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Koblenz

Nach Verkauf: Koblenzer soll Kulturbrauerei werden – Arbeitsplätze werden erhalten

Reinhard Kallenbach

Auch wenn immer noch nicht klar ist, ob die Bundesgartenschau im Oberen Mittelrheintal 2029 oder 2031 stattfinden wird, beginnt sie bereits zu wirken. Denn die Buga war ein entscheidendes Argument dafür, warum Immobilienunternehmer Christian Seitz aus Schwangau im Allgäu im Süden der Stadt eingestiegen ist. Das Ziel: Die Koblenzer Brauerei soll sich in eine „Kulturbrauerei“ verwandeln.

Zeitenwende für die Koblenzer Bauerei? Der neue Eigner hat mit dem Traditionsbetrieb viel vor.
Reinhard Kallenbach

Seine wichtigste Botschaft gilt jedoch den 52 Mitarbeitern, deren Arbeitsplätze erhalten bleiben. Und nicht nur das. Durch eine Produktoffensive und Stärkung des Exports sollen zusätzliche Perspektiven geschaffen werden.

Die vergangenen Tage waren für die Belegschaft aufreibend. In Fachkreisen kursierten nicht immer erfreuliche Gerüchte. Deshalb ist man in Koblenz sensibel geworden – spätestens seitdem der frühere Eigner Karlsberg 2010 die Schließung vorbereitete. Dass es nicht so weit kam, ist den bisherigen Eigentümern Egon Heckmann und Hans-Achim Daschmann zu verdanken, die jetzt aber ihre Anteile aus Altersgründen eben an Christian Seitz und seine Geschäftspartner verkauft haben, die eine Doppelstrategie verfolgen.

Einerseits soll die Präsenz in der Region ausgebaut, andererseits die Exportmärkte stärker besetzt werden. Der Blick der neuen Eigner geht nach Asien. Hier feiert Christian Seitz mit dem Bier„Neuschwansteiner“ große Erfolge und hält zudem die Rechte an der Marke. Und dass der Unternehmer auch traditionsreiche Standorte entwickeln kann, hat er international bewiesen. Als mögliches Vorbild für sein Koblenzer Projekt sieht er die Schultheiss-Brauerei in Berlin, die heute auch eine „Erlebnisbrauerei“ ist.

Die rechtlichen Voraussetzungen für den Neuanfang im Stadtteil Stolzenfels wurden mit der neuen Koblenzer Brauerei Beteiligungs-GmbH bereits geschaffen. Da auch das große Brachgelände jenseits der Bahngleise entwickelt werden soll, wurde bereits eine Immobiliengesellschaft erworben. In beiden Fällen sind die Beteiligungsverhältnisse gleich. Die Seitz-Consulting mit Sitz in Sonthofen hält jeweils 74,9 Prozent, während der KGS Beratungs- und Beteiligungs-GmbH in München 25,1 Prozent gehören.

Im Gespräch mit unserer Zeitung stellt Christian Seitz klar, dass es darum geht, mit der notwendigen Ruhe ein Quartier mit Zukunft zu entwickeln, das ein neues, attraktives südliches Entree zur Stadt sein soll. Wie das Ganze aussehen wird, will er gemeinsam mit der Stadtverwaltung und den Gremien erarbeiten. Christian Seitz spricht von Nutzungsperspektiven mit einem zunächst offenen Konzept. Denkbar sind studentisches Wohnen, ein Areal für Gründer und Gewerbe oder Wohnraum im mittleren Segment.

Und das Freigelände soll zum neuen Entree für Koblenz gemacht werden.
Reinhard Kallenbach

Erste Gespräche im Amt für Stadtentwicklung und Bauordnung hat es bereits gegeben, es ist also alles offen. Klar ist nur, dass die Realisierung des Projekts langfristig ausgelegt ist. „Wir müssen noch dicke Brocken aus dem Weg räumen“, betont der 50-Jährige, der international aktiv ist, aber nach eigener Aussage bodenständig ist. Er ist seit 20 Jahren verheiratet und hat zwei Söhne. „Und ich wohne seit 28 Jahren im gleichen Haus“, ergänzt er.

Christian Seitz, der zu den erfolgreichsten Immobilienunternehmern in Deutschland gehört und entsprechend gut vernetzt ist, sagt das ganz bewusst. Sein Signal an Stadt und Region: Er denkt langfristig und strebt zudem eine langfristige Partnerschaft mit dem regionalen Handel an.

Ihm geht es jetzt vor allem darum, den Brauereibetrieb fit für die Zukunft zu machen und den Sanierungsstau in den Gebäuden zu beseitigen. In den kommenden 100 Tagen wird es jedoch zunächst darum gehen, den Ist-Bestand zu analysieren und ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Verantwortlich hierfür ist sein enger Vertrauter und Geschäftspartner Martin Wachter, Unternehmensberater in Hindelang.

Und was wird aus den bisherigen Geschäftsführern? Thomas Beer und Jörn Metzler werden mehr Verantwortung erhalten. Denn das Duo steht für die Produktinnovationen der vergangenen Jahre. „Es wäre grob fahrlässig, wenn man einen solchen reichen Erfahrungsschatz aufgeben würde“, sagt Christian Seitz, der auch schon mit vielen Mitarbeitern gesprochen habt. „Ihre Identifikation mit der Brauerei ist enorm hoch“, freut sich der neue Eigner.

Und sie bringen Produkte ein, die aus Sicht der „Neuen“ für die Märkte Asiens wie gemacht ist – zumal schon jetzt Erzeugnisse der Brauerei in alle Welt gehen. Für Christian Seitz ist der Standort deshalb ideal. „Ich habe eineinhalb Jahre gesucht, bis ich fündig wurde“, sagt er. Dieser Satz macht Hoffnung.

Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

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