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Koblenz

Mit dem Hackathon Digitalisierung einfach machen: Warum wir mehr Sensoren brauchen

Markus Eschenauer

Das Netzwerk ist bereits im Vorfeld eingerichtet worden, die Sensoren liegen bereit, die Teilnehmer sind hoch motiviert und haben kreative Ideen: perfekte Voraussetzungen für den bundesweit ersten Hackathon Handwerk, der nun Technikfans und Digitalisierungsfreunde aus verschiedenen Branchen in Koblenz zusammenführte.

Wirtschaftsinformatiker Patrick Nitschke (vorn links), Doktorand an der Universität Koblenz sowie Teil des Teams vom Enterprise of Things Lab, und Christoph Krause vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk stimmen die Teilnehmer des Hackathons auf die Projektarbeit ein.
Markus Eschenauer

Das Ergebnis gibt den Machern recht. Denn die Prototypen, die gemeinsam während der zwei Tage und der Nacht dazwischen erdacht, umgesetzt und präsentiert wurden, zeigen eindrucksvoll, wie die digitale Zukunft im Handwerk aussehen kann – und dass die Akteure sich den Herausforderungen zu stellen wissen. Ein Beispiel ist ein intelligentes Gerüst, das Daten zur Druckbelastung und Temperatur mitteilt und damit für mehr Sicherheit sorgen kann.

Aber von vorn. Mehr als 20 Interessierte haben sich in den Räumen der Handwerkskammer (HwK) im Koblenzer Industriegebiet zusammengefunden. Da ist beispielsweise Julian aus Köln, der Mitbegründer einer Möbelvermietung ist. Daniel arbeitet bei einem Holzbauunternehmen. Die Kombination von 3 D-Druck und nachwachsenden Rohstoffen ist eines seiner Themen. Michael ist Dachdeckermeister aus der Nähe von Mainz. Der 52-Jährige erachtet es als notwendig, sich mit allem zu beschäftigen, was das Handwerk und speziell seine Branche voranbringt. Monja und Sebastian betreiben einen Onlinefachhandel für Farben mit Sitz in Rhens. An neuen Entwicklungen sind die beiden immer interessiert.

Eine bunt gemischte Schar an Teilnehmern, die doch alle ein gemeinsames Ziel haben: Konzepte für die digitale Welt zu entwickeln. Wie kann sich das Handwerk verstärkt Technik zunutze machen? Wie kann durch den Einbau von Sensoren der Service für den Kunden verbessert werden und dadurch ein Mehrwert entstehen? Wie können Prozesse vereinfacht werden? Das sind nur drei Fragen, die sich das Handwerk stellen muss, und beim Hackathon ging es jetzt darum, Antworten darauf zu finden. Sehr praxisnah waren sodann auch die vorgebrachten Ideen:

Eine Wand, bei der Sensoren – etwa nach einem Wasserschaden – den Grad der Feuchtigkeit überwachen. Das System teilt dann genau mit, wann daran weitergearbeitet werden kann. Unnötige Wege und Überprüfungen könnten auf diese Art eingespart werden. Für mit intelligentem Tracking, also GPS-Überwachung, ausgerüstete Mietwerkzeuge lässt sich einfach der effizienteste Weg zum nächsten Kunden berechnen. Wartungsoptimierung, automatisierte Maschinen oder Flottenmanagement waren weitere Ansätze, die die Teilnehmer vortrugen. „Daraus kann sicherlich der eine oder andere Prototyp erstellt werden“, zeigt sich Christoph Krause, Leiter des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk für Prozessdigitalisierung, nach der Vorstellung sicher.

Das theoretische Fundament für die Umsetzung vermittelt Patrick Nitschke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Enterprise of Things Lab an der Universität Koblenz, in mehreren Workshops. Im Schnelldurchlauf erklärt der Wirtschafts- und Verwaltungsinformatiker die aktuellen Mega-Trends des digitalen Wandels, zu denen unter anderem das „Internet der Dinge“ zählt. Er verdeutlicht damit zusammenhängende Veränderungen in der digitalen Kommunikation und die Chancen, die sich aus der Analyse und Verwertung von Daten für das Handwerk ergeben. Das könne dabei helfen, Entscheidungen für die Arbeitsabläufe zu treffen, erklärt der 29-Jährige. Wann wird ein Auftrag abgeschlossen sein? Wann kann ein Holz in die Verarbeitung gehen?

Die Tatsache, dass der erste Hackathon Handwerk mit zahlreichen interessierten und engagierten Akteuren stattfindet, wertet Nitschke als wichtigen Schritt, Menschen mit ganz spezifischem Wissen und Prozessen der Digitalisierung zusammenzubringen. Denn klar ist für den Doktoranden: Es bedarf künftig auch im Handwerk einer höheren Medienkompetenz.

An Offenheit für Neues mangelt es den Teilnehmer des Hackathons Handwerk nicht. Gemeinsam arbeiten sie in Teams bis spät in die Nacht, bauen Sensoren ein, drucken mit dem 3 D-Drucker Cases dafür aus, programmieren und passen Software an. Am Mittag des zweiten Tages wurden dann die Ergebnisse präsentiert – und die hatten es wirklich in sich. Eine Gruppe entwickelte einen Schweißhelm, der mit der Werkstatt gekoppelt ist. Dies soll die Arbeitsbedingungen verbessern, indem etwa automatisch das Licht gedimmt wird. Ein anderes Team arbeitete daran, beim Schleifen und Polieren den Druck auf die Maschinen anzuzeigen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Bei all der Kreativität und dem Einsatz fällt das Fazit von Christoph Krause entsprechend positiv aus: „Ich bin echt überrascht, wie ihr mitgemacht und Gas gegeben habt. Und es wird mit Sicherheit einen nächsten Hackathon geben“, lobt Krause die Teilnehmer. „Ohne Euch wäre der ganze Hackathon nur Luft.“

Von unserem Redakteur Markus Eschenauer

Was ist ein Hackathon?

Bei einem Hackathon geht es nicht um Sicherheitssysteme, sondern darum, Geschäftsmodelle zu hacken. Die Idee für den Hackathon Handwerk entstand bei der Ideenschmiede Barcamp 2017.

Projektpartner sind das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk, die Handwerkskammer Koblenz sowie das EoTLab der Uni Koblenz.

Da das Interesse an der ersten Veranstaltung dieser Art groß war, wird sie auf Facebook gestreamt.

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