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Ransbach-Baumbach

Streit endet blutig: Mann bei Messerstecherei schwer verletzt

Stephanie Kühr

Ransbach-Baumbach Bei einer Messerstecherei ist am frühen Donnerstagmorgen gegen 4 Uhr im Industriegebiet Rohr in Ransbach-Baumbach ein 49-jähriger Lkw-Fahrer aus Russland schwer verletzt worden. Der Mann erlitt erhebliche Stichverletzungen und starke Blutungen. Er wurde mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.

Ein Blick auf den Tatort in der Sälzerstraße in Ransbach-Baumbach: Hier wurde am Donnerstagmorgen ein Lkw-Fahrer im Streit niedergestochen und schwer verletzt.
Stephanie Kühr

Dem Gewaltverbrechen war nach Informationen unserer Zeitung ein Streit über politische Themen mit einem ukrainischen Lkw-Fahrer, der seinen Sattelzug ebenfalls in der Nacht an der Sälzerstraße abgestellt hatte, vorangegangen. Beide Männer sollen zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt gegen den 50 Jahre alten Ukrainer wegen des Verdachts des versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Ihm wird zur Last gelegt, den 49-Jährigen nach einem Streit mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt zu haben, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. Lebensgefahr habe aber nicht bestanden, sagte Oberstaatsanwalt Harald Kruse. Der Beschuldigte wurde noch am Tatort von Beamten der Polizeiinspektion Montabaur vorläufig festgenommen und sollte der zuständigen Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Koblenz vorgeführt werden. Der Mann bestreitet indes die Tat.

Am Tatort sind die Ermittler im Einsatz. Der Verdächtige war zuvor festgenommen worden.
Sascha Ditscher

Über das mögliche Tatmotiv und die Tathintergründe liegen bislang „keine belastbaren Informationen vor“, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Im Zuge der Ermittlungen gelte es nun, die sichergestellten Gegenstände und Tatspuren auszuwerten und rechtsmedizinische Gutachten einzuholen. Das Opfer soll sich nach der Tat zu seinem Lkw begeben und noch wenige Meter gefahren sein, bevor er zusammenbrach und das Fahrzeug mitten auf der Fahrbahn stehen blieb, teilte Kruse mit. Der 49-jährige Russe soll nach Informationen unserer Zeitung inzwischen notoperiert worden sein. Über den Gesundheitszustand des Mannes liegen keine Informationen vor. Der Tatort in der Sälzerstraße war im Zuge der Ermittlungsarbeiten und der Spurensicherung bis etwa 14.15 Uhr für den Verkehr komplett gesperrt.

Unsere Zeitung hat mit einem Zeugen gesprochen, der unmittelbar nach der Messerstecherei zufällig vor Ort war. Den Aussagen zufolge hatten beide Lkw-Fahrer ihr Nachtquartier im Industriegebiet Rohr unmittelbar vor dem Verwaltungssitz der Firma Peter Gelhard Naturdärme aufgeschlagen. Dies sei normal, nachts und vor allem am Wochenende werde der Seitenstreifen der Sälzerstraße von schweren Lkw zugeparkt, da der Autohof in Mogendorf überfüllt sei. Der schwer verletzte russische Lkw-Fahrer habe seinen Sattelzug quer auf die Sälzerstraße gefahren, um auf sich aufmerksam zu machen, erzählt der Zeuge. Ein Autofahrer, der auf dem Weg von der Nachtschicht nach Hause war, hatte dies bemerkt und sofort die Polizei alarmiert. Als der Zeuge kurz vor 5 Uhr am Tatort eintraf, waren bereits mehrere Streifenwagen und ein Rettungswagen vor Ort: „Ich sah nur noch Blaulichter.“

Der Bereich der Sälzerstraße wurde für Ermittlungsarbeit und Spurensuche mehrere Stunden gesperrt.
Sascha Ditscher

Zwischen beiden Sattelzügen war eine große Blutlache, der verletzte russische Lkw-Fahrer saß am Steuer seines Lkw. Hierhin hatte er sich offenbar mit letzter Kraft geschleppt. „Der Mann war betrunken. Sein T-Shirt war ganz rot vor lauter Blut“, berichtete der Zeuge. Das Opfer sei aber ansprechbar gewesen. Nach Aussagen des russischen Fahrers soll es zwischen den beiden Lkw-Fahrern einen heftigen Streit über die politischen Verhältnisse zwischen Russland und der Ukraine gegeben haben. Der ukrainische Lkw-Fahrer wollte dies gegenüber den Beamten indes nicht bestätigen. Seine Version: Der Russe habe ihn nachts angesprochen und habe ihn gebeten, mit ihm über seine familiären Probleme zu sprechen. „Er war ganz ruhig und überhaupt nicht aufgeregt“, beschreibt der Zeuge den Tatverdächtigen.

Die beiden Lkw-Fahrer hatten offensichtlich zuvor gemeinsam gezecht und viel Alkohol getrunken. Von Sanitätern gestützt, sei der verletzte Russe schließlich zum Rettungswagen gebracht worden. „Er konnte noch ganz langsam gehen. Alles war voller Blut. Es war schrecklich“, schilderte der Zeuge. Die Polizeibeamten durchsuchten den Lkw des Russen und fanden schließlich im Seitenfach ein Messer, berichtete er. Sie nahmen den 50-jährigen Lkw-Fahrer als Tatverdächtigen vorläufig fest. „Nur in einer Unterhose wurde der Ukrainer in Handschellen abgeführt“, so der Zeuge.

Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

Montabaur Hachenburg
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