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Meddersheim

Nachruf auf Herbert Schönheim: Kult-Schiri trug Herz auf der Zunge

Es ist einige Jahre her, da staunten zwei Zuschauer Bauklötze. Auf dem Weg zu einem der Fußballplätze im Kreis entdeckten sie in der vordersten Parkplatzreihe ein Auto mit dem Farbton Hellelfenbein. „Lassen sich die Zuschauer nun schon mit dem Taxi zu den Spielen bringen?“, fragte einer der beiden. Dann zog das Duo verdutzt weiter.

Der Meddersheimer Herbert Schönheim (links) war meist der bekannteste Akteur auf dem Feld, wenn er bei einem Fußballspiel im Kreis als Schiedsrichter die Leitung einer Begegnung übernahm. Archivfoto: Klaus Castor

Es müssen Gelegenheits-Fußballfans gewesen sein, die sich in diesem Moment über den Standort des Berufsfahrzeuges wunderten. Denn dem geneigten Anhänger des runden Leders an der Nahe war immer klar, was es bedeutete, wenn ein Taxi vor einem der Sportplätze in der Region Halt gemacht hatte: Herbert Schönheim war schon da. Der Kult-Schiedsrichter aus Meddersheim, der entweder selbst mit der Pfeife im Einsatz oder als begeisterter Zuschauer zugegen war. Schönheim ist am 9. Mai im Alter von 69 Jahren nach kurzer und schwerer Krankheit verstorben.

Ob Schiedsrichter oder Zuschauer: In beiden Fällen konnten Spieler und Zuschauer Spaß mit Schönheim haben. Der Mann mit der Löwenmähne auf dem Kopf hatte immer einen guten Spruch auf Lager, leitete die Spiele mit dem Herzen auf der Zunge und verfolgte sie als Fan ebenso enthusiastisch. Schönheim war ein Paradiesvogel, ein Mann, dessen äußeres Erscheinungsbild ihn zum regionalen Kult-Referee werden ließ, ein Vertreter seiner Zunft, dem es ein Anliegen war, zu kommunizieren. Das war auch in seinem Beruf kein Nachteil. Als Taxiunternehmer nahm er ab dem Jahr 1978 vom Bad Sobernheimer Bahnhof aus den Weg zu seinen Kunden auf. Runde 400.000 Kilometer legte er in der Spitze mit seinen Fahrzeugen pro Jahr zurück. An den Wochenenden machte er dann Halt an den Sportplätzen.

Freilich waren auch die Auseinandersetzungen der Fußballer mit Schönheim legendär, beispielsweise im Jahr 2006 beim Kickers-Turnier in der Konrad-Frey-Halle, als gleich eine ganze Spielerarmada des Kreuznacher FC Schönheim nach einer strittigen Entscheidung umlagerte, der Unparteiische mit Roten Karten um sich warf und anschließend betonte: „Das war wie im Wilden Westen.“ Womit er sich nicht auf seine Platzverweise bezog, sondern auf der Verhalten der Bad Kreuznacher, die sich mit etwas Abstand wieder beruhigten.

So ging es vielen, die mit Schönheim stritten. Denn nahezu jeder, der mit Schönheim auf dem Fußballplatz aneinandergeriet, wusste, dass Typen wie der Meddersheimer im Nahe-Fußball eine Seltenheit geworden sind. Und das finden die meisten dann auch wieder irgendwie schade. Christoph Erbelding

Fußball-Bezirksliga Nahe
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