Anzeige

Aus unserem Archiv
Bad Kreuznach

Reintjes hat bereits vier Weltmeister bezwungen

Olaf Paare

Der Deutsche Meister im 9-Ball, einer Spielart des Poolbillards, wohnt, lebt und trainiert in Bad Kreuznach. Christoph Reintjes heißt er und feierte beim Sergio-Pelegrini-Gedächtnisturnier des VfF Bad Kreuznach den erwarteten Heimsieg. Er bestritt das Doppelturnier mit seinem Trainingspartner Sandro Cecchetti.

Augen auf die Kugeln gerichtet, das Queue angesetzt: Der Bad Kreuznacher Christoph Reintjes zeigt beim Sergio-Pelegrini-Gedächtnisturnier des VfF sein Können und siegt mit Sandro Cecchetti. Foto: Klaus Castor

Seit acht Jahren ist der aus dem bayerischen Burghausen stammende Reintjes an der Nahe zu Hause – die Liebe zu seiner Frau hat ihn nach Bad Kreuznach geführt. Seit zwei Jahren trainiert Reintjes auch im VfF-Vereinsheim in der Bosenheimer Straße. „Die Bedingungen sind sehr gut, die Tische gerade neu bezogen, die Menschen sehr nett. Es macht einfach Spaß beim VfF“, sagt Reintjes. „Als er das erste Mal bei uns war, sind uns allen die Kinnladen heruntergeklappt. Es war Wahnsinn, ihn spielen und trainieren zu sehen. In unserer Randsportart ist Christoph eine echte Größe“, berichtet Cecchetti. Seit seinem Einstieg beim VfF hat sich eine Art Trainings- und Fangruppe gebildet. „Wir bauen ihm im Training die Kugeln auf, helfen, wo wir nur können. Aber wir profitieren natürlich auch von ihm. Solch ein toller Spieler spornt alle an“, sagt Cecchetti, der Reintjes gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern auch zu Turnieren begleitet und dort unterstützt.

Die Fangruppe war natürlich auch bei den deutschen Meisterschaften in Bad Wildungen dabei. Reintjes sicherte sich im 9-Ball den Titel und im 10-Ball die Vize-Meisterschaft. „Es stimmt einfach mental bei mir, das strahlt auf mein Billard aus“, erklärt der 35-Jährige seine Erfolgsserie und ergänzt: „Technik, Taktik und Spielverständnis sind die Grundvoraussetzungen, entscheidend ist aber das Mentale. Ich habe eine tolle Familie, bin gerade zum zweiten Mal Vater geworden. Es geht mir rundum gut, und das merkt man meinem Spiel an.“ Dabei tritt Reintjes, der mitten im Berufsleben steht und lediglich zwei-, dreimal die Woche trainiert, gegen Vollprofis an. „Seine Leistung ist nicht hoch genug einzuschätzen“, lobt Cecchetti und verdeutlicht: „Christoph ist sehr bescheiden, er würde das nie erwähnen. Aber er hat in den vergangenen Wochen vier Weltmeister besiegt, darunter den amtierenden. Er ist in der Form seines Lebens.“

Die internationale Bühne wird der nächste Schritt für Reintjes sein. In den vergangenen Tagen wurde er vom Bundestrainer für die Europameisterschaften im Juli in den Niederlanden nominiert. Er wird dort gemeinsam mit Billardkoryphäen das deutsche Team bilden. „Das wird mein persönliches Highlight. Bis dahin sind auch noch einige Lehrgänge geplant, auf die ich mich sehr freue“, sagt Reintjes, der zwar beim VfF trainiert, aber in der Bundesliga für den BSV Playhouse Fürstenfeldbruck spielt.

Beim Sergio-Pelegrini-Gedächtnisturnier trat Reintjes ganz bewusst mit Cecchetti an. „Sandro hatte eine besondere Beziehung zu Sergio. Deshalb war ihm dieses Turnier sehr wichtig“, erklärt der Deutsche Meister. Sein Partner bestätigt: „Das stimmt. Wir sind beide Italiener. Sergio war etwas vereinsamt, hat nicht so gut Deutsch gesprochen. Wenn er jemanden zum Reden brauchte, sind wir etwas Essen gegangen. Ich habe ihm auch im Alltag geholfen. Er hat mir sein Queue vererbt, das ich habe aufarbeiten lassen, und das nun einen Ehrenplatz bei mir zu Hause hat.“ Pelegrini war Gründungsmitglied des VfF-Vorgängervereins und ein emsiger Billardspieler. „Es war uns ein großes Anliegen, an ihn zu erinnern“, sagt Klaus Schneider, der VfF-Pressesprecher. Auf der Theke hatten die Bad Kreuznacher denn auch ein Foto von Pelegrini aufgestellt. 19 Doppelteams durfte VfF-Sportwartin Tina Schleider begrüßen. Bei der Siegerehrung erhielt sie einen großen Applaus für die Organisation.

Im Finale standen Reintjes und Cecchetti dem Binger Duo „Keine Ahnung“ gegenüber. Zu Beginn hielten Heiko Thiel und Marc Lambauer noch gut mit, am Ende machten die beiden Bad Kreuznacher aber kurzen Prozess und siegten mit 7:2. „Doppelturniere haben einen besonderen Charakter, aber die Harmonie zwischen Sandro und mir hat gestimmt“, lobt Reintjes. Cecchetti, der für Alzey in der Oberliga spielt, fügt an: „Der Druck war schon groß. Schließlich wollte jeder mit Christoph spielen. Ich wollte ihn auch nicht enttäuschen. Zumal wir im Training viele Spielsituationen schon ausprobiert haben. Es dann aber im Wettkampf umzusetzen, ist das Schwierige.“

Von unserem Redakteur Olaf Paare

Regionalsport extra (E)
Meistgelesene Artikel
Suche >