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Koblenz/Kreis MYK

Das erwartet König Kunde in guten Geschäften: Was Händler in der Region bieten müssen

Ingo Schneider

Das Vorweihnachtsgeschäft ist in vollem Gange, die Innenstädte der Region platzen aus allen Nähten, die Geschäfte brummen. Menschen, die nicht im Internet, sondern in der realen Einkaufswelt der Fußgängerzonen unterwegs sind. In den mehr als 1600 Einzelhandelgeschäften in Koblenz, 200 in Mülheim-Kärlich, 350 in Andernach, 300 in Mayen und 200 in Bendorf. Was erhoffen sie sich für ihren Einkauf, was erwarten sie vom lokalen Fachhändler ihres Vertrauens? Wir haben mit Experten darüber gesprochen, was Kunden zufrieden macht.

So voll wie in der Vorweihnachtszeit würde der Handel die Koblenzer Fußgängerzone gern immer sehen. Doch um Kunden zu gewinnen und auch zu behalten, müssen sich die Händler ihrer Grundtugenden bewusst sein.
Reinhard Kallenbach

Beratung, Hilfe, Vertrauen, Menschlichkeit und Glaubwürdigkeit: Das sind für den Hochschuldozenten und Unternehmensberater Andreas Hesse die letzten Bastionen des Handels in den Städten gegenüber dem stetig wachsenden Onlineangebot. Jüngst hat Hesse eine Studie zum Einzelhandel in Mayen koordiniert, eine Aktion der MY-Gemeinschaft und der Stadt Mayen. Er ist überzeugt: Nur wenn der stationäre Handel seine Stärken ausspielt, sich seiner Grundtugenden bewusst ist, dann kommt der Kunde wieder.

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Was macht für Sie ein gutes Geschäft aus? Was ist Ihnen wichtig beim Einkaufen? Stichworte sind: Service, Beratung und Freundlichkeit, das Sortiment, das Erscheinungsbild des Ladens und vieles mehr. Was für Erfahrungen haben Sie in den Geschäften in Koblenz und der Region gemacht? Wir sammeln Eindrücke, Erfahrungen und Meinungen unserer Leser. Schreiben Sie uns per E-Mail an die Adresse redaktion-koblenz@rhein-zeitung.net, per Post an Rhein-Zeitung, August-Horch-Str. 28, 56070 Koblenz, oder unter www.facebook.com/rzkoblenz.

Besonders wichtig: Beratung. Wurde ein Kunde gut und individuell beraten, von einem Verkäufer, der sich Zeit genommen hat, kommt er wieder, ist Patric Raeschke, Referent für Handel und Stadtmarketing bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz, überzeugt. Wobei der Verkäufer heute das Problem hat, dass viele Kunden durch Internetrecherchen über ihren Wunschartikel bestens informiert den Laden betreten, er selbst aber das gesamte Sortiment im Blick haben muss.

„Wenn ich schon in die Stadt gehe, in einen Fachmarkt, dann erwarte ich einen exzellent ausgebildeten Verkäufer“, betont Andreas Hesse. Ein Buchhändler etwa sollte möglichst viele der Bücher selbst gelesen haben, um seinem Kunden wirklich bei Empfehlungen eine Hilfe sein zu können.Neben der Fachberatung spielt aus Sicht der Experten auch der Grundservice eine Rolle – mit Kunden-WC, einem Angebot für Kinder und Aufenthaltsmöglichkeiten. „Das ist mehr als nur eine Zugabe, das ist wichtig“, betont Andreas Hesse. IHK-Experte Raeschke ergänzt: „Beim stationären Handel geht es um das Wohlfühlen.“

Was sich der Kunde dagegen von den Onlineaktivitäten des Fachhändlers erhofft, ist laut Hesse nicht so eindeutig. Sicherlich eine Basispräsenz im Netz – mit Infos zu Öffnungszeiten, Parkmöglichkeiten und dem Sortiment. Es muss aber nicht jeder Händler einen Internetshop betreiben. Dennoch: Hat er Dinge nicht vorrätig, erwartet der Kunde, dass er sie besorgt. Und dass er sie nach Hause nachliefert.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Wir haben Menschen in der Koblenzer Innenstadt gefragt, was ihnen wichtig ist. Ihre Antworten im Video.

