Anzeige

Aus unserem Archiv
Cochem-Zell

Eifelquerbahn: Es fährt kein Zug nach irgendwo


Thomas Brost 11.10.2017, 19:30 Uhr

Ist zwischen Kaisersesch, Ulmen und Gerolstein der letzte Zug für alle Zeiten abgefahren? Fast hat es den Anschein, obwohl jetzt zwei Landräte und fünf Bürgermeister einen Versuch gestartet haben, damit die Eifelquerbahn reaktiviert wird. In einer Resolution, die neben anderen Landrat Manfred Schnur sowie die Bürgermeister Alfred Steimers und Albert Jung unterschrieben haben, heißt es im Tenor: „Die vorhandene Schieneninfrastruktur darf keinesfalls dem Verfall überlassen werden.“ Die dreieinhalbseitige Erklärung haben sie kürzlich dem Staatssekretär Andy Becht ins Gepäck gegeben, der will das Ansinnen in Mainz prüfen lassen. Wie stehen die Chancen?

Bis vor fünf Jahren spülte der rote Schienenbus am Wochenende viele Fahrgäste nach Daun, Ulmen und Gerolstein.
privat

Beim Wort „Prüfung“ gehen bei den Eifelkommunen die Alarmsignale an. „Seit 2012 fährt keine Bahn mehr, wir wollen auf jeden Fall jetzt den Status quo verändern“, sagt Markus Schweisel, bei der Verbandsgemeinde Ulmen mit dem Thema betraut. Eine Bahnstrecke, auf der keine Bahn mehr fährt, sei schwerlich hinnehmbar.

Die Knackpunkte: 40 Millionen Euro müssen in die Hand genommen werden, um die Schieneninfrastruktur so weit zu päppeln, dass ein fahrplanmäßiger Schienenpersonennahverkehr zwischen Kaisersesch und Gerolstein sichergestellt wird. Ist das realistisch? Landräte und Bürgermeister halten dies in ihrer Resolution für „vergleichsweise günstig“ – als Vergleich stehen die 100 Millionen Euro für die Erschließung des Flugplatzes Hahn per Schiene und die 34 Millionen Euro an Landesmitteln für die Reaktivierung der S-Bahn-Strecke zwischen Zweibrücken und Homburg im Raum.

Auf jeden Fall wenden sich die kommunalen Verwaltungschefs dagegen, dass die Eifelschiene bloß für touristische Verkehre (Kostenpunkt: 24 Millionen Euro) ertüchtigt wird. Nach dem Plan aus Mainz sollen dabei 3,6 Millionen Euro aus kommunaler Kasse fließen. „Unser erklärtes Ziel ist die Reaktivierung der Bahnlinie, und das ist auch im Stadtrat so beschlossen worden“, sagt Ulmens Stadtbürgermeister Thomas Kerpen. Und Albert Jung erinnert daran, dass vor zehn Jahren gut 3 Millionen Euro in den Unterbau der Strecke gesteckt wurden. „Das ist ein Stück Infrastruktur, und jetzt soll das Land bitteschön erneut investieren“, verlangt der Bürgermeister der VG Kaisersesch. Es handele sich um eine wichtige Strecke, auch für Kommunen wie Laubach und Ulmen, die dann einen Anschluss ans Neuwieder Becken erhalten würden. Es sei, so Jung, für den ländlichen Raum enorm wichtig, dass man im Wortsinne nicht gegenüber den Städten abgehängt werde. Jung: „Wir werden immer weniger Bürger hier, und dafür werden wir von der Politik auch noch bestraft.“

Eine „wertvolle Verknüpfung“ zu den Städten Ulmen, Daun und Gerolstein stellt die Eifelschiene aus Sicht von Gerhard Weber dar. Der Kaisersescher Stadtchef hat Verwandte aus dem Ruhrgebiet, die gerne mit der Pellenzbahn aus Andernach anreisen – und die „die wunderbare Natur“ loben. Das ließe sich ausdehnen.

Drei-Phasen-Modell: In der kommunalen Arbeitsgruppe „Reaktivierung Eifelquerbahn“ ist ein Modell mit drei Stufen entwickelt worden. Stufe eins hat zum Ziel, die 15 Kilometer lange Strecke zwischen Kaisersesch und Ulmen instand zu setzen. In einem weiteren Abschnitt solle die Passage zwischen Ulmen und Daun ertüchtigt werden. Auch damit man ins Herzen des Naturparks und Unesco Global Geoparks Vulkaneifel sowie ins Gesundland reisen könne. Am kosten- und zeitaufwendigsten ist der Ausbau der Strecke zwischen Daun und Gerolstein. Zumal die Kylltalbrücke bei Pelm für Millionen erneuert werden muss. „Jedoch bietet eine Anbindung der westlichen Eifel mit der Eifelstrecke Trier–Köln an die Rheinschiene viel Fahrgastpotenzial.“

Plan B und C: Im Stadtrat Ulmen sind Alternativen beschlossen worden. Plan B sieht vor, die Strecke nach Kaisersesch bahntauglich zu machen, am besten im Rheinland-Pfalz-Takt. Und dann solle ein Radweg nach Daun gebaut werden. Für Tourismus und Gastronomie biete auch Plan C Chancen, sagt Thomas Kerpen. Der ist als Antrag von CDU und FWG Mohr im Stadtrat abgesegnet worden: Notfalls solle man analog zu anderen ehemaligen Bahnstrecken einen Radwanderweg in die Eifel hinein bauen. Auch sein Kollege Gerhard Weber findet Gefallen an dieser Idee. „Das wäre für die Bürger in der Eifel ein tolles Angebot, ein Radwanderweg für die Eifel touristisch noch attraktiver machen“, sagt der Stadtchef. Skepsis schwingt in den Worten mit, ob sich etwas bewegt. Weber: „Irgendwer muss jetzt mal entscheiden. Es kann nicht sein, dass wir jetzt jahrelang hängen gelassen werden.“

Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

10 Millionen Euro müssen jährlich aufgebracht werden

Mit etwa 10 Millionen Euro im Jahr wird die komplette Reaktivierung der Eifelquerbahn beziffert, 900.000 Fahrbahnkilometer sind angesetzt.

Hingewiesen wird in der Resolution auf die Möglichkeiten des Gütertransportes per Schiene. Auch könnten ökologisch orientierte Touristen im Gesundland Vulkaneifel besser angesprochen werden.

Der aktuelle Raumordnungsplan für die Region Trier sieht im Teilbereich Verkehr die Eifelquerbahn als festen Bestandteil der regionalen Grundversorgung. Der Eifelbereich werde in demografischer Sicht stark abschmelzen. Deswegen sei die Eifelschiene „von immens wichtiger Bedeutung“.

Cochem Zell
Meistgelesene Artikel
Suche >