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Cochem

Paket löst Polizeieinsatz in Cochem aus: Absenderin klärt Rätsel auf

David Ditzer

Unschöne Bescherung der potenziell gefährlichen Art: Wegen eines verdächtigen Päckchens, das an den Optiker-Fachbetrieb Müller verschickt wurde, ist der Cochemer Marktplatz am Nikolaustag für ein paar Stunden weiträumig gesperrt worden. Die Kriminalpolizei Mayen forderte Experten an, um sicherzugehen, dass von dem kleinen Paket keine Gefahr ausgeht. Dass es ungefährlich war, stellte sich bald heraus.

Den Cochemer Marktplatz hat die Polizei am Nikolaustag vorübergehend weiträumig abgesperrt. Grund ist ein verdächtiges Päckchen, das an das Brillen-Fachgschäft Müller versandt wurde. Glücklicherweise stellt sich recht bald heraus: Es handelt sich nicht um eine Paketbombe, wie sie ein DHL-Erpresser dieser Tage verschickt, sondern um eine Überraschungspräsent. Foto: Ditzer

Eine Polizeiabsperrung hält gegen Mittag Passanten von einem Bummel über den Platz im Herzen der Cochemer Altstadt ab. Die Szenerie, die sich dem Betrachter aus der Ferne bietet, hat – ausgerechnet am Nikolaustag – schon etwas Skurriles: Drei Frauen und zwei Männer – einer der Herren in Polizeiuniform – beugen sich über ein Päckchen, das verlassen auf einer Sitzschale am Markbrunnen liegt. Eine der Damen geht offenbar mit einem Scanner über den Pappkarton, der vom Umfang her aussieht, als wäre ein Duden oder ein Buch von ähnlicher Größe darin. Neben den Paketinspizienten von der Polizei leuchtet der große, mit roten Kugeln und goldenen Schleifen dekorierte Weihnachtsbaum, der den Marktplatz adventlich ziert. Zwei Polizeiwagen stehen in Verlängerung des Baumes.

Bekannt ist zu dem Zeitpunkt nur Folgendes: Manfred Müller, Seniorchef des Optikgeschäfts am Marktplatz, hat am Morgen einen seiner „qualifizierten Botengänge“ erledigt, wie er es augenzwinkernd beschreibt. Was er damit sagen will: Er hat in der Postfiliale an der Endertstraße ein Postfach geleert, an das Briefe und Päckchen geliefert werden, die den Betrieb erreichen sollen, den seine Tochter Dorothee Müller-Renn führt.

Unter den Sendungen ist das besagte Päckchen, das an einen Mitarbeiter adressiert ist und eine Aufschrift des Kontaktlinsenherstellers Johnson & Johnson trägt. Merkwürdig: „Auf dem Päckchen war kein Absender, und der entsprechende Mitarbeiter erwartete keine Lieferung.“ Ein Anruf beim Zulieferer bringt ebenfalls keine neuen Erkenntnisse. Man habe nichts verschickt. „Also habe ich die 110 gewählt“, erzählt Müller. In Zeiten, da ein Erpresser Paketbomben versendet und mehrere Millionen Euro vom Zulieferer DHL fordert, ist man schließlich sensibilisiert. Erst am Freitag vergangener Woche hatten Spezialisten der Polizei eine solche Bombe am Potsdamer Weihnachtsmarkt entschärft. Das explosive Paket war eine Apotheke dort adressiert gewesen.

Müller bringt das verdächtige Päckchen ins Freie. „Wenn es explodiert, dann doch lieber draußen und nicht im Betrieb“, konstatiert er gegenüber der RZ. Cochemer Polizisten sperren den Marktplatz mit Flatterband ab. Wenig später treffen Kripo-Mitarbeiter ein. Ein Polizist fordert Passanten in der Nähe der Absperrung auf, die Gefahrenzone zu verlassen. Die Mitarbeiter des städtischen Rathauses sind von der Polizei aufgefordert worden, in die vom Marktplatz entfernten Räume zu gehen. Auch die Angestellten des Brillengeschäfts müssen ihre Arbeitsplätze räumen.

Experten des Landeskriminalamts rücken an, um das Päckchen unter die Lupe zu nehmen. Doch ihre Spezialkompetenz wird schon bald nicht mehr benötigt. Durch die Marktplatzsperrung aufmerksam geworden, meldet sich die Absenderin des Päckchens. Auch der Adressat hatte inzwischen einen Verdacht, woher das Päckchen stammen könnte, sagt Dorothee Müller-Renn. Nachdem sich dieser Verdacht bestätigt, öffnet er die Sendung. Darin enthalten war ein Nikolauspräsent, mit dem die Absenderin den Mitarbeiter überraschen wollte. Die Überraschung ist gelungen. Außer der Polizei Cochem und der Kripo Mayen waren Helfer des DRK sowie das Entschärfungsteam im Einsatz. Der Nikolaustag hat rund um Cochems Marktplatz viel Aufregung gebracht. „Aber lieber einmal vorsichtig, als dass es anders läuft“, sagt Augenoptikmeisterin Müller-Renn zu Recht. Und auch Stadtbürgermeister Wolfgang Lambertz ist am Ende froh, dass der Polizeieinsatz ausgeht „wie das Hornberger Schießen“.

Von unserem Redakteur David Ditzer

Cochem Zell
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