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Rheinlandliga-Trio im Halbzeit-Check: Neitersen erst flop dann top, Betzdorf und Malberg mit Luft nach oben

Fußball gespielt wird in Deutschland eigentlich überall. In jeder Region gibt es dabei Vereine, die über die Grenzen hinaus bekannt sind, weil deren Mannschaften höherklassig spielen. Auf den Kreis Altenkirchen bezogen sind das die SG 06 Betzdorf, die SG Malberg/Rosenheim und die SG Neitersen/Altenkirchen, die in der Rheinlandliga regelmäßig auch in der Eifel, im Hunsrück oder im Trierer Raum vorstellig werden. Ein Rückblick auf das, was das Trio in der ersten Hälfte der Fußballsaison 2017/18 geleistet hat.

Zwei Spiele waren gespielt, da hatte die SG Neitersen/Altenkirchen schon elf Gegentore kassiert. Nach dem 0:7 am ersten Spieltag in Emmelshausen hatte es im ersten Heimspiel gegen Eisbachtal eine ebenfalls deutliche 1:4-Niederlage gesetzt. Damals merkte Lukas Haubrich in einem zwanglosen Gespräch mit einem Zuschauer jedoch an, fest davon überzeugt zu sein, schon bald nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben. Zumindest zur Winterpause lässt sich sagen: Der Spielertrainer hat recht behalten.

Gemeinsam mit Maik Rumpel war er im Sommer ein schweres Erbe angetreten, immerhin hatte der abgewanderte Cornel Hirt die Vorsaison in der sechsthöchsten Spielklasse mit 50 Punkten abgeschlossen und damit mehr erreicht als je ein Trainer zuvor in Diensten der Kombinierten aus dem Wiedbachtal und der Kreisstadt. Und es sah zu Beginn der aktuellen Runde auch nicht danach aus, als würde sich dieses Kunststück wiederholen lassen. Denn den zwei happigen Pleiten zum Auftakt folgten zwei weitere, sodass die Neiterser früh abgehängt schienen und es drumherum bereits die ersten Zweifel am Klassenverbleib gab. Der große Vorteil dabei: Die Zweifel gab es eben nur drumherum.

Stefan Peters (rechts) nahm mit der SG Neitersen nach verkorkstem Saisonstart gewaltig Fahrt auf. Auch weil die Arbeit von Spielertrainer Lukas Haubrich (links) nach einiger Zeit endlich Früchte trug. Foto: byJogi

Denn die Verantwortlichen verschlossen die Augen nicht vor der Realität, wussten um die erheblichen Veränderungen im Kader und dass diese nicht folgenlos bleiben würden, und ließen das neue Trainerduo – anders als so mancher Bundesligist – einfach machen. Spätestens seit dem 12. Spieltag zahlt sich diese Besonnenheit aus. Mit einer sechs Spiele währenden Siegesserie, die ausgerechnet gegen Ex-Coach Hirt und dessen SG Mendig ihren Anfang nahm, katapultierte sich die Mannschaft zwischenzeitlich ins obere Tabellendrittel und belegt zur Winterpause einen guten Mittelfeldplatz. Und mehr noch: Sie ist auf einem guten Weg, den Bestwert aus der Vorsaison noch mal zu überbieten.

Das waren noch Zeiten, als der Rasen auf dem „Bühl“ zu den besten Fußballplätzen in der Oberliga gehörte. Oberliga – mittlerweile liegt dieses Kapitel knapp zweieinhalb Jahre hinter der SG 06 Betzdorf. Sieben Jahre spielte der Verein ununterbrochen in dieser Klasse, in der er in der Saison 2010/11 sogar Dritter wurde. In den Reihen befanden sich damals Eigengewächse wie ein gewisser Sascha Mockenhaupt, der danach für den VfR Aalen und den 1. FC Kaiserslautern 44 Spiele in der 2. Bundesliga machte und sich nach einem vierteljährigen Intermezzo bei FK Bodø/Glimt in Norwegens erstklassiger Tippeligaen inzwischen anschickt, mit dem SV Wehen-Wiesbaden ins deutsche Unterhaus zurückzukehren.

Doch mit der Qualität des Rasens auf dem Betzdorfer „Bühl“ schwand auch die fußballerische Klasse im Kader. Gleich geblieben ist das Vertrauen in eigene Talente, auf die zählen sie an Sieg und Heller weiterhin. Oder besser gesagt: mehr denn je.

Was Marco Weller aus den Jungspunden rausholt, ist durchaus bemerkenswert – auch wenn der Trainer sie immer wieder ermutigen muss, an ihre Grenzen zu gehen, was sich an den erheblichen Leistungs- und Ergebnisschwankungen bemerkbar macht. Beinahe Woche für Woche wechseln sich Lobeshymnen und Klagelieder auf die Vorstellungen der Betzdorfer ab, die bislang mit Vorliebe Gegnern aus den vorderen Tabellenregionen Punkte abknöpfen, aber genauso gerne Kontrahenten aus dem Tabellenkeller Punkte überlassen. Bei dem ganzen Auf und Ab hat die Mannschaft eines aber bewiesen: Es steckt eine Menge Potenzial in ihr.

Einer spielt bei der SG Malberg/Rosenheim immer: Matthias Zeiler. Auf den Mann mit der Nummer eins können sich die Rot-Weißen verlassen, der Kapitän stand in dieser Saison in jeder Spielminute zwischen den Torpfosten. Kontinuität ist bei den Malbergern also Trumpf auf dieser Position. Das galt in der ersten Halbserie aber nicht für die Abteilung, die am anderen Spielfeldende für Erfolge sorgen soll.

So nah, wie sich Betzdorfs Torwart Marvin Scherreiks und Malbergs Angreifer Yanick Tsannang hier kommen, stehen deren Teams auch in der Tabelle beieinander – nämlich punktgleich. Foto: Thomas Jäger

Schon vor der Saison war klar, dass Markus Nickol nur die ersten Spiele zur Verfügung stehen werde, ehe er sich für ein Jahr in Richtung Kanada verabschieden würde. Umso besser, dass Jan Nauroth von Bezirksligist Müschenbach im Sommer zu den Malbergern zurückkehrte. Was Trainer Michael Boll mit dem Beginn der Runde allerdings zunehmend auf die Nerven gegangen sein dürfte: Kaum einer seiner Offensivkräfte blieb während der ersten Saisonhälfte von Verletzungen verschont. Joshua Brenner erwischte es dabei am dicksten, ihn setzte ein Anriss des Kreuzbandes mehrere Wochen außer Gefecht.

Wohl dem, der torgefährliche Abwehrspieler in seinen Reihen hat. Gemeinsam mit Nauroth führt nämlich Kevin Kostka die mannschaftsinterne Torjägerliste mit fünf Treffern an. Und auch Steffen Löb traf bereits viermal ins Schwarze, wobei der Allrounder in einigen Partien auch in vorderster Front zum Einsatz gekommen ist. Einen echten Torjäger sucht man bei den Malbergern damit zwar vergeblich, aber auch so sind sie in 19 Spielen auf 34 Tore gekommen, die sich auf elf Spieler verteilen. Eines ist dabei klar: Lieber elf Spieler, die jeweils nur dreimal treffen, als ein einzelner, der 34 Mal trifft. Denn auch wenn Michael Boll mittlerweile Erfahrung mit einer dezimierten Offensivabteilung hat, würde es ihm womöglich schlaflose Nächste bereiten, wenn sich sein einziger Torjäger verletzen würde.

Von unserem Redakteur Andreas Hundhammer

Fußball-Rheinlandliga
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