Anzeige

Aus unserem Archiv
Rheinland-Pfalz

Fasten für die Seele oder fürs Klima: Wie die Kirchen im Land die Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern gestalten

Besinnung nach dem ausgelassenen Fastnachtstrubel: Mit vielfältigen Vorsätzen gehen Christen in Rheinland-Pfalz am Aschermittwoch in die Fastenzeit.

Eine Zeit der Besinnung und des Verzichts: Am Mittwoch beginnt die Fastenzeit. Für die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostersamstag gibt es in Rheinland-Pfalz eine Fülle von Angeboten.
dpa

„Für mich gibt das Kirchenjahr die ganze Bandbreite des menschlichen Lebens wieder, zwischen Freude und Trauer“, sagt der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. „Ich kann die Freude nur feiern, wenn ich den Blick auf die ernsten Zeiten in mir trage, auch das Leid anschaue.“

Umfrage
Wollen Sie bis Ostern fasten?

Nach Karneval beginnt für viele Menschen die Fastenzeit. Wollen auch Sie bis Ostern bewusst auf Süßigkeiten, Alkohol, Zigaretten, Fleisch oder etwas anderes verzichten?

Ja! Es geht um Besinnung und Selbstbeherrschung!
28%
76 Stimmen
Nein! Darauf habe ich keine Lust!
72%
196 Stimmen

Die Vorsätze und Aktionen zur Fastenzeit sind weit gespannt: Mal geht es mehr um körperliche Gesundheit, mal um spirituelle Einkehr oder auch um ökologische Impulse. So laden die Bistümer Trier und Mainz zusammen mit den Evangelischen Kirchen im Rheinland und in Hessen-Nassau sowie weiteren Organisationen zum „Autofasten“ein. Das kann bedeuten, komplett aufs Auto zu verzichten und auf das Fahrrad umzusteigen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder häufiger mal Bus und Bahn zu nutzen. Ziel ist es, einen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen zu leisten, aber auch neue Begegnungen und Kommunikation zu erfahren. Die Fastenaktion der evangelischen Kirche, „7 Wochen Ohne“, will dazu ermutigen, Konsum und Lebensstil zu überdenken oder den Alltag zumindest auf Zeit anders zu gestalten als sonst: „Wir brechen mit Gewohnheiten, selbstverständlichen Gesten des Alltags, machen etwas anders als sonst und bringen damit, leise und ohne ruckartige Bewegungen, gewohnte Ordnungen durcheinander.“

In dieses Konzept passt auch das sogenannte Klimafasten, zu dem die evangelische Kirche im Rheinland zusammen mit acht weiteren evangelischen Landeskirchen und dem katholischen Bistum Hildesheim aufruft. Die Aktion steht unter dem biblischen Leitsatz „So viel du brauchst“. In einer Fastenbroschüre ermuntern die Kirchen zum Beispiel zum Trinken von Leitungswasser oder zum Kochen mit Resten. Wer ein Zeichen für einen schöpfungsgemäßen Lebensstil setzen wolle, könne auch die Zimmertemperatur um ein Grad absenken, die Wäsche mit 30 statt 40 Grad waschen oder den Kuchenteig von Hand rühren. Dabei geht es nicht nur um das Energiesparen. Während des Klimafastens könne jeder erleben, wie wohltuend ein einfacher Lebensstil sein kann, meinen die beteiligten Kirchen.

Der evangelische Dekan der Stadt Mainz, Andreas Klodt, sieht in Einschnitten im Jahreslauf, zu denen auch die Fastenzeit gehört, eine wichtige Hilfe: „Wir Menschen können nicht leben, ohne dass es geprägte Zeiten gibt.“ Die Passionszeit vor Ostern sei „eine Zeit der Reflexion vor Gott“, sagt Klodt. Dazu gehöre auch, sich neu der persönlichen Haltung im Alltag und in der Gesellschaft zu vergewissern. Die in Mainz gelebte protestantische Frömmigkeit sei von Freiheit gekennzeichnet, sagt Klodt und wies auf die Gründung der evangelischen Kirche in Mainz 1802 im Geist der Aufklärung hin. Den Fragen nach Macht und Ohnmacht, Milde und Verzeihen will Klodt in einem Operngottesdienst am 4. März nachgehen, wenn seine Predigt von Sängern des Mainzer Staatstheaters mit Arien aus der Mozart-Oper „La Clemenza di Tito“ umrahmt wird.

Während es dabei eher um geistigen Input geht, steht beim Fastenwandern zunächst die körperliche Reinigung im Mittelpunkt. Nicht sportliche Höchstleistung oder Selbstquälerei, sondern „ein großartiger Gesundbrunnen für unseren Körper, für unsere Sinne und für unser Gemüt“ – so versprechen es etwa die Fastenwanderungen von Christoph Michl in Kaiserslautern, die ab März an die Ostsee, in den Spreewald oder auch in die Eifel und ins Ahrtal führen. „Wir geben spirituelle Impulse wie Meditationen“, erklärte eine Sprecherin. „In den Gesprächen der Mitwanderer kann sich dann alles weiter entwickeln.“

Aschermittwoch und Fastenzeit

Mit dem Aschermittwoch am 14. Februar beginnt die 40 Tage währende Fasten- oder Passionszeit. Evangelische und katholische Christen bereiten sich von diesem Tag an auf das Osterfest vor.

In Erinnerung an Jesus, der einer biblischen Erzählung zufolge 40 Tage fastend in der Wüste verbrachte, nutzen viele Christen diese Zeit zur inneren Einkehr und verzichten auf Fleisch, Alkohol oder Schokolade. Bereits im Alten Testament ist das Fasten als Gestus der Buße bekannt, und die frühen Christen behielten es bei. Die Bezeichnung „Aschermittwoch“ geht auf den altkirchlichen Brauch des Ascheritus zurück, der etwa aus Gallien überliefert ist. Zu Beginn der Fastenzeit wurden Büßer symbolisch aus dem Paradies vertrieben. Dass sie dabei mit Asche bestreut wurden, zeigte ihre Buße an. Als der Anfang der Fastenzeit schließlich auf den Mittwoch vor dem 1. Fastensonntag verlegt wurde, wurde der Ascheritus fortan an diesem Tag praktiziert. 

Fastenbräuche sind in vielen Weltreligionen bekannt, aber es gibt Unterschiede. Der Islam beispielsweise sieht das Fasten während des Ramadans zwischen Sonnenaufgang und -untergang für den Großteil der Gläubigen vor. Der Buddhismus kennt vor allem für Mönche und Nonnen strenge Vorgaben. Viele von ihnen fasten täglich, indem sie nur eine Mahlzeit zu sich nehmen.

Rheinland-Pfalz
Meistgelesene Artikel
Suche >