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Neuwied

Gestank im Distelfeld: SGD will nochmal den Biofilter von Suez kontrollieren

Ulf Steffenfauseweh

Den Neuwieder Bürgern stinkt's. Seit Jahren schon, und äußerst verschärft in diesem Sommer, strömen modrig riechende Duftwolken aus dem Gewerbegebiet Distelfeld nach Block und Heddesdorf, teilweise in entferntere Stadtteile. Fast alle Betroffenen haben – wie vom verstorbenen Oberbürgermeister Nikolaus Roth im Januar 2017 auch öffentlich benannt – das Kompostwerk als Verursacher ausgemacht. Dessen Betreiberfirma Suez steht folglich im Zentrum der Kritik. Etliche Bürger sind aber mittlerweile fast genauso sauer auf die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Die Koblenzer Kontrollbehörde sei untätig, lasse die Menschen in Neuwied im Stich, finden viele. Nun meldet die sich selbst zu Wort – und behauptet das Gegenteil.

Die SGD Nord hat das Kompostwerk von Suez weiterhin nicht als Verursacher der Gerüche ausgemacht. Trotzdem will sie jetzt den Biofilter noch einmal überprüfen, weil „nicht völlig ausgeschlossen werden kann, dass möglicherweise Geruchsemissionen auf ihn zurückzuführen sind“. Archivfoto: Jörg Niebergall

„Seit Wochen führt die SGD Nord Geruchsermittlungen im Distelfeld durch“ ist die Pressemitteilung überschrieben. Im Text heißt es dann, dass die Behörde nach Beschwerden „unverzüglich tätig geworden“ ist. Bei „zahlreichen unangekündigten Ortsterminen“ sei sowohl Suez als auch das nahe gelegene Wohngebiet kontrolliert worden, schreibt Sprecherin Sandra Hansen-Spurzem.

Der Blick auf die Internetseite der SGD Nord zeigt, dass die Behörde in den vergangenen zehn Wochen 13-mal vor Ort war, zuletzt am 28. August. Gerüche hat sie dabei insgesamt fünf Mal ausgemacht. Das reicht offensichtlich nicht. „Im Ergebnis wurde festgestellt, dass die SGD Nord keine Geruchsbelästigungen feststellen konnte, die konkret der Firma Suez zugeordnet werden konnten“, heißt es in der Erklärung. Der reine Verdacht sei nicht ausreichend.

Trotzdem will sie jetzt den nach ihrer Aussage bereits mehrfach überprüften Biofilter einer „systematischen Untersuchung“ unterziehen und „die organische Belastung der Abluft mitmessen“. Denn auch wenn der genehmigungskonforme Betrieb der Anlage nachgewiesen worden sei, könne „nicht völlig ausgeschlossen werden, dass möglicherweise Geruchsemissionen auf ihn zurückzuführen sind“, schreibt die Behörde.

Aufgrund der Häufung der Beschwerden, habe die SGD auch eine „standardisierte Geruchsmessungen beauftragt“. Dazu seien unterschiedliche Gebiete in ein Raster aufgenommen worden. Die festgelegten Punkte würden regelmäßig zu unterschiedlichen Zeiten von qualifizierten Personen aufgesucht, um mögliche Gerüche festzustellen und zuordnen zu können. Damit erfüllt die Behörde eine der Forderungen, die Martin Hahn und Conrad Lunar in ihrer mittlerweile 1098-mal unterzeichneten Petition an das Umweltministerium erhoben hatten.

Als Reaktion will die SGD das aber wohl nicht gewertet wissen. Sie schreibt vielmehr, dass „die Unterschriftensammlung ohne Angabe des Stadtteils und der Tageszeit der Geruchswahrnehmung nicht mehr als eine Fleißarbeit“ sei. Und weiter: „Nachfragen zum Sachstand von Beteiligten und den Initiatoren einer Petition blieben bei der SGD Nord bis heute aus. Diese hätten ergeben können, dass die von einigen Politikern erhobenen Vorwürfe der Untätigkeit im Sinne einer ,Behördenlethargie‘ haltlos sind.“

In der Pressemitteilung weist die SGD auch noch einmal darauf hin, dass es im Gewerbegebiet zahlreiche weitere potenzielle Verursacher gebe. Emittenten könnten chemische Fabriken, Lackieranlagen, Lebensmittel- oder Abfallbetriebe, aber auch landwirtschaftliche Betriebe sein, schreibt sie. An anderer Stelle bringt die SGD auch noch einmal die Abfallanlagen des Kreises in der Nähe ins Spiel.

Das dürfte dann auch Thema des Gesprächs zwischen SGD-Leiter Dr. Ulrich Kleemann, Landrat Achim Hallerbach und OB Einig sein. Nachdem Kleemann das Treffen am Montag kurzfristig abgesagt hatte, ist nach RZ-Informationen jetzt ein Termin für den 25. September vereinbart worden.

Die komplette Pressemitteilung der SGD finden Sie unter www.ku-rz.de/sgdgestank

"Neuwieder Umweltschutz" hat Fragen an Kleemann

Beim CDU-Bürgerforum hatte Norbert Faltin eine Klage des „Neuwieder Umweltschutz“ gegen Suez in Aussicht gestellt. Wie er auf RZ-Nachfrage mitteilt, hat zwischenzeitlich eine Dringlichkeitssitzung des Vorstands stattgefunden. Dabei sei man übereingekommen, dass der Vorsitzende Hendrik Hoeber zunächst innerhalb der nächsten 14 Tage ein Schreiben mit zahlreichen Fragen an Dr.

Kleemann aufsetzen wird. Eine Klage, die nach zwischenzeitlicher Prüfung nicht der Verband, wohl aber drei rechtsschutzversicherte Einzelpersonen einreichen könnten, behalte man sich weiter vor. Faltin weist aber darauf hin, dass man bei den Auseinandersetzungen rund um das Biomasseheizkraftwerk viel Erfolg im Mediationsverfahren hatte. ulf
Neuwied Linz
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