++ 18:09 Union und SPD sacken in Umfragen weiter ab
Aus unserem Archiv
Region/Koblenz

Abgasskandal: Werden einige Dieselautos in der Region nun aus dem Verkehr gezogen?

Katrin Steinert

Den bundesweiten Dieselabgasskandal haben Zigtausende Autofahrer in Koblenz und in der Region zu spüren bekommen: Sie mussten ihre Dieselautos einem Software-Update unterziehen. Doch jetzt droht einigen Haltern die Zwangsstilllegung.

Die meisten haben das Software-Update bereits erledigt, und die Vertragswerkstätten hatten viel zu tun. Bei der Löhrgruppe wurden bislang bis zu 60.000 Dieselautos umgerüstet – bis zu zwölf Wagen kamen täglich in die Werkstatt des Volkswagenzentrums Koblenz.
Archiv Uli Pohl

Der Grund: Die Übergangsfrist für die Nachrüstung etlicher Modelle läuft aus. Zurzeit müssen noch 17 Autohalter in Koblenz das Software-Update nachholen, im Landkreis sind es ebenfalls 17. Das aber dürfte nicht das Ende der Fahnenstange sein. Andernachs Pressesprecher Christoph Maurer sagt: „Es kann sein, dass da noch was kommt.“ Die Ablauffristen variieren – je nachdem, wann die Hersteller ihre Rückrufaktion gestartet hatten. Deshalb meldet das Kraftfahrtbundesamt nicht alle Säumigen zugleich bei den örtlichen Zulassungsstellen.

Dirk Rombelsheim leitet die Koblenzer Behörde und erzählt, dass sein Team noch kein Dieselauto in der Stadt aus dem Verkehr ziehen musste. „In zwei Fällen haben wir eine Zwangsstilllegung angeordnet. Aber die Halter legten Widerspruch ein und teilten mit, dass sie gegen den Konzern klagen“, sagt Rombelsheim. Das sei die einzige Möglichkeit, die Frist zu übergehen. „Bis zum Abschluss ruhen diese Verfahren und die Bescheide werden nicht vollstreckt.“ In der Regel haben die Halter anderthalb Jahre Zeit, der Rückrufaktion des Herstellers zu folgen. Das heißt: Sie bringen innerhalb von 18 Monaten das Auto in die Werkstatt und bekommen das Software-Update installiert.

Rainer Konrad vom gleichnamigen Volkswagen-Autohaus in Rieden erzählt: „Das ist in der Regel in 30 bis 60 Minuten erledigt. Die Kosten zahlt selbstverständlich der Hersteller.“ Der habe außerdem angeboten, die Ersatzwagenkosten zu übernehmen. In Rieden wurden bislang circa 600 Fahrzeuge umgerüstet, und das Thema sei fast durch. „Das war bei uns unproblematisch und hat gut funktioniert“, berichtet der Geschäftsführer. Es gab den ein oder anderen Kunden, der Bedenken hatte, ob das Auto danach noch dieselbe Leistung hat und genau so lange haltbar ist. „Aber am Ende haben alle eingewilligt.“ Zum Teil verbrauchten die Autos jetzt sogar weniger als vor dem Software-Update, meint Rainer Konrad.

Der Umrüstungsansturm beim Volkswagenzentrum in Koblenz begann im Dezember. „Im Januar ging es bei uns dann richtig zur Sache“, erzählt Geschäftsführer Ralf Schwammkrug. Rund 2600 Dieselfahrzeuge wurden bislang in der Werkstatt umgerüstet – bis zu zwölf am Tag. Zurzeit sind es noch maximal zwei in der Woche. Insgesamt hat die Löhrgruppe 50.000 bis 60.000 Autos umgerüstet.

Betroffen von den Rückrufaktionen sind vor allem Dieselautos des Volkswagenkonzerns: von VW, Seat, Skoda, Audi; bei VW und Audi vor allem Modelle der Baujahre 2009 bis 2014. Kreishauspressesprecher Martin Gasteyer sagt: „Für Neuzulassungen erhielten wir bisher vom Kraftfahrtbundesamt eine Auflistung betroffener Fahrzeugtypen der Marken Daimler, VW, Audi, Porsche und BMW.“ Jüngsten Medienberichten zufolge gibt es nun einen Erstzulassungsstopp für Neufahrzeuge. Betroffen sind einzelne Dieselmodelle höherklassiger Audi-Baureihen, von BMW, Daimler und Porsche. Auch der VW Touareg ist betroffen.

Ralf Schwammkrug vom Koblenzer Volkswagenzentrum erzählt, dass die Entwicklungen nicht einfach für den Handel sind. Langsam mache sich Unmut breit. „Wir wissen nicht, wo die Reise mit dem Diesel-Gate noch hinführt.“ Er sei für 200 Mitarbeiter verantwortlich. Bei vielen steht jetzt Urlaub an. „Da sind Sorgen im Bauch. Wie geht das in Deutschland weiter?“ Verkäufer bekommen Provision, haben Autos angepriesen, die jetzt keine Erstzulassung bekommen. „Der Handel wartet, was das Kraftfahrtbundesamt entscheidet.“ Aber Schwammkrug ist sich generell sicher: „Es gibt derzeit keine Alternative zu einem Diesel.“ Elektroautos hätten eine zu geringe Reichweite und zu hohe Kosten.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte jüngst den amtlichen Rückruf von Daimlerfahrzeugen veranlasst, ebenfalls wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen. Auch BMW musste im März den Schritt gehen. Die anderthalb Jahre Übergangsfrist laufen. Dirk Rombelsheim von der Koblenzer Zulassungsstelle prognostiziert: „Und wenn das nicht fruchtet, dann kommen wir nächstes Jahr auch wieder ins Spiel.“ Dann drohen erneut Zwangsstilllegungen.

Von unserer Redakteurin Katrin Steinert

Rückrufaktion: Woher die Zulassungsstelle weiß, wer nicht umgerüstet hat

Nachdem bekannt geworden war, dass Dieselautos der Marken VW und Audi mit manipulierter Abgasreinigung ausgestattet wurden, forderte das Kraftfahrtbundesamt als Typgenehmigungsbehörde die Konzerne auf, alle Fahrzeuge mit unzulässiger Abschalteinrichtung umzurüsten.

Dirk Rombelsheim leitet die Koblenzer Zulassungsbehörde und erklärt: „Hierauf gab es bei den Konzernen Rückrufaktionen bei Herstellern bestimmter Modelle.“ Betroffen sind Skoda, VW, Audi und Seat, die dem Volkswagenkonzern angehören. BMW musste im März den Rückruf starten, Daimler im Juni.

Wenn festgestellt wird, dass Fahrzeughalter nicht an der Rückrufaktion innerhalb der Frist teilgenommen haben, wird der örtlichen Zulassungsstelle die Fahrzeugidentifizierungsnummer übermittelt. „Dann kontaktieren wir den Halter.“ Der hat vier Wochen Zeit, das Update nachzuweisen. „Erst dann ordnen wir die Zwangsstilllegung an“, erklärt Rombelsheim. Dagegen kann der Halter Widerspruch einlegen, wenn er gegen den Konzern klagt. 

Koblenz
Meistgelesene Artikel
Suche >