++ 23:39 Druck auf Trump: CIA sieht Kronprinzen hinter Tod Khashoggis
Aus unserem Archiv
Montabaur

Einnahmen illegal aufgebessert: Junge Frau betrügt immer wieder im Internet

Zu einer Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten hat das Jugendschöffengericht Montabaur eine heute 20-Jährige verurteilt, die sich des gewerbsmäßigen Betrugs in 45 Fällen schuldig gemacht hat. Ihr wurde eine Bewährungschance eingeräumt. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Eine junge Frau, die wiederholt im Internet betrogen hat, stand jetzt in Montabaur vor Gericht.
Britta Pedersen, picture alliance / dpa

In Handschellen betrat die junge Frau, die bei ihren Eltern in der Verbandsgemeinde Wirges lebt, den Gerichtssaal. Sie war voll geständig, von September 2016 an immer wieder über das Internet unter falschen Personalien Sportschuhe, Konzertkarten und teure iPhones zum Kauf angeboten und verkauft zu haben, die sie gar nicht besaß. Die Angeklagte gab an, dieses zu Unrecht erworbene Geld, das aus dieser „Dauereinnahmequelle“ floss, benötigt zu haben, um ihre eigenen Schulden aus Onlinekäufen zu begleichen.

Dass diese Betrügereien – insgesamt entstand ein Gesamtschaden von rund 8400 Euro – für sie strafrechtliche Konsequenzen haben würden, soweit habe sie nie gedacht, bekannte die 20-Jährige. Von der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe wurde der jungen Frau, die nach ihrem Hauptschulabschluss keine Ausbildung begann, aber ein Praktikum absolvierte, eine deutliche Reife- und Entwicklungsverzögerung attestiert. Er habe den Eindruck, dass sie die Tragweite ihrer Taten nicht verstanden habe, erklärte ihr Verteidiger. Selbst, als im Sommer eine Hausdurchsuchung bei ihr stattfand, bei der nicht nur die Polizei, sondern auch die Staatsanwaltschaft vor Ort war, und diese ihr mögliche Konsequenzen ihres kriminellen Handelns verdeutlichten, hörte sie mit den Betrügereien nicht auf. Erst, als sie in U-Haft genommen wurde, hatte sie dazu keine Möglichkeit mehr, hielt ihr die Staatsanwaltschaft vor. Nur durch eine Jugendstrafe könne sie davon abgehalten werden, weitere Straftaten zu begehen. Denn sie habe sich völlig uneinsichtig gegenüber jeglicher Ansprache gezeigt und im Laufe der Zeit sogar ihre kriminelle Energie gesteigert. Die Staatsanwaltschaft forderte, die Betrügerin zu einer Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten zu verurteilen, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Seine Mandantin sei von einer unfassbaren Naivität gewesen, stellte der Verteidiger fest. Denn die Strafen beging die Heranwachsende auch unter Nutzung ihres eigenen Namens, und zudem verwendete sie ihre eigene Kontonummer. Sie sei nicht vorbestraft und geständig, und die fast zweimonatige Untersuchungshaft habe ihr einen eindrucksvollen Vorgeschmack darauf vermittelt, was passieren würde, wenn sie erneut straffällig würde. Er plädierte dafür, ihr eine Bewährungschance zu geben. Dafür sprach sich auch ein zweiter Verteidiger aus, der hervorhob, wie stümperhaft seine Mandantin vorgegangen sei. Die U-Haft sei für sei ein so einprägsames Erlebnis gewesen, dass nicht zu befürchten sei, dass sie erneut straffällig wird.

„Vielleicht haben Sie es ja verstanden, wohin Sie die nächsten Straftaten bringen – nämlich lange, lange in Haft“, redete Richter Dr. Orlik Frank der Frau bei seiner Urteilsverkündung ins Gewissen. „Haben wir uns da klar verstanden?“, hakte er nach. „Auf jeden Fall!“, erwiderte die 20-Jährige. Bewährungsauflage ist, dass sie 200 Sozialstunden zu leisten hat und Kontakt zu einer Schuldenberatung aufnehmen muss. Zwei Jahre steht sie zudem unter der Leitung eines Bewährungshelfers. Und: Sie hat für den entstandenen Schaden von rund 8400 Euro aufzukommen.

Von unserer Reporterin Angela Baumeier

Montabaur Hachenburg
Meistgelesene Artikel
Suche >