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Rheinland-Pfalz

Leistung erhalten: Auch die Solaranlage muss gewartet werden

Etwa 90.000 Fotovoltaik-Anlagen gibt es allein in Rheinland-Pfalz – rund 1,6 Millionen in ganz Deutschland. 40 Terawattstunden (TWh) Strom wurden 2017 von den Betreibern selbst genutzt oder in die Netze eingespeist. Die Anlagen müssen aber regelmäßig gewartet werden, damit sie ihre maximale Leistung erbringen und wirtschaftlich arbeiten. Doch was gehört dazu und was ist zu beachten? Ein Interview mit Martin Gött, Leiter Wartung & Service bei der Wi Solar GmbH (Kaisersesch), die sich zu den Marktführern in der Region zählt.

Solarzellen in einem Neubaugebiet: Damit sie zuverlässig funktionieren, müssen die Anlagen regelmäßig überprüft werden. Foto: Adobe Stock

Warum ist es wichtig, Fotovoltaik-Anlagen regelmäßig zu warten?

Wie bei allen komplexen technischen Anlagen kann es auch hier zu Störungen kommen. Ein Problem dabei ist, dass sich mit nachlassender Leistung die getätigte Investition in diese Technologie nicht mehr rechnet oder – im Fall des Eigenverbrauchs – die benötigten Strommengen nicht produziert werden. Ein anderer, oft unterschätzter Aspekt sind die Prüfpflichten: Der Betreiber ist verpflichtet, die Anlagensicherheit regelmäßig zu überprüfen.

Was passiert, wenn die Prüfpflichten nicht erfüllt werden?

Dann verliert der Betreiber seinen Versicherungsschutz und haftet persönlich, etwa für Schäden an Dritten. Hinzu kommt, dass in diesem Falle die Betreibererlaubnis und somit auch die Einspeisevergütung in Gefahr sind.

Für welche Anlagen ergeben welche Maßnahmen Sinn?

Für Privatpersonen und kleine gewerbliche Betriebe, die eine Anlage bis 30 kVA betreiben, reicht es, die Mindestanforderungen der Prüfpflichten nach den DIN-VDE- und VdS-Verordnungen zu erfüllen. Bei größeren gewerblichen Anlagen sind Verträge mit umfassender Betreuung und regelmäßiger Wartung zu empfehlen.

Ist die Reinigung der Module eine besonders wirksame und einfache Maßnahme, um die Leistungsfähigkeit der Anlage zu erhöhen?

Das trifft zu – wenn eine Verschmutzung der Module tatsächlich die Ursache für den Minderertrag ist. Wir haben es schon oft erlebt, dass ganz andere Faktoren eine Rolle gespielt haben, wenn eine Anlage ihre Leistung nicht mehr erbrachte. Oft ist einfach ein Baum zu groß geworden, der dann das Dach verschattet – oder es kommen Fehlfunktionen an einzelnen Komponenten vor. Aus diesem Grund ist vor der Reinigung stets ein Check-up vor Ort durch einen Experten zu empfehlen. Bei Anlagen mit gravierenden Mängeln, meist bei Anlagen, die über einen längeren Zeitraum nicht oder nicht ausreichend gewartet worden sind, ist das unabhängige Fachgutachten durch TÜV-geprüfte Gutachter sinnvoll.

Worum geht es bei dem Gutachten?

Dabei wird die Anlage „auf Herz und Nieren“, am besten von TÜV-zertifizierten Prüfern, durchgecheckt, die mit Blick auf das Ganze unter technischen wie betriebswirtschaftlichen Aspekten die passenden Maßnahmen vorschlagen.

Heißt das, es sollte vor jeder Reinigung auch ein Gutachten erstellt werden?

Jedenfalls dann, wenn die Anlage nicht durch einen umfassenden Wartungsvertrag regelmäßig überprüft wird. Die Reinigung an einer nicht gewarteten Photovoltaik-Anlage kann auch gefährlich werden. Fotovoltaik-Module arbeiten mit Spannungen bis zu 1000 Volt, was beim Arbeiten mit Wasser berücksichtige werden muss. Wenn die Anlage durch mangelnde Wartung schon zu einem Sanierungsfall geworden ist, wird es zudem deutlich teurer, als wenn Sie durch regelmäßige Check-ups und Reparaturen die Anlagenqualität erhalten.

Martin Gött

Wann lohnt sich die Reparatur?

Immer wenn der Jahresertrag nicht mehr erreicht wird, die Anlagensicherheit beeinträchtigt ist oder sich die Anlage insgesamt nicht rechnet, sind Reparatur oder Sanierung lohnende Maßnahmen. Auch bei großen betriebswirtschaftlichen und technischen Defiziten können alte Anlagen wieder auf das maximale Effizienz-Niveau gebracht werden.

Welche Mängel sind häufig?

Die meisten Fehler treten bei der Datenkommunikation auf, das heißt Daten werden nicht richtig gemessen, abgelesen oder übermittelt. Doch das hat nur in 10 Prozent der Fälle wirklich gravierende Folgen. Problematischer sind Fehlfunktionen beim Wechselrichter, also bei der Umwandlung der Sonnenenergie in verwertbaren Strom, oder bei den Modulen, die, wenn sie beeinträchtigt sind, nicht genug Energie aufnehmen können. Darüber hinaus kann es am Verteiler, Trafo oder den Schutzeinrichtungen und weiteren technischen Einrichtungen liegen.

Was bedeutet das für die Wirtschaftlichkeit der Anlage?

Wenn die Anlage einen Teil ihrer Leistungskraft verliert, gerät die gesamte Wirtschaftlichkeitsberechnung in eine Schieflage. Ihre Minderleistung wirkt sich ungünstig auf die Gesamtinvestition, die Einspeisevergütung, Bedarfsdeckung und auch auf den ökologischen Effekt aus, da zum Beispiel mehr Atom- oder Kohlestrom hinzugekauft werden muss.

Wie kann man kostengünstig die Funktionalität der Anlage sicherstellen?

Das kommt auf die Anlage an. Bei eher kleinen oder privaten Anlagen kann man natürlich regelmäßige Check-ups als Einzelleistung beauftragen. Sinnvoller ist es aber immer, einen Wartungsvertrag über die Laufzeit der Anlage abzuschließen – und diese Kosten von vornherein in die Wirtschaftlichkeitsberechnung einzupreisen, ebenso eine Rücklage für größere Reparaturen.

Worauf ist bei der Beauftragung einer Fotovoltaik-Firma zu achten?

Die Unternehmen sollten über eine breite Expertise verfügen, von betriebswirtschaftlicher Fachkenntnis bis zu umfassendem technischen Know-how in den Bereichen Planung, Montage und Elektrotechnik. Entscheidend ist auch eine sehr gute Branchenkenntnis. Man muss wissen, wie die Branche funktioniert, um vorausschauend im Sinne des Betreibers agieren zu können.

Was sollte man bei der Anschaffung einer Solaranlage beachten?

Neben der Auswahl von Qualitätsprodukten sollte immer eine realistische Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgenommen werden. Und realistisch heißt, dass man auch die Fehlfunktionen, Ausfallzeiten oder mögliche Zusatzkosten so einkalkuliert, dass sich die Investition in eine Solaranlage am Ende auf jeden Fall gelohnt hat.

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