++ 20:58 Nahles nennt Kompromiss zu Maaßen „gutes Signal“
Aus unserem Archiv
Koblenz/Windhagen

Antrag abgelehnt – SV Windhagen will weiter gegen Abstieg kämpfen

Der Spielausschuss des Fußballverbands Rheinland (FVR) ist hart geblieben und hat dem SV Windhagen die Rückkehr in die Rheinlandliga durch die Hintertür verwehrt. Es bleibt beim Abstieg des Drittletzten der vergangenen Rheinlandligasaison in die Bezirksliga Ost. Die Windhagener haben nun eine Woche Zeit, um direkt beim Verbandspräsidium Beschwerde gegen den einstimmigen Beschluss des Spielausschusses einzulegen.

Noch weiß der prominenteste Neuzugang des SV Windhagen, Ex-Profi Johannes Rahn (rechts im Testspiel gegen den VfB Linz), nicht, in welcher Liga sein Team in der kommenden Saison antritt. Foto: Creativ/Heinz-Werner Lamberz

Das werden sie wohl auch tun, wie der SVW-Vorsitzende Josef Konrads auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Kurz vor dem offiziellen Ende der vergangenen Spielzeit, am 26. Juni, hatte Konrads mit einem Schreiben an die FVR-Geschäftsstelle um die Wiederaufnahme in die Rheinlandliga gebeten, falls dort durch den zu erwartenden Rückzug der TuS Koblenz ein freier Platz entstehe. Die Koblenzer teilten aber erst am 3. Juli mündlich und am 6. Juli schriftlich mit, dass ihre zweite Mannschaft nicht in der Rheinlandliga mitspielen wird. Dadurch wird TuS Koblenz II gemäß der Spielordnung mit null Punkten ans Tabellenende gesetzt und steht als erster Absteiger fest, die Rheinlandliga spielt nur mit 17 Teams.

Konrads ist sich sicher, dass die Verantwortlichen der insolventen TuS Koblenz schon vor dem 1. Juli beschlossen hatten, ihre zweite Mannschaft nicht antreten zu lassen. Nach seiner Meinung ließ die TuS den Termin des Spielzeitendes bewusst verstreichen, weil ein Rückzug nach dem 1. Juli für die darauf folgende Saison einen Platz in der Bezirksliga garantiert. Bei einem früheren Rückzug hätte die TuS II ganz unten neu anfangen müssen. „Ich halte das für eine große Sauerei“, schimpft Konrads und zeigt sich vom Urteilsspruch des Verbandsspielausschusses „zutiefst enttäuscht“. Über mehrere Tage hatten die Windhagener den Verband mit etlichen Schreiben bombardiert, in denen sie ihre Argumente auch juristisch untermauerten und erweiterten. „Davon steht nichts in der Begründung“, stellt Konrads jetzt ernüchtert fest.

Dort heißt es nur staubtrocken: „Ihr Antrag stützt sich auf die Voraussetzung, dass sich vor Ablauf des 30.6. (...) ein freier Platz in der Rheinlandliga ergeben wird, welcher zunächst die Zahl der Absteiger (...) verringert.“ Der Ausschuss habe aber festgestellt, „dass mit Ablauf des 30. 6. 2018 keine Mannschaft aus der Rheinlandliga für die Saison 2018/2019 abgemeldet wurde. Somit entfällt die Möglichkeit des § 4 Nr. 1 d) der Spielordnung.“ Eigentlich ist es der § 7, der Auf- und Abstieg regelt.

Mit juristischer Hilfe wollen die Windhagener nun weiter um einen Platz in der Rheinlandliga kämpfen. Man darf wohl damit rechnen, dass das FVR-Präsidium nach Eingang der Beschwerde zügig zusammentritt und zu einer Entscheidung kommt, denn die Saison der Rheinlandliga beginnt ja bereits in zweieinhalb Wochen.

Aber wie wird das Präsidium entscheiden? Vieles deutet darauf hin, dass sich die Experten im FVR nicht einig sind in der Bewertung der „Causa Windhagen“, auch wenn die Spielordnung eindeutig scheint. Für den Spagat zwischen Paragrafentreue und unbürokratischer Vereinsnähe kursieren verschiedene Argumentationen. Zum einen hört man, die TuS II habe vor dem 30. Juni gar nicht abgemeldet werden können, weil vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens an eben diesem Tag gar niemand entscheidungsbefugt gewesen sei. So könne man den TuS-Rückzug sozusagen sinngemäß vordatieren.

SVW-Vorsitzender Josef Konrads verweist auf ein Schreiben der TuS, das am 30. Juni an den Fußballverband gegangen sei und Einzelheiten zur Insolvenz enthalten habe, unter anderem einen Kostenplan. Aus dem hätte hervorgehen müssen, dass der Verein nicht mit einer zweiten Mannschaft plant, sodass der Verband also faktisch vor dem 1. Juli von der Abmeldung gewusst habe.

FVR-Präsident Walter Desch und seine zehn Präsidiumskollegen, darunter Spielausschuss-Vorsitzender Bernd Schneider und Rechtswart Norbert Weise, sind nicht zu beneiden. Lassen sie den SVW aus der Rheinlandliga absteigen, was ja sportlich okay wäre, wird man ihnen Bürokratenkälte vorwerfen. Bleiben die Windhagener „gnadenhalber“ drin in der 6. Liga, wird es heißen, der Verband missachte seine eigene Spielordnung. Stefan Kieffer

Fußball-Rheinlandliga
Meistgelesene Artikel
Suche >