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Bad Kreuznach

Starke VfL-Mädels motivieren Sabrina Linn

Olaf Paare

Satte elf Jahre war es her, dass ein Judoka des VfL Bad Kreuznach eine Dan-Prüfung bestanden hat. Es wurde Zeit, das zu ändern. Neben Lea Ziegelmeyer und Jana Kistner, die sich jeweils ihren ersten Dan gesichert haben, zeigte auch Sabrina Linn ihr ganzes Können und wurde mit dem zweiten Dan ausgezeichnet. Mit ihr schließt sich der Kreis. Schließlich war sie vor elf Jahren eine der letzten Dan-Absolventinnen gewesen.

Sie stehen für den starken Herbst der VfL-Judoka: (vorne von links) Lea Ziegelmeyer und Jana Kistner, die sich den ersten Dan gesichert haben, Sabrina Linn, die ab sofort Trägerin des zweiten Dan ist, ihr Trainingspartner Timur Yazici sowie (hinten von links) Abteilungsleiter Andreas Ziegelmeyer, die G-Judoka Torsten Richter und Krzysztof Bawaj und Ausbilder Carlos de la Fuente, Träger des fünften Dan. Foto: Olaf Paare

„Ich wollte nicht mit den beiden jungen Mädels auf einer Dan-Stufe stehen. Das war meine Motivation, den zweiten Dan anzustreben“, sagt Sabrina Linn mit einem Schmunzeln und ergänzt: „Es war natürlich auch toll, solch ein Ziel im Team anzugehen. Da kannst du gemeinsam trainieren, gemeinsam die Lehrgänge besuchen, die ja Pflicht sind, und dich gegenseitig unterstützen.“ So eine Dan-Prüfung ist schließlich kein Kindergeburtstag. „Wir haben ein halbes Jahr täglich trainiert“, berichtet Sabrina Linn, die eine Fachfrau ist. Einst gehörte sie dem Junioren-Nationalteam an, seit vielen Jahren trainiert sie auch den Nachwuchs beim VfL. Die Erfahrung half bei der Vorbereitung, trotzdem musste sie noch einiges dazulernen und sich in einigen Punkten verbessern. „Von montags bis sonntags haben wir in den vergangenen Monaten durchtrainiert, haben keine Sommerpause gemacht“, bestätigt Andreas Ziegelmeyer, der Sektionsleiter Judo beim VfL. Er erläutert: „Der Dan ist ein Meistergrad. Deshalb müssen die Absolventen auch alle 60 Wurftechniken beherrschen, dazu Hebel- und Würgetechniken und Haltegriffe. Beim zweiten Dan sind es dann noch einige Anforderungen mehr.“ Die VfL-Judoka profitierten in der Vorbereitungsphase auch von der Erfahrung von Carlos de la Fuente. Der Träger des fünften Dan half dem Trio immens. Er hatte eine besondere Belohnung für die 20-jährige Lea Ziegelmeyer und die 19-jährige Jana Kistner zur Hand. Er überreichte ihnen einen Schwarzen Gürtel aus Japan mit einem Abzeichen aus dem Mekka des Judosports. Sabrina Linn verfügte bereits über ein japanisches Exemplar des Schwarzen Gürtels.

Andreas Ziegelmeyer gehörte vor elf Jahren übrigens auch zu den Absolventen und wurde somit nun von seiner Tochter eingeholt und von seiner langjährigen Mitstreiterin Sabrina Linn überholt. Ein Problem hat er damit nicht. Im Gegenteil, Dan-Träger adeln eine Judo-Abteilung und sichern den hohen Ausbildungsstandard. Zudem stehen die Dan-Prüfungen symbolisch für den „heißen Herbst“ der VfL-Judoka.

Es begann mit einer Judo-Safari für den Nachwuchs. Vier von 19 Talenten sicherten sich dabei die höchste Auszeichnung, den Schwarzen Panter. „Das war eine sehr gute Ausbeute, normalerweise haben wir nur einen Panter“, freut sich Ziegelmeyer. Das Besondere: Die Safari war eine inklusive Veranstaltung, Kinder mit und ohne Beeinträchtigung waren also gemeinsam aktiv. Inklusion liegt den VfL-Judoka schon lange am Herzen, bereits seit rund 20 Jahren fördern sie G-Judo. Die Teammitglieder Torsten Richter und Krzysztof Bawaj schafften es so auch schon zu den Weltspielen der Special Olympics und starteten unlängst bei den Weltmeisterschaften in Köln – wir berichteten. Richter hat die Dan-Prüfung von Sabrina Linn übrigens so inspiriert, dass er im nächsten Jahr ebenfalls den Meistergrad ins Visier nehmen möchte.

Auch das Weckmann-Turnier war in diesem Jahr erstmals inklusiv und wird 2018 in die deutschen Mannschaftsmeisterschaften im G-Judo integriert. Der VfL erhofft sich davon eine größere Teilnehmerzahl. „Wir legen aber nicht nur Wert auf Inklusion, sondern auch auf Integration. So trainieren unregelmäßig drei Afghanen bei uns mit“, erklärt Ziegelmeyer. Auch im Wettkampfsport sind die VfLer aktiv. Beim Offenen Rheinlandpokal durften sich Lea Ziegelmeyer und Jana Kistner über die Silbermedaille freuen, Sabrina Linn und Timur Yazici holten sich Bronze.

Ihre Erfolge passen ins Bild. Andreas Ziegelmeyer berichtet: „Seit zwei Jahren ist bei uns ein richtiger Aufschwung zu spüren. Früher waren wir ein kleines Team, mittlerweile sind wir immer 14, 15, die ins Training kommen. Damit lässt sich richtig etwas auf die Beine stellen.“ Die Dan-Auszeichnungen von Sabrina Linn, Lea Ziegelmeyer und Jana Kistner sind der beste Beweis dafür.

Ab dem 9. Januar bietet die VfL-Budoabteilung jeden Dienstag ab 20.30 Uhr in der Jahnhalle einen Selbstverteidigungskurs an. „Jeder, der Spaß oder Interesse hat, kann vorbeikommen“, sagt Organisator Carlos de la Fuente.

Von unserem Redakteur Olaf Paare

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Sektionen hat die Budo-Abteilung des VfL Bad Kreuznach: Ju-Jutsu, Philippinische Kampfkunst, Karate, Taekwondo, Iaido, Judo und Aikido. Ab Januar kommt Jiu-Jitsu hinzu. Dabei handelt es sich um eine traditionelle Selbstverteidigungsart mit Stöcken, die von Mönchen erfunden wurde.

Budo-Abteilungsleiter ist Andreas Grote, unter dessen Federführung in der Jahnhalle in den vergangenen Wochen ein zusätzlicher Kampfsportraum ausgebaut wurde. Er entstand in einer ehemaligen Abstellkammer der „Weißen Fräck“. olp

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