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Koblenz

Nach TuS-Entlassung: Petrik Sander im RZ-Interview

Stefan Kieffer

Seine Entlassung nach den beiden Auftaktniederlagen im neuen Jahr nahm TuS-Trainer Petrik Sander ziemlich gelassen hin. „Ich habe in Koblenz eine schöne Zeit gehabt und viele interessante Menschen kennengelernt“, sagte der 57-Jährige im exklusiven Interview mit der Rhein-Zeitung.

Skeptisch blickte TuS-Trainer Petrik Sander zuletzt in eine ungewisse Zukunft des Koblenzer Traditionsvereins. Jetzt ist seine Entlassung beschlossene Sache. Foto: Thomas Frey

Herr Sander, wie hat die Mannschaft Ihren Abschied aufgenommen?

Ich habe in viele traurige Gesichter gesehen. Wir hatten die Chance, es besser zu machen. Über die Gründe, warum es nicht geklappt hat, will ich öffentlich nicht sprechen.

Vor der Winterpause sah es doch gar nicht so schlecht aus. Was ist in der spielfreien Zeit passiert?

Wir hatten eine relativ kurze Vorbereitung und konnten uns nicht so verstärken, wie es möglich gewesen wäre, weil wir erst sehr spät grünes Licht für Neuverpflichtungen bekommen haben. Da waren die meisten Spieler, mit denen wir gesprochen hatten, schon anderweitig gebunden.

Nach den knappen Niederlagen in der Hinrunde wirkten die beiden Klatschen zum Neustart erschreckend. Woher der Leistungsabfall?

Es stimmt, die Mannschaft hat ihren Anspruch in keiner Weise auf den Rasen bekommen. Das gilt für jeden Einzelnen. Als wir die ersten Tore leichtfertig hergeschenkt hatten und mehr Risiko gehen mussten, sind unsere defensiven Schwächen extrem zutage getreten. Gegen die Frankfurter Konter sind uns auch unsere Schnelligkeitsnachteile auf die Füße gefallen.

Warum haben gerade die erfahrenen Spieler ihre Leistung nicht gebracht?

Fakt ist, dass unsere zentrale Achse nicht funktioniert hat. Torwart Paucken wollte es besonders gut machen und patzte prompt, Marx leidet seit Monaten unter Problemen mit der Patellasehne und hatte vor allem mit sich selbst tun, für Stahl wird es schwierig, wenn die Räume im Mittelfeld größer werden. Glockner bekam keinen Einfluss aufs Spiel, und seine ruhenden Bälle, mit deren Hilfe wir uns in der vergangenen Saison so oft aus dem Schlamassel gezogen haben, klappen auch nicht mehr. Und Lukas Hombach hat nach seinen drei Toren in Mainz nicht nachlegen können. Allerdings haben wir es auch verpasst, ihn entsprechend ins Spiel zu bringen.

Haben Sie sich selbst auch Fehler vorzuwerfen?

Ich kann nur sagen, dass unser gesamtes Trainerteam nach bestem Wissen und Gewissen alles getan hat, um das Beste für die TuS herauszuholen. Leider hatten wir mit vielen Dingen zu tun, die wir nicht beeinflussen konnten. Ich will mich nicht von der Verantwortung freisprechen, aber mit den entsprechenden Möglichkeiten hätte ich vieles anders machen können.

Wie sehen Sie die Zukunft der TuS?

Das ist jetzt nicht meine Aufgabe, darüber nachzudenken. Ich blicke auf eine schöne und erfolgreiche Zeit zurück und wünsche der TuS nur das Beste.

Und Ihre eigene Zukunft?

Machen Sie sich darüber mal keine Gedanken. Ich freue mich darauf, nach Hause zu kommen und nicht gleich am nächsten Morgen wieder los zu müssen.

Das Gespräch führte Stefan Kieffer

TuS-Trainer-Entlassung: Zeit für einen Systemwechsel

Das „System Sander“ ist gescheitert. Drei Jahre, nachdem der alte, neue Trainer bei seiner Rückkehr nach Koblenz wie ein Messias empfangen wurde, muss Petrik Sander gehen. Sein Abschied bietet der TuS Koblenz die Gelegenheit, eine neue sportliche Ausrichtung zu finden.

RZ-Sportredakteur Stefan Kieffer zur Trainerentlassung bei der TuS

Sanders Plan war einfach, aber anspruchsvoll: Mit jungen und ehrgeizigen Talenten aus der gesamten Republik, die von einem Aufstieg oder einer Rückkehr ins „richtige“ Profigeschäft träumten, dazu einigen erfahrenen Eckpfeilern, wollte der Coach unter professionellen Trainingsbedingungen wirtschaftliche Nachteile gegenüber der Konkurrenz ausgleichen. Das funktionierte vor allem in der vergangenen Saison prächtig, als Sander eine gute Mischung fand. Die Reduzierung des Etats vor der neuen Spielzeit brachte sein Konzept ins Wanken; für so kleines Geld waren wirkungsvolle Verstärkungen offenbar nicht mehr zu haben. 

Ignorierte Sander heimische Talente?

Und als die Erfolge ausblieben, sah sich der Trainer zunehmend dem Vorwurf ausgesetzt, die heimischen Talente zu ignorieren. Sander fand kaum Spieler aus der Region, die seinen Ansprüchen genügten; das lässt sich leicht kritisieren, aber er war nun mal der Trainer und mit der entsprechenden Machtfülle ausgestattet. 

Sein Nachfolger wird anders vorgehen müssen. Ob als Ober- oder vielleicht doch noch einmal als Regionalligist – die TuS wird kleine Brötchen backen müssen. Spannende Frage: Wie würde die TuS mit Spielern wie Masala, Fritsch, Jusufi, Hillen, Sauerborn, Naric, Arndt – die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen – funktionieren?

E-Mail an Autor: stefan.kieffer@rhein-zeitung.net

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