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Meisenheim/Kielce

Meisenheimer Tim Ganz: Die Champions League war ein Riesenflash

Christoph Erbelding

Vor einigen Jahren betrat der Meisenheimer Tim Ganz bei einem Heimspiel der Rhein-Neckar-Löwen als Einlaufkind das Feld. Das tat er an der Seite des damaligen Torhüters der Mannheimer, Slawomir Szmal. Ein ganz großes Erlebnis war das für den heute 20-Jährigen, schließlich zählt Szmal seit Jahren zu stärksten Handball-Torhütern überhaupt. Nun trafen sich die beiden in der Champions League wieder – Szmal als Keeper des polnischen Serienmeisters KS Kielce, Ganz als Akteur der Löwen. Und auch dieses Ereignis wird der Meisenheimer in besonderer Erinnerung behalten.

Oft blieb den Rhein-Neckar-Löwen um Tim Ganz (rechts) im Champions-League-Spiel bei KS Kielce nur das Nachsehen. In dieser Szene muss der ehemalige Spieler des SSV Meisenheim mit ansehen, wie Julen Aguinagalde versucht, den nächsten Treffer für die Polen zu erzielen. Foto: Imago

Für Tim Ganz war das Spiel in der Champions League, das er mit den Rhein-Neckar-Löwen in Kiel bestreiten durfte, der bisherige Karrierehöhepunkt. Normalerweise spielt Ganz für die Rhein-Neckar-Löwen II in der Dritten Liga. Terminstreitigkeiten hatten jedoch dafür gesorgt, dass die Mannheimer zwei Spiele an einem Tag zu bestreiten hatten. Sie waren in der Bundesliga beim THW Kiel und zwei Stunden zuvor in eben jener Partie in der Champions League in Kielce gefordert. In Kiel gingen die Profis ans Werk. Deswegen schlug in Polen die Stunde der Reserve. Deswegen durfte Ganz sein Profidebüt feiern, Königsklassen-Luft schnuppern. Er stellte fest, dass ein rauer Wind weht, wenn es gegen den Champions-League-Sieger von 2016 geht. Am Ende kassierten die Löwen eine 17:41-Niederlage.

Wie hat Tim Ganz, der einst beim SSV Meisenheim spielte und über die Station HSG Rhein-Nahe in Bingen den Weg zu den Löwen gefunden hat, die Partie in Kielce empfunden? „Das war ein Riesenflash. Angefangen hat alles mit dem Hinflug von Frankfurt aus und der Übernachtung im Hotel. Beim Ankommen in der Halle hat man dann direkt die besondere Stimmung gespürt und die vielen Sky-Kameras wahrgenommen. Ich muss sagen, dass ich noch nie so nervös vor einem Spiel war wie vor dieser Partie“, erläutert der Meisenheimer. Erst mit Beginn der Partie legte sich die Anspannung. Das bewies Ganz denn auch aus sieben Metern. Viermal trat er gegen Szmal zu Strafwürfen an – alle vier Versuche landeten im Tor. Er erzielte dabei sogar das erste Tor der Löwen überhaupt. Nur einen Siebenmeter vergab er. Da stand allerdings Milosz Walach in der Kiste.

Die deutliche Niederlage war für die Löwen erwartungsgemäß nicht zu verhindern. „Kielce war uns körperlich haushoch überlegen“, gibt Ganz zu: „Ich selbst war mit 20 Jahren der zweitälteste Spieler auf dem Platz.“ Knapp 15 Minuten lang hatten die Mannheimer mithalten können, danach setzten sich die Gastgeber ab. „Es wäre überragend gewesen, wenn wir mehr als 20 Tore geworfen und weniger als 40 gefangen hätten. Wir haben aber für unsere Leistung keine Kritik erhalten“, verrät Ganz. Der Ärger der Löwen bezog sich einzig auf den Terminzwist mit den Verbänden, der einen Doppelspieltag überhaupt erst herbeigeführt hatte. Dass die Profis der Löwen letztlich mit 22:27 in Kiel unterlagen, drückte zusätzlich auf die Stimmung. Ganz: „Wir konnten die zweite Hälfte des Spiels in Kiel sehen und habe mitbekommen, dass es nicht so gut läuft. Die Rhein-Neckar-Löwen standen dann natürlich erst mal wie die Dummen da, aber das ist mittlerweile schon wieder abgehakt. Für die Profis steht das nächste Spiel in Hüttenberg an, und wir müssen mit der Reserve nach Ostern beim TuS Dansenberg ran.“

Bis dahin verbringt Ganz ein paar Tage im Skiurlaub. Ob er sich dabei auch Gedanken um seine sportliche Zukunft macht? Ganz: „Viel mehr, als mal in der Champions League zu spielen, kann man ja fast gar nicht erreichen. Mein Ziel ist es, mein Spiel weiter zu verbessern. Aber klar ist es auch das Ziel eines jeden Spielers, voranzukommen.“ Es können ja auch erst einmal ein paar kleine Schritte sein. So wie damals als Einlaufkind.

Von unserem Redakteur Christoph Erbelding

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