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Präsidentenspektakel, Showgrößen unter sich und das närrische Finale

18.02.2017, 10:00 Uhr

Die Ruhe vor dem närrischen Sturm: In der nächsten Woche übernehmen die Narren an der Nahe endgültig das Zepter. Die Kommunalpolitik hat erst mal Sendepause – Landratswahl hin oder her.

Trump toppt alles

 

Andererseits frage ich mich, ob es wirklich einen so großen Unterschied macht, ob nun die Narren oder der Stadtvorstand mit dem Stadtrat die Stadt regieren. Vielleicht sind die närrischen Frohnaturen einfach nur lustiger als die Politiker. Wenigstens halten die Büttenredner den Sonntagsrednern den berühmten Spiegel vor. Gemessen an dem, was sich diese im vergangenen Jahr so alles geleistet haben, kamen sie in der Kampagne aber geradezu glimpflich davon. Vielleicht lag's ja daran, dass ihnen US-Präsident Donald Trump mit seinem seltsam skurrilen Dauerspektakel die Show gestohlen hat. Dessen Auftritte waren war nun wirklich selbst von der Kreuznacher Kommunalpolitik nicht zu toppen. So ein gefundenes Fressen bekommen die Narren wirklich selten serviert. Außerdem: „Einer trage des andern Last“ mag ja für vieles gelten, für die Politik aber ganz bestimmt nicht. Das Bibelwort aus dem Galaterbrief soll aber für den Kreuznacher Wochenmarkt zum Hit und zum Selbstläufer werden.

Klara bringt's: (von rechts) Steffi Otto, Manfred Schumacher, Rainer Schmitt, Sven Kriewald, Heike Kaster-Meurer und Pitt Elben. Foto: Stadtverwaltung

 

Klara bringt's

 

Die Kreuznacher Lastenradinitiative, kurz Klara, geht in ihre nächste Testphase. Ab 1. März wird der Service nach dem Motto „Sie kaufen ein, wir bringen es heim“ ausgeweitet. Mit Mitteln aus dem Förderprogramm Aktive Stadtzentren konnte die Stadt für 5000 Euro ein eigenes Lastenrad kaufen und das Leihrad an Sven Kriewald von OK E-Bike zurückgeben. Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer dankte allen Beteiligten, allen voran Initiator Pitt Elben. Dieser kostenlose Service, von dem vor allem ältere Menschen profitieren, macht „unsere Stadt ein bisschen liebenswerter“, sagte die OB. Ab 1. März wird am Kornmarktbrunnen eine Lastenrad-Haltestelle eingerichtet. Dienstags und freitags von 10 bis 13 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 18 Uhr steht der Service dann zur Verfügung: Die Ware wird hier angenommen und nach Hause transportiert. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Inhaber des Geschäfts, in dem eingekauft wird, die Hotline 800.880 wählt. Der Anruf wird an das Klara-Handy weitergeleitet und die Ware vor Ort abgeholt. Am Wochenende kann das Lastenrad von Vereinen, Initiativen oder Privatpersonen kostenlos oder gegen eine kleine Spende ausgeliehen werden bei: Radservice Manfred Schumacher, Stromberger Straße 2, Buchungstelefon 0671/800.880. Im Namen der ehrenamtlich Engagierten bedankte sich Stephanie Otto bei der Verwaltung: neben der OB bei Thomas Fischer und zag-Manager Rainer Schmitt vom Stadtteilbüro sowie bei Beate Schneider, die im Infobüro die Aufträge koordiniert. „Mehr als die Hälfte aller Transporte im Nahbereich der Stadt lassen sich genauso schnell, nur preiswerter und gesünder per E-Lastenrad transportieren.“ Elben verwies auf Kopenhagen. In der dänischen Hauptstadt sind mehr als 25.000 Lastenräder unterwegs. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg: „Es braucht die Initiative Lastenrad KH und einen langen Atem, bis auch die Autojunkies unsere Klara mal ausprobieren wollen.“ Gesucht werden weiter ehrenamtliche Fahrer. Sie können sich bei Pitt Elben (pitt.elben@gmx.net, Telefon 0671/8459219 oder bei klara@bad-kreuznach.de und zag@bad-kreuznach.de melden.

