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Koblenz

Gericht: Matrose hat "grausame Tat begangen"

David Ditzer

Wegen eines besonders schweren sexuellen Übergriffes auf eine Camperin in Cochem und gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Koblenz einen Matrosen (29) zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Anke Schenkelberg, Vorsitzende Richterin der 14. Strafkammer, sagte: „Die Kammer hat keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte diese grausame Tat begangen hat.“ Allerdings habe sie Zweifel daran, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig gewesen sei. In diesem Punkt widersprach das Gericht der Auffassung des psychiatrischen Sachverständigen, der im Prozess ausgesagt hatte.

Das Landgericht Koblenz hat einen Matrosen (29) wegen eines besonders schweren sexuellen Übergriffs und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Für das Gericht erwiesen: Er hat eine Camperin in Cochem brutal sexuell genötigt. Archivfoto: Walz

Kopfschüttelnd, sich phasenweise mit der linken Hand vor die Stirn tippend, quittiert der Angeklagte die Ausführungen der Richterin zum Tathergang. Wobei diese klarmacht: Was das Kerngeschehen der Gewalttat vom 20. September vergangenen Jahres betrifft, glaubt die Kammer den Aussagen der überfallenen Frau und ihres Lebensgefährten. Danach hat der Angeklagte eine Camperin in einer Toilettenanlage auf dem Campingplatz an der Cochemer Stadionstraße mit einem Holzpfahl zusammengeschlagen, sie an den Fußgelenken in eine Toilettenkabine geschleift, entkleidet und sie gezwungen, einschlägige sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen. Und er drohte ihr, sie umzubringen. Als der Lebensgefährte dem Opfer zu Hilfe kam, folgte ein Handgemenge. In dessen Verlauf schlug der Lebensgefährte den Angeklagten in die Flucht. Die Cochemer Polizei stellte diesen und nahm ihn in Gewahrsam.

Die Vorgeschichte der Tat geht unter anderem aus Zeugenaussagen, Handydaten vom Googlekonto des Angeklagten sowie einem Blutalkoholtest (zur Tatzeit circa 1,8 Promille) hervor: Am 19. September 2017 kam der Matrose mit einem Personenschiff nach Cochem, das in Cond anlegte. Zunächst ging die Crew samt Chef etwas essen, später tranken der Angeklagte und ein Kollege in einer Cochemer Altstadtkneipe noch etwas ohne Chef. In diese Kneipe kehrte der Angeklagte am späten Abend allein zurück, nachdem sein Arbeitskollege sich wieder in Richtung Schiff begeben hatte. Zweimal hob der Angeklagte Geld ab – unter anderem, um Drogen kaufen und eine mögliche Prostituierte zur Befriedung seines sexuellen Verlangens bezahlen zu können. Nach einer Prostituierten suchte er per Handy.

Beim zweiten Kneipenbesuch besorgte er sich von einem Gast Amphetamin, das er auf der Toilette nasal einnahm, kurz bevor die Kneipe schloss. Das Amphetamin entfaltete in Kombination mit dem Alkohol eine ungewöhnlich starke Wirkung. Deshalb rauchte der Matrose auf dem Rückweg, den Anleger seines Schiffes passierend, noch einen halben Joint mit Marihuana, um runterzukommen. Den Vorsatz, zu einem Date mit einer Prostituierten zu kommen, musste er aufgeben: Handyakku leer.

Auf dem Campingplatz kam es, da ist sich das Gericht gewiss, zu „der äußerst brutalen Tat“, die das Leben des Opfers „vollkommen umkrempelte und aus dem Ruder brachte“, so Richterin Schenkelberg. Als „wenig plausibel“ und weder mit Zeugenaussagen noch mit Blut- und DNA-Spuren vereinbar wertete die Kammer die Darstellung des Angeklagten zum Kerngeschehen: Er will dem Opfer zu Hilfe gekommen sein, einen dritten Mann, den eigentlichen Täter, in die Flucht geschlagen haben.

Aber: Das Opfer identifizierte den Angeklagten mehrfach zweifelsfrei als Täter. Dessen Lebensgefährte erkannte ihn ebenfalls, wenn auch weniger sicher. Für die Kammer spielte es in diesem Kontext auch keine Rolle, dass die Fotoidentifikation bei der Polizei nicht ordnungsgemäß gelaufen war. Die Beamten hatten dem Opfer und seinem Lebensgefährten nicht mehr die vorgeschriebene Mindestzahl an Verdächtigenfotos vorgelegt, nachdem beide den Angeklagten als Täter identifiziert hatten. Daraus folge aber „nicht per se“, dass die Fotoidentifikation nicht mehr als Beweis verwertet werden dürfe, so die Richterin. Dies liege im Ermessen des Gerichts. Mit dem Strafmaß blieb die Kammer klar unter dem Antrag des Oberstaatsanwalts Sven von Soosten (acht Jahre Freiheitsstrafe). Dies liegt vorrangig daran, dass „die Kammer von verminderter Schuldfähigkeit ausgeht“. Die Verteidigung hatte drei Jahre beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Binnen einer Woche könnte die Verteidigung Revision beantragen.

Von unserem Redakteur David Ditzer

Cochem Zell
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