In einigen Bereichen hat der Onlinehandel sogar da aufgeholt, wo eigentlich der stationäre Handel seine Pluspunkte hat. Stichwort Haptik: Das Anfassen und Ausprobieren eines Produkts ist vielen Kunden sehr wichtig. Mit Angeboten von virtueller und erweiterter Realität kommt man dem tatsächlichen Erleben des Produkts aber auch online immer näher, kann sich Kleidung auf den Körper projizieren, dem eigenen Foto Brillenmodelle ins Gesicht montieren und so „ausprobieren“.

An anderer Stelle treiben die Internetgrößen den stationären Handel vor sich her. Beispiel: Umtausch. Hat das der Fachhandel früher nur widerwillig oder gar nicht gemacht, kann sich das heute aus Hesses Sicht kein Unternehmen mehr erlauben – angesichts der Kulanz im Onlinehandel.

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Freundlichkeit und Beratung.
73%
11 Stimmen
Das Erscheinungsbild des Ladens.
0%
0 Stimmen
Das Sortiment deckt ein großes Angebot ab.
7%
1 Stimme
Zum Kundenwohl gehören eine Sitzecke zum Ausruhen und eine Kundentoilette.
20%
3 Stimmen

Und was ist mit dem viel beschworenen Erlebnis, zu dem der Einkauf in der „echten Welt“ werden soll? Für IHK-Experten Raeschke genau das, was der lokale Händler bieten muss. Aufenthaltsqualität muss die Innenstadt bieten, und das gelte auch für die einzelnen Geschäfte. Etwa die Kombination einer Buchhandlung mit einem Café, in dem man in aller Ruhe bei einer Tasse Kaffee in die neuesten Bestseller reinlesen kann.

Auch für Andreas Hesse ist das Erlebnis eine Riesenchance – aber auch ein Risiko. Zusätzliche Sinneseindrücke, ein guter Espresso zwischendurch, Aktionen, die besondere atmosphärische Erlebnisse bringen: Mit all dem kann der Handel punkten. Aber es gibt auch eine Kehrseite, zum Beispiel den Stau bei der Anfahrt, die Suche nach dem Parkplatz, Knöllchen, schlechtes Wetter, das Schleppen schwerer Einkäufe. „Das kann der Händler nur bedingt beeinflussen“, so Hesse. Er kann zum Beispiel für möglichst viele Parkplätze sorgen – zweifellos ein Trumpf der Geschäfte in der Mülheim-Kärlicher Industriestraße.

Von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider

Mehr als 2,2 Milliarden Euro Umsatz in Stadt und Kreis

Knapp 740 Millionen Euro an Kaufkraft, die für den Einzehandel relevant ist, standen in Koblenz 2016 nach Zahlen der Industrie- und Handelskammer zur Verfügung. Fast 1,1 Milliarden Euro wurden im Handel in der Stadt umgesetzt – gut 9700 Euro pro Kopf. Heißt: In das Oberzentrum Koblenz fließt massiv Kaufkraft auch von außerhalb.

Im Landkreis Mayen-Koblenz, der fast 100.000 Einwohner mehr zählt als die Stadt am Eck, ist es umgekehrt: Während die Kaufkraft bei knapp 1,4 Milliarden Euro lag, wurden tatsächlich 1,14 Milliarden Euro umgesetzt. Ingesamt ist zu beobachten: In den kleineren Städten wie Bendorf oder Boppard ist die Kaufkraft größer als der Umsatz. Heißt: Viele kaufen woanders ein. In den größeren Städten wie Andernach, Mayen, Lahnstein oder Neuwied, die zudem oft über ein größeres Handelsangebot verfügen, wandert zusätzliche Kaufkraft in die Stadt. Im Spezialfall Mülheim-Kärlich mit seiner Industriestraße steht einer Kaufkraft der knapp 11.000 Einwohner von 73 Millionen Euro ein Jahresumsatz von stolzen 490 Millionen Euro gegenüber. 

Koblenz
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