzkonzept 2018 sei aus polizeilicher Sicht wohl nicht ausreichend gewesen, räumt Greschke ein und kündigt an, dass man für die Zukunft vermutlich nicht daran vorbeikommt, noch mehr Personal einzusetzen und sich Gedanken darüber machen muss, inwiefern sich mit weiteren Maßnahmen die Probleme in den Griff bekommen lassen.

Dabei hat es hinsichtlich des Sicherheitsaspekts in der jüngeren Vergangenheit bereits eine Reihe von Verfügungen gegeben.

Glasflaschen sind verboten

Der Buhlenberger Umzug leidet nämlich darunter, dass es inzwischen schon schlecht gewordener Brauch ist, dass sich bereits am Sonntagvormittag junge Leute im Umfeld des Birkenfelder Freibads treffen, dann hoch zum „Monte Buhlo“ pilgern und dort häufig schon sturztrunken ankommen. Aus diesem Grund tritt dort inzwischen am Fastnachtssonntag eine Sperrung der Kreisstraße in Kraft. Neu hinzu kam in diesem Jahr das Verbot, Glasflaschen mitzubringen und aus solchen Behältnissen Getränke auszuschenken. Letzteres wurde erst etwa eine Woche vor dem Umzug beschlossen und der veranstaltenden Karnevalsgesellschaft „Narrhalla“ Buhlenberg verbindlich vorgeschrieben, was für die Helfer im Ort zusätzliche Arbeit bedeutete und weitere Kosten verursachte.

Deshalb sagt KGNB-Präsident Günter Heß: „Es wäre wünschenswert, wenn die Besprechungen, bei dem es um Sicherheitsauflagen geht, früher stattfinden würden.“ Ausdrücklich stellt er jedoch klar, „dass wir natürlich allen, die sich um die Sicherheit des Zuges kümmern, Dank zollen müssen und es völlig verkehrt wäre, über sie zu schimpfen“. Denn auch Heß sieht die Vorkommnisse mit Sorge: „Kleine Handgemenge gibt es, überspitzt formuliert, schon seit 500 Jahren. Aber auch ich habe den Eindruck, dass das Verhalten einiger junger Besucher immer extremer und aggressiver wird“.

Zwar wolle die KGNB auch in Zukunft einen Fastnachtsumzug auf die Beine stellen, widerspricht Heß anderslautenden Gerüchten, die schon kolportiert wurden und auch ihm zu Ohren gekommen sind, aber der Vereinspräsident stellt auch klar: „Richtig ist, dass wir wirtschaftlich an unsere Grenzen kommen und rechnen müssen.“ Denn um überhaupt die Gestattung für die Veranstaltung zu bekommen, muss der KGNB zum Beispiel schon seit zwei Jahren eine Securityfirma engagieren und aufgrund des Verursacherprinzips die Reinigung der Kreisstraße zwischen Buhlenberg und Birkenfeld bezahlen. „Man kann sagen, dass im Dunstkreis der hinzugekommenen Auflagen etwa 3000 Euro mehr an Kosten an uns hängen bleiben. Für einen kleinen Verein ist das viel Geld“, betont Heß.

„Keine Frage, in Fischbach geht es deutlich rustikaler zu als in Idar-Oberstein“, zieht Joachim Hadrys“, Idar-Obersteiner Polizeihauptkommissar, Bilanz. 13 stark alkoholisierte Besucher, drei mussten sogar ins Klinikum verbracht werden, drei Fälle von Körperverletzung (und viele, die die Beamten verhindern konnten): „Das spricht eigentlich für sich.“ Der Fischbacher Zug werde mehr und mehr zum Treffpunkt jener vor allem jungen Menschen, die sich betrinken wollen. Viele sind bereits „voll“, bevor der Zug beginnt. Kartonweise wurde Schnaps von den Beamten sichergestellt, weil die Konsumenten zu jung waren und sich über Jugendschutzbestimmungen hinwegsetzten. Auffällig sei definitiv die Altersstruktur: In Fischbach seien deutlich mehr Jugendliche mit dabei als in Idar-Oberstein. Die Polizeibeamten würden sehr gut darin ausgebildet, deeskalierend zu wirken, Konflikte zu entzerren und damit Schlimmeres zu verhindern: „Keine leichte Aufgabe.“ Gesellschaftliche Veränderungen, ein vor allem bei manchen Jugendlichen enthemmtes Verhalten: Das spiegele sich auch im Zug wieder.

Was vorbildlich funktionierte: Während des Zuges mussten Rettungswagen sich den Weg durch die Menge bahnen, um zur Gemeindehalle zu gelangen. Auch nicht einfach. Und dennoch zeigten sich da alle Akteure vernünftig. Vonseiten des Herrsteiner Ordnungsamtes gibt es erste Überlegungen, inwieweit Maßnahmen ergriffen werden sollten – gerade mit Blick auf den Alkoholkonsum. Gibt es demnächst Einlasskontrollen? Mit solchen Fragen wird man sich demnächst in einer Zugnachbesprechung befassen. In Idar-Oberstein lief das Ganze deutlich gesitteter ab, sagt die Polizei. Es habe lediglich eine Schlägerei gegeben.

Thema bei Abschlussbesprechung

Georg Bußmann, Chef der IG Romo Idar-Oberstein, kommentiert: „Die Alkoholproblematik ist nach wie vor da, aber in meiner Wahrnehmung dieses Jahr nicht sehr ausgeprägt gewesen. Laut Auskunft des Roten Kreuzes gegen 18 Uhr nach dem Zug waren es wenige Personen, die erste Hilfe in Anspruch genommen haben. Ein Sturz mit Schürfwunden und ein bis zwei alkoholisierte Personen bis gegen 18 Uhr wurden behandelt.“ Im Zug werde durchaus Alkohol konsumiert: „Wir weisen im Vorfeld alle Gruppen grundsätzlich auf das Thema hin und bitten um einen sehr verantwortungsvollen Umgang miteinander in den Gruppen. Auch am Straßenrand waren die leeren Sekt- und Schnapsflaschen aus dem Publikum schon weitaus zahlreicher. Auch hier sind wir in jedem Jahr am Thema dran und wirken auf unsere Gruppen und die Standbetreiber wegen des Jugendschutzes besonders ein.“ Nächste Woche gibt es eine Abschlussbesprechung, in der diese Punkte aufgegriffen werden.

Von unseren Redakteuren Vera Müller und Axel Munsteiner

Idar-Oberstein Birkenfeld
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