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  • 16.02.2017, 16:43 Uhr16.02.2017, 18:00 Uhr
Betzdorf

Jüngster Hälftling im Land: 14-Jähriger muss nach Raub auf Schulhof hinter Gitter

Von Eugen Lambrecht

Auf dem Pausenareal der Martin-Luther-Grundschule in Betzdorf geschah die Tat: Wegen schwerer räuberischer Erpressung musste sich ein 14-Jähriger vor dem Landgericht Koblenz verantworten, das eine zweieinhalbjährige Haftstrafe verhängte. Foto: Markus Döring

Bei dem Raub auf dem Schulhof standen dem Jugendlichen zwei 22-Jährige zur Seite. Auch sie müssen jetzt ins Gefängnis: der eine für dreieinhalb Jahre, der andere für vier Jahre und drei Monate. Der Vorsitzende Richter Andreas Groß wiederholte mehrmals: „Was Sie getan haben, ist eines der schwersten Verbrechen, die das Strafgesetzbuch kennt.“ Laut dem Richter sei es traurig, dass die beiden 22-Jährigen das offensichtlich nicht begreifen. „Ich sehe zwei Erwachsene, die sich benehmen wie 14-Jährige.“ Bezogen auf den Jugendlichen resümierte er: „Ihr kriminelles Motiv zeigt, dass bei Ihnen etwas gründlich schief gelaufen ist.“

Das geschah laut Urteil an jenem Septemberabend vergangenen Jahres: Das Trio feiert auf dem Betzdorfer Schützenfest, trinkt Mischbier und Schnaps, die zwei Älteren rauchen Joints und ziehen Speed. Gemeinsam fassen sie den Plan, jemanden „abzuziehen“. Als gegen 22 Uhr zwei 15-Jährige an ihnen vorbeigehen, sehen sie in ihnen die perfekten Opfer: jung, wehrlos, adrett gekleidet. Sie folgen ihnen auf den Hof der Martin-Luther-Schule in Betzdorf. Der 14-Jährige pöbelt die Jugendlichen an, drängt sie in eine Ecke, fordert sie dazu auf, ihr Geld herauszurücken.

Für die Opfer wird der Schulhof zur Falle: kein Licht, keine Menschen, kein Entkommen – weil einer der 22-Jährigen den einzigen Zugang zum Hof blockiert. Der andere 22-Jährige tritt einem der Jungen gegen die Hüfte, der 14-Jährige zückt ein Butterflymesser, klappt es auf und richtet die zehn Zentimeter lange Klinge in Richtung seiner Opfer. Die drücken ihm verängstigt 60 Euro in die Hand, der junge Räuber durchstöbert dennoch ihre Portemonnaies. Aber damit nicht genug: Er verlangt nach den Handys der beiden Schüler. Nur sein älterer Komplize kann ihn bremsen: „Ist gut jetzt!“

Der 14-Jährige war laut Gericht somit kein Mitläufer, sondern Haupttäter. Zum Zeitpunkt des Raubs war er seit zwei Monaten strafmündig, beging bis dahin aber bereits zwei andere Straftaten, wurde unter anderem dabei erwischt, wie er versuchte, einen Roller zu klauen. In seinem Elternhaus tauchte er nur noch sporadisch auf, schwänzte die Schule, beschimpfte Lehrer, prügelte im April 2016 einen Klassenkameraden krankenhausreif. Seit 2013 ist er der Polizei als Intensivtäter bekannt.

Vor Gericht erklärte er, dass sich das Umfeld der Jugendstrafanstalt stabilisierend auf ihn auswirke. Bis zum Ende des Jahres möchte er dort seinen Hauptschulabschluss machen. Doch vor Kurzem fanden Wärter in seiner Zelle eine Anleitung, wie man Roller aufbricht und kurzschließt. Auf Rückfrage des Richters, was es damit auf sich hat, antwortete der Junge lächelnd: „Das hat bei mir einer vergessen.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

 

Altenkirchen Betzdorf
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