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Höhr-Grenzhausen

Schlimmer als erwartet: Einzelhändler bangen nach Brand um ihre Existenz

Martin Boldt

Mehrere Millimeter dick liegt der klebrige Ruß auf Schreibtischen, Fliesen, Verkaufsartikeln und Aktenordnern. Beißender Geruch von geschmolzenem Kunststoff hängt in der Luft. „Mehr als zwei, drei Minuten hält man es im Inneren nicht aus, dann beginnt man bereits mit dem Husten“, berichtet Thomas Kroeber mit sorgenvoller Stimme.

Das Geschäftshaus in der Rudolf-Diesel-Straße muss nach dem Brand vom Wochenende in Teilen abgebrochen werden. Foto: Martin Boldt

Wie gleich ein halbes Dutzend Betriebe ist auch sein Fachhandel „Zukunftlicht“ für Lampen und Leuchten durch den Brand in einem Geschäftshaus im Industriegebiet an der Rudolf-Diesel-Straße am vergangenen Samstag schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. „Wir müssen im Prinzip von einem Komplettverlust unserer Ware ausgehen. Das bekomme ich doch im Internet nicht mehr verkauft. Das ist existenzbedrohend“, bilanziert der 50-Jährige. Wie es für ihn und seine drei Mitarbeiter nun weitergehen soll, weiß er zum aktuellen Zeitpunkt nicht.

Auch in der angrenzenden NKD-Filiale und der benachbarten Spielothek ist an ein geregeltes Arbeiten derzeit nicht zu denken: Aus Sicherheitsgründen und bis zur Freigabe durch einen externen Elektriker hat der Energieversorger Mittelrhein den gesamten Komplex am Tag des Unglücks vom Stromnetz abgeklemmt.

Zur Ursache, warum und wieso sich das Feuer in einem rückwärtig gelegenen Lager mit Kopiergeräten entzünden konnte, kann die Kripo Montabaur auch drei Tage nach dem spektakulären Vorfall – insgesamt 150 Wehrleute waren im Kampf gegen die Flammen zum Einsatz gekommen – noch nichts Konkretes sagen: „Unsere Brandermittler, die am Montag vor Ort waren, kamen kaum voran, da die Feuerwehr weiterhin damit beschäftigt war, verbliebene Glutnester zu bekämpfen“, sagt Sprecher Patrick Böckling. Mit der Frage, ob es sich um einen technischen Defekt gehandelt habe oder ob womöglich bei der Brandentstehung von Menschenhand nachgeholfen wurde, werden sich am heutigen Mittwoch Experten des Landeskriminalamts beschäftigen.

raschen Eingreifens der Feuerwehr erheblicher Schaden im gesamten Innenbereich des rund 50 Meter langen Gebäudes entstehen konnte, habe vor allem an der offenen Dachkonstruktion gelegen, erklärt Kreisfeuerwehrinspekteur Axel Simonis. Brandhitze und Rauch hatten sich so nahezu ungehindert ausbreiten können. Nur durch das Herunterkühlen weiterer Gebäudeteile abseits des eigentlichen Brandherds mit Löschwasser habe die Statik der Immobilie gerettet werden können. Die Textilwaren in den Verkaufsräumen des NKD-Markts seien jetzt allerdings nur noch „ein Versicherungsfall“, so Simonis.

Stefan Becker, Eigentümer des Geschäftshauses für mehrere Parteien, steckt der Schreck vom Wochenende ebenfalls noch in den Knochen: „Meine erste Info am Samstag war noch, dass alles nicht so schlimm sei“, so der 45-jährige Dornburger, den die Ausmaße nach seiner Ankunft in der Kannenbäckerstadt dann doch überrascht haben. „Wir hoffen jetzt auf eine möglichst schnelle Freigabe durch Behörden und Versicherung, sodass wir schnellstmöglich mit der Renovierung und der Absicherung des Daches beginnen können“, so Becker.

Bis diese Arbeiten abgeschlossen sind, würde sich die Verbandsgemeinde bereit erklären, mit Ausweichquartieren für die betroffenen Einzelhändler auszuhelfen. Dieses Signal zumindest gab in einer ersten Reaktion Bürgermeister Thilo Becker.

Von unserem Reporter Martin Boldt

Montabaur Hachenburg
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