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Cochem

Bienenstich eines Schülers mit erhitzter Gabel behandelt: Lehrer verurteilt

Ein Schüler wird während einer Klassenfahrt von einer Biene gestochen. Das kann mal passieren – doch was folgt, brachte zwei Lehrer aus Hessen nun vor Gericht. Erst erhitzten sie eine Gabel und drückten das heiße Metall auf die Wunde des Jungen. Später öffneten sie die resultierende Brandblase mit einem Skalpell. Eltern oder Ärzte informierten sie nicht. Der Junge erlitt eine Verbrennung zweiten Grades, hatte starke Schmerzen, musste wochenlang behandelt werden.

Weil ein Lehrer einen Insektenstich an der Hand eines Schüler mit einer erhitzten Gabel behandelt hatte, musste er sich vor Gericht rechtfertigen. Der Mann ist mittlerweile arbeitslos. Foto: Kevin Rühle

Die beiden Pädagogen (39 und 40) wurden vom Amtsgericht Cochem wegen gefährlicher Körperverletzung zu Geldstrafen verurteilt: 2700 Euro für den Lehrer, der die heiße Gabel auf den Stich drückte, 2500 Euro für die Lehrerin wegen Beihilfe.

Amtsrichter Gerald Michel betonte mehrmals, dass beide Lehrer dem Schüler auf der Klassenfahrt an die Mosel niemals Schaden zufügen, sondern ihm in bester Absicht helfen wollten: „Doch war es nicht der richtige Weg, selbst rumzudoktern.“ Was die unglücklichen Lehrer, die ihr Vorgehen und die Folgen sehr bedauern und sich bei dem Jungen und seinen Eltern entschuldigten, falsch gemacht haben, erläuterte der medizinische Sachverständige Prof. Thomas Riepert, Uni Mainz. Er stellte fest, dass die Haut des Schülers Verbrennungen zweiten Grades der Kategorie B erlitten hat. Der Junge musste lange Zeit einen Schutzhandschuh tragen und wird eine Narbe auf der Hand behalten.

Ein Schüler war von einer Biene gestochen worden.
dpa

Falsch sei es auch gewesen, die Brandblase mit einem kleinen Skalpell zu öffnen. Der Sachverständige betont, dass ein Arzt nur in Ausnahmefällen unter sterilen Bedingungen eine Brandblase öffnet. Die Entzündung, die sich auf der Hand entwickelt hat, sei durch die offene Wunde begünstigt worden. Fazit: Die Behandlung mit erhitztem Metall ist keine anerkannte Methode. Die Entzündung nach Öffnen der Brandblase hätte ein Arzt behandeln müssen.

Die Mutter, die den Jungen ahnungslos nach der Klassenfahrt am Bus abgeholt hatte, schilderte ihren Schreck beim Anblick der entzündeten Wunde. Der Kinderarzt, den sie noch am selben Tag aufsuchte, habe nur den Kopf geschüttelt und an eine Spezialklinik für Verbrennungen überwiesen. Gespräche mit der Schulleitung seien schwierig gewesen, sodass sie sich für eine Anzeige entschieden hatte. Dennoch wolle sie nicht, dass die Lehrer durch eine Verurteilung Nachteile erleiden. Die hat jedoch zumindest der reuige Lehrer. Er ist arbeitslos und hat keine Aussicht auf eine neue Stelle.

Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

So sind Schüler in Rheinland-Pfalz versichert

Alle Schüler in Rheinland-Pfalz sind über das Land bei der Unfallkasse mit Sitz in Andernach versichert. Geschieht auf dem Schulweg oder dem Pausenhof sowie bei Schulveranstaltungen ein Unfall, trägt die Unfallkasse die Kosten der Behandlung. Lehrkräfte unterliegen generell einer eingeschränkten Haftung.

Haben sie ihre Aufsichtspflicht eingehalten, aber ein Schüler kommt trotzdem zu Schaden, haben sie zivilrechtlich nichts zu befürchten. Wenn sie den Unfall allerdings wissentlich herbeigeführt haben, erlischt die Einschränkung. In einer Verwaltungsvorschrift des Landes steht dazu: „Mitschüler und Aufsichtführende haften der oder dem Geschädigten gegenüber nur bei vorsätzlichem Verhalten. Der Unfallversicherungsträger kann bei vorsätzlichem oder grob fahrlässigem Verhalten bei diesen Rückgriff nehmen.“ hoh
Cochem Zell
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