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Bockenau

Die wundersame Auferstehung des TSV Bockenau

Christoph Erbelding

Eigentlich sollte es nur ein Spaß sein. Unter dem Punkt „Diverses“ hatte Andreas Klosheim, der Vorsitzende der „Baggewackeler Bockenau“, bei der Generalversammlung des Fastnachtsvereins die Gründung einer Fußballabteilung in die Tagesordnung aufgenommen. Viele Lacher erntete er dafür. Als die Gespräche allerdings intensiver wurden, insbesondere im Anschluss an die Sitzung, „da wurde aus Spaß plötzlich ernst“, wie Klosheim betont. Das Ergebnis ist dieser Tage auf dem Bockenauer Sportplatz zu sehen. Dort hat erstmals seit 25 Jahren eine Aktivenmannschaft des TSV Bockenau die Vorbereitung aufgenommen. Der TSV kehrt somit zurück auf die Fußballbühne im Kreis. Er wird in der Spielzeit 2018/19 in der C-Klasse Nahe 1 an den Start gehen.

Los geht's: Projektleiter Andreas Klosheim (von links) sowie die Trainer Michael Geib und Sascha Küstner begrüßen die Spieler des TSV Bockenau vor der ersten Trainingseinheit in dieser Vorbereitung. Der TSV kehrt nach 25 Jahren Abwesenheit mit einem Team in den Spielbetrieb zurück. Foto: Klaus Castor

Es ist schon eine wundersame Auferstehung, die sich da beim TSV vollzieht. Viele Faktoren haben eine Rolle dafür gespielt, dass es in Zeiten von Abmeldungen und Neugründungen von Spielgemeinschaften ein kleiner Verein geschafft hat, wieder eine eigenständige Mannschaft zu melden. Und das erstmals seit der Saison 1992/93, als die Bockenauer letztmals aktiv waren, in der C-Klasse Bad Kreuznach Mitte Vorletzter wurden und sich anschließend zurückzogen.

Der Fußball im TSV-Aktivenbereich lag seitdem brach, wenngleich es immer wieder Bemühungen gab, daran etwas zu ändern. Niemand wüsste das besser als Andreas Klosheim, schließlich war es unter anderem sein Vater Peter, der die ersten Versuche diesbezüglich unternahm. „Es scheiterte jedoch immer an irgendwelchen Dingen“, erinnert sich Andreas Klosheim, für den der jetzt initiierte Neustart auch eine persönliche Bedeutung hat: Er vollendet das Werk seines verstorbenen Vaters.

Das gelingt, weil die Fastnachter der „Baggewackeler“ es geschafft haben, binnen kurzer Zeit ein Netzwerk an Fußballern zusammenzustellen, die für den TSV auflaufen wollen. „Alleine am Abend der Versammlung hatten wir schon 20 Zusagen. Am nächsten Tag hatten wir dann 29 Spieler“, erläutert Klosheim. Sie hatten eine Nacht über ihre im ersten Moment verrückt anmutende Idee geschlafen. „Wir haben uns noch mal geschüttelt, dann waren wir uns sicher, dass wir das durchziehen“, betont Klosheim. Also wurde der nächste Schritte unternommen und Kontakt mit dem Bockenauer Ortsbürgermeister Jürgen Klotz und mit den Verantwortlichen des TSV Bockenau aufgenommen. Der TSV um den Vorsitzenden Volker Schöffling verfügt über eine Fußballabteilung, deren Leitung Rolf Stangenberg innehat und die bis zuletzt ohne Fußball im Aktivenbereich auskam. „Unser Ziel war es von Anfang an, dieses Projekt gemeinsam mit dem TSV an den Start zu bringen“, sagt Klosheim. Der Fastnachter spricht auffallend oft von einem „Projekt“, nennt sich selbst auch „Projektleiter“ und weiß, dass es nicht damit getan sein wird, einen Stamm an Spielern zusammenzutrommeln und dann auf einen reibungslosen Ablauf zu hoffen. „Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig“, untermauert Klosheim. Von dieser Einstellung überzeugten er und seine Mitstreiter auch den Chef des Fußballkreises: Kreisvorsitzender Thomas Dubravsky hob den Daumen, nachdem ihm die Pläne der TSV-Wiederauferstehung vorgestellt worden waren. Er ermöglichte den Einstieg der Bockenauer in den Spielbetrieb noch in dieser Saison, obwohl die Ligeneinteilung eigentlich schon abgeschlossen war. Damit war der Weg für das TSV-Comeback frei. Erstmals in einem Pflichtspiel auf dem Platz stehen werden die Bockenauer am Mittwoch, 1. August, um 19 Uhr im Kreispokal gegen Bavaria Ebernburg (B-Klasse Nahe 2).

Als chancenloser Außenseiter dürfte der TSV nicht in die Partie gehen. Potenzial ist vorhanden, dafür sorgen alleine die drei erfahrenen Spielertrainer Michael Geib, Sebastian Weyl (beide zuletzt SG Weinsheim) und Sascha Küstner (TuS Meddersheim). „Man muss die ersten Spiele abwarten, aber ich denke, dass wir in der C-Klasse eine Rolle spielen können“, sagt Klosheim. Der Kader verfüge über eine gesunde Struktur. Klosheim: „Der jüngste Spieler ist 17 Jahre jung. Sechs Akteure liegen zwischen 19 und 25 Jahren. Der Rest pendelt sich zwischen 26 und 33 ein. Dazu kommen noch ein paar Ausreißer nach oben wie Hans-Jürgen Messer mit 59 Jahren oder ich mit 45 Jahren. Wobei ich mich nicht auf dem Platz sehe, wenn wir genug Leute beisammen haben.“

Sollte das Projekt kurzfristigen Erfolg haben, werden langfristige Ziele angegangen. Von einem Kunstrasen anstelle des Hartplatzes träumen sie in Bockenau, auch eine Zusammenarbeit mit dem großen Nachbarn SV Winterbach, zu dem der TSV ein gutes Verhältnis pflegt, ist auf Sicht denkbar. Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt gilt es, einen zunächst spaßig gemeinten Vorschlag der Fastnachter weiter mit Ernsthaftigkeit zu füllen.

Von unserem Redakteur Christoph Erbelding

Fußball-C-Klassen (E)
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