Anzeige

Aus unserem Archiv
Koblenz/Cochem

Camperin in Cochem sexuell missbraucht? Der angeklagte Matrose schweigt

David Ditzer

Weil er eine junge Niederländerin auf dem Campingplatz am Cochemer Moselufer überfallen, zusammengeschlagen und auf brutalste Art sexuell genötigt haben soll, muss sich ein 29 Jahre alter Matrose deutscher Herkunft seit Dienstag vor dem Landgericht in Koblenz verantworten. Nach Verlesung der Anklageschrift und einigen Angaben des Angeklagten zu seiner Vita wurde der Fortgang des Prozesses für nächsten Montag, 19. März, angesetzt. Das sexuell motivierte Gewaltverbrechen im September vergangenen Jahres hatte in Cochem und Umgebung Entsetzen und Bestürzung ausgelöst.

Ein Justizbeamter nimmt dem 29-jährigen Anklagten im Saal 136 des Landgerichts Koblenz die Handschellen ab. Dem Mann wird zur Last gelegt, im September vergangenen Jahres eine Camperin in Cochem brutal überfallen und sexuell genötigt zu haben.
Andreas Walz

In Handschellen führen Justizbeamte den Angeklagten, der seit dem Verbrechen, das er mutmaßlich begangen hat, in U-Haft sitzt, in den Saal 136 des Koblenzer Landgerichts. Als er im Begriff ist, zwischen seinen beiden Verteidigern – den Rechtsanwälten Stefan Schmidt und Mark Neugebauer – Platz zu nehmen, macht ihn ein Justizbeamter darauf aufmerksam, dass Pressevertreter anwesend sind und fotografieren. Sofort zieht der Angeklagte sich die Kapuze seiner dunkelblauen Jacke über den Kopf – noch in Handschellen, die ihm, nur Augenblicke später, abgenommen werden. Tief gesenkten Hauptes drückt der dunkelhaarige Mann sich in seinen Stuhl hinein.

Das Klackern einer Spiegelreflexkamera verklingt. Die Vorsitzende Richterin Anke Schenkelberg eröffnet die Verhandlung. Oberstaatsanwalt Sven von Soosten verliest die Anklageschrift, die es in sich hat: Zunächst soll der Matrose eines Personenschiffes am Dienstag, 19. September, vergangenen Jahres bis circa 24 Uhr mit zwei Männern eine Kneipe in der Cochemer Altstadt besucht haben.

Danach habe er sich entschlossen, „zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse eine Frau zu überfallen“, so Oberstaatsanwalt von Soosten. Dazu suchte er am frühen Mittwochmorgen, 20. September, den Campingplatz des Freizeitzentrums am Moselufer im Cochemer Stadtteil Cond auf. In der Nähe eines Sanitärgebäudes hielt er, so die Darstellung der Staatsanwaltschaft, nach einem geeigneten Opfer Ausschau. Er bewaffnete sich mit einem hölzernen Pfahl – angespitzt und mit circa acht Zentimeter Durchmesser –, den er kurz zuvor in der Nähe aus dem Boden gezogen hatte. Das spätere Opfer, eine Niederländerin, die mit ihrem Freund am Moselufer campte, ging von ihrer Parzelle in das Sanitärgebäude, um sich für die Nacht fertig zu machen. Wenig später soll der Angeklagte das Gebäude betreten und sein Opfer sogar noch freundlich gegrüßt haben. Der jungen Frau wurde allerdings übel, weshalb sie sich übergeben musste. In diesem Moment schlug der 29-Jährige „völlig unvermittelt“ mit dem Holzpfahl auf die Frau ein, so die Anklageschrift.

Der Sanitärbereich auf dem Cochemer Campingplatz.
Christoph Bröder

Er zerrte sie in eine Toilettenkabine und zwang sie unter der Androhung, sie zu töten, zu einschlägigen sexuellen Handlungen. Zum Geschlechtsverkehr kam es nicht, da der Freund des Opfers seiner Freundin zu Hilfe kam. Die Frau erlitt eine Platzwunde am Kopf und mehrere Knochenbrüche. Der Anklageschrift zufolge schlug der Freund des Opfers den Täter mit der Faust ins Gesicht – und in die Flucht. Auf dieser Flucht fassten inzwischen alarmierte Polizisten den Mann. Das Amtsgericht Koblenz stellte einen Haftbefehl aus.

Zu den Vorwürfen, die gegen ihn erhoben werden, äußert sich der Angeklagte im Gerichtssaal nicht. Gegenüber Richterin Schenkelberg macht er lediglich einige Angaben zu seiner Person: Der Mann, im Juli 1988 in Leipzig geboren, lebte nach der Wende zusammen mit Mutter und Geschwistern in Bayern.

Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung als Binnenschiffer. Vor einigen Jahren zog er nach Saarburg, wo er mit seiner Freundin lebte. Auf verschiedenen Personenschiffen leistete er Dienst, vorübergehend wohnte er in Cochem und zuletzt in einem Koblenzer Stadtteil. Mehrfach wurde der junge Mann beim Schwarzfahren erwischt. Die Amtsgerichte Saarburg und Cochem verurteilten ihn zu Geldstrafen. Eine Geldstrafe kassierte er auch im Januar 2011 wegen exhibitionistischer Handlungen. Eine Nachbarin hatte den Mann angezeigt, weil er sich am Fenster entblößt und vor ihr onaniert hatte.

So belegen es die Zentralregisterauszüge, die die Vorsitzende Richterin Schenkelberg vorträgt. Sie will den Angeklagten am ersten von elf angesetzten Verhandlungstagen auch zu seinem Alkohol- und Drogenkonsum befragen. Doch die Verteidiger entgegnen, ihr Mandant werde sich dazu erst einmal nicht äußern. Zudem fühlen sie sich von einem Fax mit neuen Ermittlungsergebnissen überrascht, das sie erst am vergangenen Freitag erhalten haben.

Der Prozess soll am Montag, 19. März, um 9 Uhr fortgesetzt werden.

Von unserem Redakteur David Ditzer

Bei einem Schuldspruch ist eine lange Haftstrafe zu erwarten

In diesem Sanitärgebäude am Cochemer Campingplatz soll ein junger Matrose eine Niederländerin im September 2017 brutal überfallen und sexuell genötigt haben. Der mutmaßliche Täter muss sich zurzeit am Koblenzer Landgericht für die Tat verantworten. Das Strafgesetzbuch sieht in Paragraf 177 (sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren vor.

In besonders schweren Fällen ist eine längere Haftstrafe möglich. Nun ist abzuwarten, wie das Landgericht Koblenz den vorliegenden Fall beurteilt.

Cochem Zell
Meistgelesene Artikel
Suche >