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Bad Kreuznach

Bundes-Aus: Wie hart trifft das die Stützpunkte im Kanuslalom und Trampolinturnen?

Christoph Erbelding

Walter Senft will noch nicht daran glauben. An diesen „Kahlschlag“, wie er ihn nennt. Der Sportwart des KSV Bad Kreuznach, einer von drei Vereinen, die die Nahestadt zu einer Kanuslalommetropole machen, ist fassungslos. „Mit normalem Menschenverstand ist das nicht mehr zu erklären“, hadert er.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Trampolinturnerin Silva Müller (links) und Steffen Eislöffel, Cheftrainer am Bad Kreuznacher Stützpunkt. Foto: Klaus Castor

Für Senft fühlt sich der Entschluss des Bundesministeriums des Innern (BMI) wie ein Schlag ins Gesicht an. Das BMI hat entschieden, dem Zentrum der Slalomkanuten im Salinental den Status als Bundesstützpunkt zu entziehen. Und damit nicht genug: Auch die Trampolinturner in der ehemaligen Kaserne Rose Barracks verlieren ihren Status als Bundesstützpunkt. Beide Sportarten können somit ab dem 1. Januar 2019 nicht mehr mit Fördermitteln des Bundes planen.

Eine Pressemitteilung der Stadt Bad Kreuznach hatte die Entscheidung des BMI öffentlich gemacht. Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer hatte darin ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht. Die Stadt, die Verbände der beiden Sportarten, der Deutsche Olympische Sportbund, der Landessportbund, das Innenministerium des Landes: All diese Stellen haben versucht, das BMI davon zu überzeugen, dass die Stützpunkte ihren Status nicht verlieren dürfen. Senft: „Deswegen ist die Entscheidung für mich auch nicht nachvollziehbar.“ Er fürchtet, dass durch den Verlust der Fördergelder Investitionen, die am Salinenwehr getätigt werden sollten, nun nicht mehr möglich sind. Derzeit decken die Bundesmittel den Arbeitsplatz des Cheftrainers am Kanustützpunkt, Florian Schlegel, finanziell zur Hälfte ab. Die andere Hälfte steuert das Land bei. Zudem werden laufende Betriebskosten bei den Kanuten und den Trampolinturnern durch den Bund finanziert. Warum verlieren die Stützpunkte ihren Status? Das BMI organisiert im Zuge der Spitzensportreform seine Zuwendungen neu. Offenbar sieht das BMI von Bad Kreuznach nicht genügend Potenzial ausgehen. Die Kanuten standen schon länger zur Debatte. Senft macht das rasend: „Wir feiern Erfolge auf allen Ebenen.“ Jüngstes Beispiel: Die Team-Bronzemedaille des Duos Maxi Dilli und Joshua Dietz bei der Junioren-WM in Ivrea. Unterstützung erhält er von Steffen Oberst, Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland Pfalz/Saar mit Sitz in Bad Kreuznach, der betont: „Wir werden weiter kämpfen. Die Verantwortlichen in den Vereinen machen einen hervorragenden Job.“

Verwundert reagiert das rheinland-pfälzische Innenministerium auf die Entscheidung seitens des Bundes. „Dass mitten im Olympiazyklus über Bundesstützpunkte entschieden wird, das gab es bisher noch nie. Wir werden uns das gemeinsam mit dem Landessportbund genau anschauen und entsprechend intervenieren. Beim Stützpunkt der Trampolinturner liegen uns bereits aktuelle Informationen vor, die hierfür gute Ansatzpunkte bieten. Auch beim Kanusport sind wir mit dem Landessportbund in Gesprächen, um entsprechend aktiv zu werden“, heißt es in einer Stellungnahme.

Die Bad Kreuznacher Trampolinturner, die in Kyrylo Sonn derzeit die deutsche Nummer eins in ihrem Sport stellen, schätzen die Lage realistisch ein. „Das BMI hat so entschieden. Wir müssen damit umgehen“, sagt Steffen Eislöffel, der Cheftrainer am Stützpunkt. Auf seine Sportart bezogen, glaubt Eislöffel, dass sich der finanzielle Schaden in Grenzen halten könnte: „Wir sind zu einem großen Teil, ich schätze zu 80 Prozent, durch andere Fördermittel finanziert. Der Abrisshammer war da. Aber er hat nur das Dach abgerissen und das Haus stehen gelassen.“

Von unserem Redakteur Christoph Erbelding

Kommentar: Ein Tiefschlag für die "Sportstadt"

Darf man noch Sportstadt Bad Kreuznach sagen? Diese Frage stellte Markus Schlosser, der Sportdezernent der Stadt, vergangene Woche am Rande des Stadionfestes der SG Eintracht.

Es gibt Menschen, die winken seit Jahren verächtlich ab, wenn sie an der Nahe den Begriff „Sportstadt“ hören. Sie dürfen sich nach der Entscheidung des Bundesministeriums des Innern, den Stützpunkten im Kanuslalom und Trampolinturnen ihren Bundesstatus zu entziehen, mehr denn je in ihrer ablehnenden Haltung bestätigt fühlen.

Darf man es also noch sagen? Sportstadt? Leise sicherlich, es gibt schließlich noch ein gewisses Angebot. Aber nur auf den Breitensport bezogen. Der Spitzensport hingegen hat mit dieser Entscheidung einen Tiefschlag erlitten, von dem er sich nur erholen wird, wenn die Stadt bereit ist, ihm mehr denn je unter der Arme zu greifen.

E-Mail an den Autor: christoph.erbelding@rhein-zeitung.net

Regionalsport extra (E)
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