 

 

Kerkeling wandert

 

 

Mindestens so gesund wie Radfahren ist zu Fuß gehen. Und da stellt sich die Frage, ob der 52-jährige Komiker, Moderator und Autor Hape Kerkeling statt auf dem Jakobsweg bald auf dem Hildegardweg wandert. In Berlin waren die Showgrößen unter sich: Die heimische Abgeordnete, CDU-Landeschefin Julia Klöckner, traf vergangenes Wochenende bei der Bundesversammlung, die den neuen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier wählte, unter anderem mit dem Multitalent Kerkeling sowie der Schauspielerin Veronica Ferres zusammen und warb bei beiden Prominenten gleich für das Naheland. Schmackhaft machte die Christdemokratin vor allem den Hildegardweg, war Kerkeling doch 2001 auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gepilgert. Die frühere Weinkönigin ließ einen Vorteil nicht unerwähnt: Beschließen könnte man eine Wanderung auf dem Hildegardweg stets mit einem guten Glas Nahewein – ein schlagendes Argument! Und wer weiß: Vielleicht zieht Veronica Ferres nach den Erzählungen von Julia Klöckner über ihre Heimatregion die Landschaft an der Nahe ja als Kulisse für einen ihrer nächsten Filme in Betracht. Gut informiert war die Schauspielerin in jedem Fall über einen anderen Vorzug der Region, hatte sie doch gehört, dass Kanzlerin Angela Merkel ihren Schmuck in der Edelsteinstadt Idar-Oberstein kauft. 

 

Veronica Ferres las

 

Den Weg nach Bad Kreuznach müsste Veronica Ferres aber auch kennen: 2005 beeindruckte die als „Superweib“ bekannt gewordene blonde Actrice bei einer Lesung in der Römerhalle. Sie las damals aus dem Roman „Blond“ von Joyce C. Oates. Darin wird in einer Montage aus Szenen das Leben der US-amerikanischen Schauspielerin Marilyn Monroe beschrieben. Ferres war in Berlin aber nicht nur bei der Bundesversammlung dabei, sondern auch bei der 67. Berlinale. Wer weiß, vielleicht hat sie dort ja auch die in Bad Kreuznach geborene und in Berlin lebende Regisseurin und Produzentin Kordula Hildebrandt getroffen. Auch das spräche doch wohl dafür, einen Film im Naheland zu drehen. Oder?

 

 

Der Kreuznacher „Verfassungsvater“ Karl Kuhn. Foto: Stadtarchiv

Der Nahewein half

Zurück zu Hape Kerkeling, dem Hildegardweg und dem guten Nahewein: Der im vergangenen Jahr verstorbene Ehrenmedaillenträger der Stadt und ehemalige Bereichsredakteur und Redaktionsleiter des „Oeffentlichen“, Richard Walter, hielt im Mai 2007 im Stadtratssitzungsaal einen Vortrag über das Leben und Wirken des Bad Kreuznacher Bürgermeisters und Verfassungsvaters Karl Kuhn (1898 bis 1986). Walter war als Radioreporter des Südwestfunks hautnah bei der „Landtags-Geburt“ dabei. In der Zeit von Januar bis April 1947 tagte die Beratende Landesversammlung insgesamt sieben Mal im Faust-Haus. „Dass Bad Kreuznach Tagungsstätte der Versammlung war, ist auch ein Verdienst Kuhns“, berichtete Walter, Zeitzeuge und Chronist der Bad Kreuznacher Nachkriegsjahre, und erzählte auch diese Anekdote: „Trotz scharfer Blockade konnte Kuhn hinter dem Rücken der Besatzungsmacht gute Verpflegung herbeischaffen.“ Auch der „edle Nahewein“ habe sehr zu der menschlichen und harmonischen Atmosphäre der vom „Verfassungsidealismus“ beflügelten Arbeit des Ausschusses beigetragen, wusste Walter von einem „wehmütigen Rückblick“ des Staatsrechtlers und ersten rheinland-pfälzischen Justizministers Dr. Adolf Süsterhenn aus Koblenz.

Kreuznacher Schwätzchen
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